17. November 2005

So was wie Liebe

Ver­trackte Sache, das. Da tref­fen sich zwei Men­schen, die trotz aller Unter­schiede ein Traum­paar abge­ben könn­ten. Er will. Sie eigent­lich auch — aber eben nur eigent­lich. Mal ein biss­chen aus­to­ben, ohne läs­tige Ver­pflich­tun­gen und ohne weit­rei­chende Kon­se­quen­zen, das war doch ihr fes­ter Plan gewe­sen. Aber er bleibt dran: „Nein, du bist nicht kom­pli­ziert, nur eine Her­aus­for­de­rung!“ Aber ne, manch­mal geht eben alles grade gar nich; fal­scher Ort, fal­sche Zeit. Und so wird hin– und her­über­legt bis schließ­lich alles kaputt­ge­dacht ist. Schade eigentlich.

Und so ähn­lich trägt es sich auch zu in der auf DVD erhält­li­chen Roman­tik­ko­mö­die „So was wie Liebe“ (Buena Vista Home Enter­tain­ment). Dabei war ihr ers­tes Zusam­men­tref­fen doch gleich sehr inni­ger Natur: Pun­ke­rin Emily (Amanda Peet) ver­führt Bie­der­männ­chen Oli­ver (Ash­ton Kut­cher) zu einem spon­ta­nen One-​​Flight-​​Stand auf der Flug­zeug­toi­lette. Dann trifft man sich wenig spä­ter zufäl­lig in New York. Er gibt ihr seine Tele­fon­num­mer und sie ruft ihn tat­säch­lich an — aller­dings drei Jahre spä­ter. Die bei­den tref­fen sich immer wie­der; mal mit Sex, mal ohne, aber jedes Mal ste­hen Lebens­pla­nung oder andere Lie­bes­part­ner einer Bezie­hung im Wege. Sechs ganze Jahre müs­sen ver­ge­hen und Emily steht schon fast vor dem Trau­al­tar — bis ihr mit einem Mal bewusst wird, dass die­ses Glücks­hor­mone frei­set­zende Gefühl viel­leicht ja doch so was wie Liebe sein könnte.

Es ist ganz der film­ge­wor­dene „Moment“ von Befind­lich­keits­ly­ri­ker Olli Schulz, der in sei­nem Klasse-​​Song jene wei­sen Worte singt, wel­che die Wahr­heit min­des­tens so split­ter­nackt daste­hen las­sen wie Amanda „ihren“ Ash­ton: „Alle haben ihren Glau­ben und sie hal­ten daran fest. Nur was war noch­mal der Grund, der so viele glau­ben lässt ihre Zukunft dau­ert ewig und das Jetzt ist nur ein Spiel? Und man fin­det erst im Mor­gen ein wirk­li­ches Gefühl. Bis man bemerkt, dass etwas fehlt; wie gut es ist, wenn du erzählst von dem Moment, der bes­ser ist als alles andere, das du kennst.“

Die­ses hehre Pri­vi­leg darf die „Harry und Sally“-inspirierte Love­story von Regis­seur Nigel Cole zwar nicht für sich bean­spru­chen — aber eigent­lich will sie das auch nicht. Vom Müs­sen gar nicht erst zu reden. Denn die 103 Minu­ten leicht­ver­dau­li­cher Romanze mit ihren bei­den adrett drauf­los­s­pie­len­den Haupt­dar­stel­lern genü­gen voll und ganz, um zu dem kla­ren Schluss zu kom­men: Jawoll, ich will! Denn manch­mal, ja wirk­lich nur manch­mal wird trotz aller Eigent­lichs am Ende doch noch alles gut. Schöne Sache, das!