14. Dezember 2005

King Kong

Wenn einer bereits die „Herr der Ringe“-Trilogie ver­fil­men durfte und immer noch so etwas wie einen Kind­heits­traum hegt, dann kann eigent­lich nur der Grö­ßen­wahn aus­ge­bro­chen sein. Und so weit weg von der Wahr­heit sind wir im Falle von Peter Jack­son ganz und gar nicht. Seit einer Woche ist seine Ver­sion eines der Film­aben­teuer schlecht­hin in den Kinos zu sehen: „King Kong“. Wer dem Hype um den lie­bes­tol­len Pri­ma­ten bis­lang wider­stan­den hat, sollte sein Zau­dern noch­mals über­den­ken. Es lohnt sich.

Zu Zei­ten der Gro­ßen Depres­sion fin­det die Varieté-​​Schauspielerin Ann Dar­row (Naomi Watts) wie so viele Ame­ri­ka­ner keine Arbeit — bis ihr der ruhm­ver­ses­sene Regis­seur Carl Den­ham (Jack Black wie es nur Jack Black spie­len kann) ein ver­lo­cken­des Ange­bot unter­brei­tet: Noch an die­sem Abend will er an Bord des Damp­fers S. S. Ven­tura einen bis dato wei­ßen Fle­cken auf der Land­karte im fer­nen Sin­ga­pur berei­sen, um sei­nen ful­mi­nan­ten, aber von den Pro­duk­ti­ons­fir­men äußerst skep­tisch beäug­ten Aben­teu­er­film zu vollenden.

Skep­tisch gibt sich auch Ann. Erst als sie erfährt, dass der gesell­schafts­kri­ti­sche Büh­nen­au­tor Jack Dris­coll (Adrien Brody) für sie Story ver­ant­wort­lich ist, lässt sie sich über­re­den. Mit der nai­ven Schau­spiel­ent­de­ckung und einem genö­tig­ten Dreh­buch­au­tor an Bord ver­lässt der Damp­fer also den Hafen von New York und beginnt eine Reise, wel­che die Vor­stel­lun­gen der an Bord Befind­li­chen schon bald bei wei­tem über­stei­gen wird: The Secret Of Mon­key, par­don, Skull Island…

Jack­son — Regis­seur, Pro­du­zent und Co-​​Autor — haucht dem Klas­si­ker „King Kong und die weiße Frau“ von Merian C. Cooper und Ernest B. Scho­ed­sack weit mehr als nur neues Leben ein. Seine Fas­sung jener welt­be­rühm­ten „Die Schöne und das Biest“-Lovestory, die im tra­gi­schen Bild des über­di­men­sio­nier­ten Goril­las auf dem Dach des Empire State Buil­ding sein Ende fin­det, gleicht viel eher einem drei­stün­di­gen Effekt-​​Orkan! Ohne Durch­hän­ger. Und weg­wei­send dazu, ein­mal mehr.

Dazu ver­setzt er die Ori­gi­nal­story aus dem Jahr 1933 mit ste­ten Adre­na­lin­schü­ben moderns­ter Computer-​​Trickspielereien. Erlaubt sich Jack­son auch die ein oder andere Moder­ni­sie­rung wie Spie­le­rei und wirkt seine Dar­stel­ler­riege zu Anfang selt­sam alt­ba­cken in die „Kulis­sen“ hin­ein­ge­schnit­ten, so bleibt schon bald gar keine Zeit mehr sich über der­er­lei Klei­nig­kei­ten groß­ar­tig Gedan­ken zu machen.

Wie auch? Jack­son lässt den Zuschauer näm­lich nicht mehr dazu kom­men. Viel zu rasch fol­gen die Effekt­feu­er­sal­ven, die man zwar alle im Grunde irgendwo schon mal schauen durfte; seine Ein­ge­bo­re­nen kön­nen etwa einen leich­ten Ork-​​Einschlag nicht leug­nen und es ist durch­aus legi­tim sich der roman­ti­schen Illu­sion hin­zu­ge­ben, Indiana Jones wäre zu guter Letzt doch noch ein vier­ter Teil im Juras­sic Park vergönnt.

Aber wohl noch nie gab’s das so per­fekt und vor allem so geballt wie im unter­halt­sams­ten Stück (Abenteuer-)Popcorn-Kino seit dem „Fluch der Kari­bik“. Um einem Carl Den­ham das letzte Wort zu las­sen: „Und das alles für den Preis einer Eintrittskarte!“