Von ech­ten „Bord­stein­kan­ten­ge­schich­ten“ erwar­tet man ja noch gera­dezu, dass sie dre­ckig sind. Und nicht wirk­lich schön anzu­hö­ren. Aus solch musi­ka­li­scher Gosse her­aus for­miert sich (vor-)schnell Begehr: „Heute wird gewon­nen, bitte“! Gerne, aber so bestimmt nicht. Vier Muff Pot­ter–Alben und ein Fazit: Nicht mehr als Juze-​​Punk aus Müns­ter­land? Ha, „Von wegen“! (Huck’s Plat­ten­kiste/​Indigo/​Uni­ver­sal).

Rot­zig, trot­zig, raus­ge­bratzt. So ken­nen wir den Fün­fer, manch einer soll ihn gar dafür geliebt haben. Und zwar so (t)rotzig, dass man Muff Pot­ter allen Szene-​​Gehypes und attes­tier­ten Live-​​Phänomens zuwi­der erklä­ren wollte, wie denn der Pro­be­raum einst ein­mal zu sei­nem Namen kam. Doch hört hört: Der unge­schlif­fene, rohe Punk Rock-​​Sound hat wie Sän­ger Nagels Stimme seine Unbe­küm­mert­heit ver­lo­ren. Statt des­sen sau­ber Abge­misch­tes mit klar erkenn­ba­rer Linie, ein­gän­gi­gen Hooks („Wenn, dann das hier“) und bra­chia­ler Härte („Anti­fa­mi­lia“) oder gar bei­dem in Kom­bi­na­tion („22 Gleise spä­ter“) — ein ech­ter Quantensprung!

Die Spit­zen sit­zen, und deut­sche Texte mit Anspruch auf Tief­gang hat­ten Muff Pot­ter ja eh schon immer: „Neue Stim­men und neue Lie­der ver­kün­den wir sind wie­der wer — ach so die neue deut­sche Zeit­rech­nung beginnt 1954 in Bern“, das trifft „Punkt 9″-genau die hie­sige Natio­na­lis­mus­be­find­lich­keit! Mit „Von wegen (aus Grün­den)“ zei­gen die Müns­te­ra­ner eben mal was sprich­wört­li­che Lie­bes­ly­rik ist, und ein bis­sel Punk­rock is gott­lob immer noch, schließ­lich kann man nach wie vor „auch ohne Spaß Alko­hol haben“ („Alles­nur­ge­klaut“). Genau so, denn nur der­ge­stalt lässt sich in Bezug auf talen­tierte Empor­kömm­linge wie Madsen Boden gut machen.

Gewohn­heits­recht gibt’s im Geschäft mit der Musik sowieso nicht, da kann man sein Pro­dukt so aus­ge­fal­len (und inhalts­los) beti­teln wie man lus­tig ist: Mit „Angry Pop Music“ eti­ket­tie­ren etwa die Pot­ters ihr Schaf­fen — und wie­der eine wei­tere nicht exis­tente Nische besetzt. Toll. Und ebenso belang­los. Nenn’s Punk, nenn’s Pop, nenn’s Rock, nenn’s Indie, nenn’s Wha­te­ver — machen alle ande­ren letz­ten Endes auch und wer mag sich da schon fest­le­gen?! Eine Sache steht jeden­falls. Und zwar ebenso fest: „Wenn irgend­was gut ist, dann das hier“!