Da prei­sen sie sich an, adrett auf­ge­reiht in der Aus­lage: saf­tig, prall, zum Anbei­ßen halt! Direkt neben dem „Fort­schritt“ der Drit­ten Wahl. Doch die Optik könnte auch eine trü­ge­ri­sche sein und ein herz­haf­ter Biss die geschmack­lose Gewiss­heit brin­gen: „Würg, Holland-​​Import!“ So weit weg von Nie­der­lan­den liegt das nordrhein-​​westfälische Rhein­berg ja nicht. Dem ent­stammt die Punk­for­ma­tion Beton­tod, die uns vor kur­zem ihr Album „Schwar­zes Blut“ (Nix Gut Records/​Bro­ken Silence) zum Ver­zehr vor­ge­setzt hat. Aber wohlan, wagen wir den Biss!

Und dann — schmeckt’s: „Auf­hörn, auf­hörn, auf­hörn — wir müs­sen auf­hörn weni­ger zu trin­ken, wir brau­chen viel mehr Alko­hol! Wenn wir nicht auf­hörn weni­ger zu trin­ken, dann wer­den wir heute nicht mehr voll!“ Jawoll! Möchte man hin­zu­fü­gen und sich das nächste Pils­ken auf­rei­ßen. Was’n Song! Und dann noch­mal von vorn das ganze. „Glück auf“! Ne, von ganz vorn. Was das Quin­tett beste­hend aus Meis­ter (Gesang), Ado (Bass), Eule und Mawoj (beide Gitarre) samt Kralle (Schlag­zeug) da näm­lich über zwölf Tracks ein­ge­spielt hat, ist aus der Heavy-​​Punk-​​Ecke in solch dre­cki­ger Per­fek­tion nicht eben oft zu hören. Musi­ka­lisch lässt sich das schon mal groß­ar­tig an: Hym­nen vol­ler Kraft, Wut und Ver­zweif­lung, schlicht ausgereift!

Dass die bei­den Jungs an den Sai­ten mit ihren Instru­men­ten umzu­ge­hen ver­ste­hen, sei mit dem akkus­ti­schen Abweich­ler und Raus­schmei­ßer „All die Jahre“ belegt. Ein ech­ter Wohl­tä­ter in beschei­den anmu­ten­den Augen­bli­cken. Beton­tod — Punk für den Gour­met also? Bei­nahe ja. Im Abgang wird’s denn dann lei­der ein biss­chen säu­er­lich: Die Texte, so klasse geröhrt sie auch sind, wären mit ein biss­chen weni­ger weit­aus mehr gewe­sen. Weni­ger Punkat­ti­tüde, weni­ger Phra­sen, weni­ger Klischee.

„Zwei­fel“ ist da noch der brauch­barste der Marke „Das Leben ist eines der här­tes­ten“. Nichts gegen einen gepfleg­ten Song für den noch gepfleg­te­ren Suff, wie’s die Karls­ru­her Label­kol­le­gen Netz­werk jüngst auch schon so fein mit ihren Pogo-​​Pinguinen prak­ti­ziert haben. Doch dre­schen Beton­tod aufs Album betrach­tet in ihren Zei­len viel zu viele und noch mehr (Punk-)Phrasen, Rock ‚n‘ Roll für die Genos­sen, den schon 1.000 andere vor ihnen und bes­ser vom Sta­pel gelas­sen haben: Die „Gene­ra­tion X“ ist zu müde für die Revo­lu­tion; statt des­sen „Feuer frei“ und war­ten auf den Unter­gang; man glaubt halt immer noch daran: „Viva Punk!“ ein Leben lang. Yo. Sponti Rules und zwar Forever.

Sti­lis­tisch betrach­tet sind krö­nende Ver­glei­che mit den Ros­to­ckern der Drit­ten Wahl (die ja im Grunde ganz klar erste und am 5. Novem­ber oben­drein im Karls­ru­her AKK zu Gast sind) wohl am nahe­lie­gends­ten; und Beton­tod könn­ten sich mit „Schwar­zes Blut“ gut und gerne im sel­ben Körb­chen feil­bie­ten. Aber die Optik alleine macht’s noch nicht. Und weil es ein­deu­tig am text­li­chen Aroma fehlt, müs­sen wir schwe­ren, schwe­ren Her­zens (vor­erst) lei­der (noch) eine Han­dels­klasse abzie­hen. Die vierte Wahl ist also zweite und weil’s beim Rech­nen ganz schnell kom­pli­ziert wer­den kann, erlie­gen wir doch ein­fach der ver­lo­cken­den Ver­su­chung; saf­tig, prall, zum Anbei­ßen halt. Genuss ohne Reue ist’s allemal.