16. März 2006
Paradise Now
Die Frage nach dem „Warum“ zu erörtern, sei keinesfalls sein Anliegen gewesen. Warum auch? Für ihn steht sie fest: Israel ist an allem Schuld. Und so entlarvt Hany Abu-Assads kontrovers diskutiertes Drama „Paradise Now“ (Highlight Video) wohl eher ungewollt Lügen, Pathos und Parolen, mit dem fanatische Palästinenser in den Märtyrertod geschickt werden und zig Unschuldige mit sich reißen. Der just auf DVD erschienene Film zeigt die letzten Stunden zweier seiner Landsleute, die im Westjordanland als Selbstmordattentäter rekrutiert werden.
Khaled (Ali Suliman) und Said (Kais Nashef) sind die göttlichen Ehren Allahs vorbestimmt. 72 Jungfrauen vor Augen und ohne ein Wort über ihre vermeintlich große Mission verlieren zu dürfen, verbringen die beiden ihre letzte Nacht auf Erden noch einmal im Kreise der Familien, um am nächsten Morgen, die Bombengürtel fest am Körper, nach Tel Aviv geschleust zu werden.
Den aktuellen Nahostkonflikt aus dem engstirnigen Blickwinkel („Die Art des Widerstands wird uns diktiert von den Besatzern“) zweier fiktiver, alsbald zweifelnder Täter zu schildern, ist ein steter, aber filmisch starker Balanceakt zwischen politischer Vereinnahmung und moralischer Schuldzuweisung; zwischen Tragik und Groteske. Und die verdichtet sich, wenn Khaled auf dem obligatorischen Bekennervideo seine letzten salbungsvollen Worte wiederholen muss, weil die Kamera den Dienst versagt. Die heroische Abschiedsrede verkommt zur Farce.
Unverständlich darf es auch anmuten, wenn sich ein Werk wie „Paradise Now“ mit Antisemitismusvorwürfen konfrotiert sehen muss. Denn Palästinas Beitrag für den diesjährigen „Oscar“ (nominiert in der Kategorie „Bester nicht-englischsprachiger Film“) bezieht am Ende klar Stellung. Beileibe nicht pro Israel; doch ist es bezeichnenderweise eine der wenigen Frauen im Film, welche zumindest das so offensichtlich Falsche auch als eben dieses erkennen und benennen darf.
