18. Dezember 2005

Factotum

Hollywood-​​Beau Matt Dil­lon schlüpft mit „Fac­to­tum“ in die nicht eben son­der­lich attrak­tive Haut des trink­fes­ten Skandal-​​Autors Charles Bukow­ski; respek­tive des­sen lite­ra­ri­schen Alter Ego Henry „Hank“ Chi­naski, wel­cher sich als Gele­gen­heits­ar­bei­ter durch­schlägt, um das nötige Klein­geld für seine sie­ben Hob­bys auf­zu­brin­gen: Sex und Saufen.

Seine mit­un­ter ganz schön bizar­ren All­tags­be­ob­ach­tun­gen ver­ewigt er in Kurz­ge­schich­ten, die aller­dings ebenso regel­mä­ßig von den Ver­la­gen abge­lehnt wer­den. Jede Woche schickt Chi­naski seine Manu­skripte aufs Neue an die Redak­tion der Lite­ra­tur­zeit­schrift „Black Spar­row“. Und obwohl er genau weiß, dass sie dort gleich in den Papier­korb wan­dern, macht er unver­dros­sen weiter.

Die wun­der­same Welt des Dirty Old Man

Unwil­lig sich den Zwän­gen des bür­ger­li­chen Erwerbs­le­bens zu unter­wer­fen, ver­dient er sei­nen Lebens­un­ter­halt des­halb mal als Aus­fah­rer, mal am Fließ­band einer Essig­gur­ken­fa­brik, dann wie­der in einem Ersatz­teil­la­ger für Fahr­rä­der. Schlecht bezahlte, miese Jobs, die er regel­mä­ßig ver­liert sobald er wie­der ein­mal ein län­ge­res Päu­schen in der nächs­ten Bar ein­legt. Ein Auf und Ab am Rande der Gesell­schaft, das Chi­naski zwar mit stoi­scher Cool­ness und scharf­sin­ni­gem Humor durch­schaut, aber bis zur bit­te­ren Neige auskostet.

Nach sei­nen „Kit­chen Sto­ries“ erweist sich der bereits viel gerühmte nor­we­gi­sche Regis­seur Bent Hamer erneut als Meis­ter der Lako­nie. Ange­lehnt an diverse Texte aus der Feder Charles Bukow­skis und vor­nehm­lich sei­nem zwei­ten Roman „Fac­to­tum“ hat er einen atmo­sphä­risch dich­ten Underdog-​​Streifen insze­niert, in dem die wun­der­same Welt des Dirty Old Man ihr eben­bür­ti­ges Abbild findet.

Mit der tro­cke­nen Bei­läu­fig­keit von Bukow­skis schnör­kel­lo­ser Prosa

Es ist die Cha­rak­ter­stu­die eines nach­denk­li­chen Man­nes; ein heiter-​​melancholischer Trip durch die Gosse ohne Illu­sio­nen dar­über, wo die Vor­liebe für bil­li­gen Fusel, Tabak und leichte Mäd­chen enden wird. Und das alles fil­misch erzählt mit eben jener tro­cke­nen Bei­läu­fig­keit, die so per­fekt zur schnör­kel­lo­sen Prosa Bukow­skis passt. „Ein Intel­lek­tu­el­ler ist ein Mensch, der eine ein­fa­che Sache kom­pli­ziert aus­drückt. Ein Künst­ler ist ein Mensch, der eine kom­pli­zierte Sache ein­fach aus­drückt.“ So lau­tete einst des Roman­ciers Credo. Und Bent Hamer hat verstanden.