Eläkeläiset - "Humppasirkus"Mit dem Glau­ben ist das ja immer so eine Sache. Einen haben wir über all die Jahre nicht ver­lo­ren. Denn Humppa ver­bin­det: „We Will Rock You“, „Gangsta’s Para­dise“, „Smoke On The Water“, „Mrs Robin­son“, „Enter Sand­man“, „Light My Fire“, „Ace Of Spa­des“. Auch wenn die Trink­fes­tig­keit das ein­zige ist, was diese bei­den Par­teien ver­bin­det — Elä­keläi­set machen sogar vor Lemmy nicht Halt und haben im Laufe ihrer Band­ge­schichte schon so ziem­lich alle Musik­gen­res und –Zeit­al­ter mit Akkor­deon und Key­board durch den Humppa-​​Schredder gepresst.

„Hump­pau­kaasi“, „Para­ti­isih­umppa“, „Savua Laa­tokalla“, „Urho Kek­ko­sen Muis­tolle“, „Sora­mont­tu­humppa“, „Hump­paan Muna Tulessa“, „Sor­va­rin Humppa“. Und das war — na klar — fin­nisch. Spiel­freu­dig wie schon lange nicht mehr for­dern die Rent­ner aus Joen­suu nun mit ihrer neuen Platte zum Tanze auf. Manege frei für den „Hump­pa­sir­kus“ (Humppa Records/​Indigo)! Und es sei vor­weg­ge­nom­men: Das wird ‚ne Show! Ver­ges­sen die eigens ver­fass­ten Eläkeläiset-​​Stücke in Album­länge auf dem Vor­gän­ger „Hump­pae­lä­mää“. Das klang zwar hier und da durch­aus teuf­lisch, tra­shig, gut; wirkte aber zugleich nicht sel­ten auch mal etwas lustlos.

Nun dre­hen die Fin­nen wie­der auf als wäre ihr Debüt erst ges­tern erschie­nen und fröh­li­ches Cover­ra­ten gehört ab sofort end­lich wie­der zum ange­sag­tes­ten Par­ty­zeit­ver­treib neben den übli­chen Zwei­vier­tel­takt­po­lo­nai­sen. Das fei­er­lich geköpfte Wodka-​​Fläschchen schmeckt eben doch gleich um eini­ges bes­ser, wenn sich die Rent­ner end­lich wie­der des gepfleg­ten Coverns besin­nen. Und zwar mit Titeln, die der geneigte Humppa-​​Afficionando schon von der ein oder ande­ren Live-​​Show ken­nen dürfte und deren Stu­dio­ver­sion längst über­fäl­lig war.

Gigan­tisch mutiert etwa Madon­nas „Like A Vir­gin“ zu „Hump­pa­n­eit­syt“; gera­dezu ent­fes­selt inter­pre­tie­ren Elä­keläi­set „Hate Me!“ ihrer Lands­män­ner Child­ren Of Bodom alias „Vihaan Humppa“; „Party Hard“ von And­rew W.K. rockt auch als „Hum­pa­taan“ gar nicht mal schlecht und sogar Cameos Klas­si­ker „Word Up“ darf mal wie­der her­hal­ten, gelangt unter „Haumppa Rai­kaa“ zu einer der eigen­wil­ligs­ten und sicher­lich auch mar­kan­tes­ten Inter­pre­ta­tio­nen. Sorry Korn. Kla­rer Sieg nach (Promille-)Punkten.

Das ist sie, die viel­zi­tierte „Ener­gie und Kraft aus Finn­land“! Der „Hump­pa­sir­kus“ ver­zückt vom ers­ten bis letz­ten Pol­ka­t­akt, dank fre­chen, fri­schen Umset­zun­gen und nicht zuletzt exqui­si­tem Aus­gangs­ma­te­rial der Hel­la­c­op­ters, Car­di­gans („My Favo­rite Game“) oder The Hives („Walk Idiot Walk“), um drei wei­tere Rock-​​Größen in die Waag­schale zu wer­fen. In Humppa We Trust? Aber mehr denn je!