So ist das manch­mal. Vor­hang auf, Licht an, und man trot­tet mit gemisch­ten Gefüh­len aus dem Kino­saal. Bei Remakes über die Jahre lieb­ge­won­nene­ner Klas­si­ker ist das wohl eher die Regel. Und auch die just ange­lau­fene nebu­löse Neu­auf­lage der Schau­er­mär „The Fog — Nebel des Grau­ens“ macht da trotz eines Pro­du­zen­ten mit Namen John Car­pen­ter keine allzu rühm­li­che Ausnahme.

Die Idee, sei­nen mitt­ler­weile 25 Jahre alten Film frisch abzu­dre­hen, hatte der Gen­re­papst noch selbst. Ran ließ Car­pen­ter aber bewusst einen ande­ren: Rupert Wain­w­right. Beim Kar­ten­kauf, da ver­mit­telte die schüt­zende Pro­du­zen­ten­hand ja irgend­wie noch etwas Beru­hi­gen­des. Und dann legt sich auch schon der Nebel über Anto­nio Bay.

Über dem schein­bar idyl­li­schen Insel­städt­chen liegt näm­lich immer noch ein unschö­nes Geheim­nis: Im Jahr 1871 sank vor sei­ner Küste unter mys­te­riö­sen Umstän­den der Clip­per „Eliza­beth Dane“. An Bord eine Kolo­nie Lepra­kran­ker, die sich auf dem Eiland nie­der­las­sen woll­ten. Es kam nicht dazu. Vier Mann, ein unaus­sprech­li­ches Ver­bre­chen spä­ter und Mann­schaft wie Pas­sa­giere ver­san­ken im feuch­ten Grabe. Doch wie wir längst wis­sen: Manch­mal keh­ren sie wieder.

Im Dreh­buch nichts Neues…

Aber warum aus­ge­rech­net auf der Kino­lein­wand? Da wird uns doch allen Erns­tes Serien-„Schauspielerin“ Mag­gie Grace als Ersatz für Scream-​​Queen Jamie Lee Cur­tis vor­ge­setzt, die anno ’80 dank Car­pen­ters „Hal­lo­ween — Die Nacht des Grau­ens“ schon weit mehr als nur einen Sze­ne­na­men inne hatte. In der ursprüng­li­chen Film­ver­sion ist deren Rolle Eliza­beth eine Aus­wär­tige, die rein zufäl­lig per Anhal­ter nach Anto­nio Bay kommt und dort in einen Alb­traum gerät, mit dem sie nichts zu tun hat.

In der moder­ni­sier­ten lässt man die Rück­keh­re­rin gleich dort auf­wach­sen, damit sie die Erb­last der Stadt­vä­ter mit­trägt, was das „Ver­gan­gen­heit trifft Gegenwart“-Grundmotiv des Films unter­streicht. Fein! Und wei­ter? Sofern man noch ganz in Geber­laune gel­ten lässt, dass der nicht unwe­sent­li­chen Kir­chen­sze­ne­rie mit einem Athmo kil­len­den Orts­wech­sel gehul­digt wird — im Dreh­buch nichts Neues.

…und Nebel­schwa­den so unheim­lich wie eine 80er-​​Großraumdisse

„The Fog“ 2006 schei­tert jedoch schon an etwas viel Wesent­li­che­rem: Ein Hor­ror­film sollte Gru­sel­stim­mung ver­brei­ten; das ist doch sein Zweck. Und zwar ganz gleich ob der Plot ein geläu­fi­ger ist oder nicht. Die wie­sel­flin­ken Nebel­schwa­den sind die­ser Tage jedoch allen­falls so unheim­lich wie eine 80er-​​Großraumdisse; ja man erwar­tet jeden Moment die Sil­hou­et­ten von Tho­mas Anders und Die­ter Boh­len aus ihnen empor­stei­gen. Aber Modern Tal­king lei­der Fehlanzeige.

Von der Wei­ter­ent­wick­lung eines meh­rere Deka­den alten Horror-​​Stoffes — wie es Zak Sny­der etwa noch so gran­dios bei George A. Rome­ros Zombie-​​Klassiker „Dawn Of The Dead“ voll­brachte — ist ein Mis­ter Wain­w­right näm­lich so weit ent­fernt wie Anto­nio Bay vom nord­ka­li­for­ni­schen Fest­land. Und apro­pos Tal­king: Wären nicht diese schau­ri­gen Dia­loge — wir hät­ten uns 100 Minu­ten lang wohl nim­mer­mehr gegru­selt. Echte Gen­re­fa­na­ti­ker wer­den von einem Kino­gang wohl kaum abzu­brin­gen sein, für den Rest gilt: Hat die Video­thek um die Ecke eigent­lich noch geöffnet?