1. Dezember 2005
Der verbotene Schlüssel
New Orleans, Voodoo-Religion und Hoodoo-Hokuspokus. Jeden Moment ist damit zu rechnen, dass Schattenjäger Gabriel Knight um die Ecke geschlendert kommt. Doch statt des Sierra–Adventure-Veteranen schauen wir auf das adrette Antlitz von Kate Hudson, die tief in den fiebrigen Sümpfen Louisianas als Krankenschwester Caroline die Pflege eines gelähmten Greises übernimmt. Und auf dem Anwesen der Devereauxs gehen gar merkwürdige Dinge vor sich.
Mit seinem Schlaganfall ist Ben (John Hurt) auf der Zielgeraden des Lebensmarathons eingelaufen. Und Caroline soll ihm die letzten Monate ein klein wenig erleichtern. Nur beschleicht sie mehr und mehr das Gefühl, dass die scheinbar so treusorgende Ehefrau Violet (Gena Rowlands), mit welcher er die heruntergekommene Plantagen-Villa behaust, ganz andere Absichten haben könnte. Und neugierig wie junge Mädels nunmal sind, steckt Caroline ihr süßes Näschen tief in fremde Angelegenheiten: Mit dem Generalschlüssel bewaffnet macht sie sich auf, die modrigen Räume der Villa zu erkunden — und gerät dabei in eine Welt voll finsterer Hoodoo-Rituale.
Wie in jedem mittelprächtigen Krimi so geht es viel zu oft auch auf der großen Leinwand zu: Der Film ist noch nicht einmal zur Hälfte gelaufen und die Rollen von Gut und Böse, schuldig und unschuldig, Täter und Opfer sind längst verteilt — und dem Spannungsmoment nicht unbedingt zuträglich. Alleine deshalb lohnt der Griff zum „Verbotenen Schlüssel“ (Universal Pictures), der seit kurzem auf DVD zu haben ist. Regisseur Iain Softley setzt das Drehbuch von „Ring“-Interpret Ehren Kruger famos in Szene und auch der Rest der Stablist macht seine Sache ordentlich. Kate Hudson fasziniert allein schon durch ihre Präsenz, Peter Sarsgaard füllt die Rolle des undurchsichtigen Anwalts.
Doch fürs richtige Gruselfeeling sorgen erst John Hurt und Gena Rowlands, wobei Letztere glatt der Verfilmung von Stephen Kings „Misery“ entsprungen sein könnte. Sie verleiht den 104 Minuten ihren schaurig-schönen Drive; und in deren Folge entwickelt sich ein atmosphärisch beklemmender Suspense-Thriller, der seine Zuschauer auf ständig neue, aber völlig falsche Fährten zu locken versteht. Nur um in den letzten Zügen das vermeintlich beste, weil überraschendste Filmende des Kinojahres 2005 bereit zu halten.
