Netzwerk - "Freihait"Manch­mal muss es ein­fach Dosen­bier sein. Nor­mahl oder?! Wahr­lich, auf kei­nem ande­ren Gesöff lässt sich’s bes­ser abstür­zen. Drei Akkorde raus, vier Adels­krone rein. Denn mehr ist immer noch zu wenig. Der Karls­ru­her Vie­rer Netz­werk indes­sen frönt zumin­dest musi­ka­lisch der Kunst der Aus­las­sung. Jeder Song so redu­ziert wie mög­lich, aber so ambi­tio­niert wie nötig. Und das reicht locker für 37 Minu­ten Punk­rock wie er Lust und Laune macht: Zwi­schen Har­mo­nie und Härte, Süf­fi­sanz und Suff, Anar­chie und Anspruch.

Nun gut, viel­leicht strei­chen wir Letz­te­res bes­ser. Denn schon zu Beginn macht die neue „Frei­hait“ (Nix Gut Records/​Jag-​​M/​Rough Trade) der For­ma­tion um Sän­ger Lynn Kum­berg auf frü­hen Vogel; Brieftaube(n) um genau zu sein und weckt dabei mehr als nur eine hand­voll Erin­ne­run­gen an die Funpunk-„Helden“ Kon­rad und Micro.

Die nach­fol­gen­den Lied­ti­tel wie „Blut, Bier und böse Buben“, „Ferien im Vati­kan“, „Pfand­fla­schen“ oder „Stra­ßen­kampf“ bedür­fen kei­ner wei­te­ren Erläu­te­rung und am Ende kom­men die Netz­wer­ker auf zwölf solide Songs; nicht immer spek­ta­ku­lär, aber genauso gespielt wie Offbeat-​​Punk und Art­ver­wand­tes zu klin­gen hat: Rau, unbeug­sam und ohne Anspruch auf die letzte Per­fek­tion. Stu­dio­ste­ri­li­tät, nein danke.

Einen abso­lu­ten Knal­ler gibt’s dann aber doch noch zu hören, wenn­gleich „Nel­lie The Ele­phant“ schon längst nicht mehr bean­spru­chen darf, das ein­zige Tanz­tier im wei­ten Pogo­land zu sein: Da gibt es ja immer noch die unge­mein flin­ken wie put­zi­gen „Po-​​Po-​​Po-​​Po-​​Pogo-​​Pinguine“! Und der Netzwerk-​​Klassiker von 2002 punk­tet die­ser Tage gar mit vier­keh­li­gem Refrain. Hach, hier will ich sein, hier werd ich Mensch. Do-​​Do-​​Do-​​Do-​​Dosen-​​Mensch!