17. März 2006
Netzwerk — „Freihait“
Manchmal muss es einfach Dosenbier sein. Normahl oder?! Wahrlich, auf keinem anderen Gesöff lässt sich’s besser abstürzen. Drei Akkorde raus, vier Adelskrone rein. Denn mehr ist immer noch zu wenig. Der Karlsruher Vierer Netzwerk indessen frönt zumindest musikalisch der Kunst der Auslassung. Jeder Song so reduziert wie möglich, aber so ambitioniert wie nötig. Und das reicht locker für 37 Minuten Punkrock wie er Lust und Laune macht: Zwischen Harmonie und Härte, Süffisanz und Suff, Anarchie und Anspruch.
Nun gut, vielleicht streichen wir Letzteres besser. Denn schon zu Beginn macht die neue „Freihait“ (Nix Gut Records/Jag-M/Rough Trade) der Formation um Sänger Lynn Kumberg auf frühen Vogel; Brieftaube(n) um genau zu sein und weckt dabei mehr als nur eine handvoll Erinnerungen an die Funpunk-„Helden“ Konrad und Micro.
Die nachfolgenden Liedtitel wie „Blut, Bier und böse Buben“, „Ferien im Vatikan“, „Pfandflaschen“ oder „Straßenkampf“ bedürfen keiner weiteren Erläuterung und am Ende kommen die Netzwerker auf zwölf solide Songs; nicht immer spektakulär, aber genauso gespielt wie Offbeat-Punk und Artverwandtes zu klingen hat: Rau, unbeugsam und ohne Anspruch auf die letzte Perfektion. Studiosterilität, nein danke.
Einen absoluten Knaller gibt’s dann aber doch noch zu hören, wenngleich „Nellie The Elephant“ schon längst nicht mehr beanspruchen darf, das einzige Tanztier im weiten Pogoland zu sein: Da gibt es ja immer noch die ungemein flinken wie putzigen „Po-Po-Po-Po-Pogo-Pinguine“! Und der Netzwerk-Klassiker von 2002 punktet dieser Tage gar mit vierkehligem Refrain. Hach, hier will ich sein, hier werd ich Mensch. Do-Do-Do-Do-Dosen-Mensch!
