20. April 2006

Scary Movie 4

„Aller guten Tri­lo­gien sind drei“. Und nun also „Das vierte und letzte Kapi­tel“ der­sel­ben? Glau­bens­sa­che. Es dürfte viel eher eine Never-​​Ending-​​Story wer­den, denn das Fut­ter wird der Reihe so schnell jeden­falls nicht aus­ge­hen: Hol­ly­wood pro­du­ziert mehr Hor­ror, Gru­sel und Sus­pense denn je. Und so ergießt sich mit David Zuckers zwei­tem „Scary Movie“-Regieversuch aber­mals eine Spott– und Hohn­samm­lung über das Kinopublikum.

Was im Jahr 2000 mit einer „Scream“-und-Konsorten-Parodie begann, ist längst Köni­gin unter den gepfleg­ten Per­si­fla­gen: Ob „Exor­zist“ oder „Geis­ter­schloß“, „Pol­ter­geist“ oder „Han­ni­bal“, den Wayans-​​Brüder Kee­nen Ivory, Shawn und Mar­lon war nichts hei­lig; und schon gleich kein Klas­si­ker. Nach dem zwei­ten Teil trat Comedy-​​Könner Zucker, der seine Gabe mit „Die nackte Kanone“ oder „Die unglaub­li­che Reise in einem ver­rück­ten Flug­zeug“ reich­lich unter Beweis gestellt hat, das Regie-​​Erbe an und schenkte der Mensch­heit mit Teil drei eine fast schon wie­der zu rou­ti­nierte Slapstick-​​Komödie voll schrä­ger Anspie­lun­gen — sei­ner­zeit auf „The Ring“, „Signs“ oder „Matrix Reloa­ded“ — die jedoch stets im Schat­ten ihrer bei­den Vor­gän­ger standen.

Und wer hät’s gedacht, auch im vier­ten Streich ist kein Horror-​​, Mys­tery– oder sons­ti­ger Block­bus­ter der jün­ge­ren Zeit vor ihm sicher: Bewährte Gags und Vul­ga­ri­tä­ten, auf­ge­kocht und frisch ver­packt. Im ste­ten Schwan­ken zwi­schen gelun­gen bis­si­gen Par­odien und schlicht blan­kem Blöd­sinn ste­hen der „Krieg der Wel­ten“, „The Grudge — Der Fluch“, „The Vil­lage — Das Dorf“ und die bei­den „Saw“-Streifen im Mit­tel­punkt des losen Plot­mix; dabei sind gerade die Neben­rol­len mit „Mil­lion Dol­lar Baby“ und „Bro­ke­back Moun­tain“ wirk­lich erst­klas­sig besetzt.

Der Rest vom Cast bie­tet wenigs­tens ver­traute Gesich­ter: Anna Faris und Regina Hall schlüp­fen aber­mals in die Rol­len der etwas beschränk­ten Cindy und ihrer fri­vo­len Freun­din Brenda. Unter­stützt wer­den sie dies­mal von Craig Bierko, zuletzt zu sehen als Bad Guy in „Das Come­back“, der den tum­ben Schön­ling Tom mimt und den Freun­din­nen im Kampf gegen ein­fal­lende Außer­ir­di­sche zur Seite ste­hen muss. Mit über­di­men­sio­nier­ten iPods ange­reist, haben die näm­lich nicht weni­ger als die Ver­nich­tung der Mensch­heit auf der Playlist.

Oh Menno, immer auf den glück­li­chen Kleinen!

Da wird respekt– und gna­den­los zitiert und so man­cher Cameo-​​Auftritt zele­briert: Neben Car­men Elec­tra, Bill Pull­man, Michael Madsen oder Bas­ket­bal­ler Shaquille O’Neal darf auch Zucker-​​Veteran und „Nackte Kanone“-Frontmann Lieu­ten­ant Frank Dre­bin alias Les­lie Niel­sen wie­der als Prä­si­dent der Ver­ei­nig­ten Staa­ten ran, der — etwaige Ähn­lich­kei­ten zu leben­den Per­so­nen aus­drück­lich erwünscht — den Schul­be­such par­tout nicht abbre­chen will, obwohl doch infame Ali­ens gerade den „War Of The Worlds“ anzet­teln. Und weil Spiel­bergs Wel­t­en­krieg so schlecht gewe­sen ist, dass er nicht ein­mal zum Ver­al­bern rich­tig taugt, ist sein nicht min­der schlech­ter Haupt­dar­stel­ler und Hollywood-​​Klassenstreber Tom Cruise fol­ge­rich­tig zur Ziel­scheibe der „Scary Movie“-Macher geraten.

Doch gar nicht mal wegen sei­ner schau­spie­le­ri­schen Inkom­pe­tenz. Direkt aus dem Leben gegrif­fen ist sein affi­ger Auf­tritt in der „Oprah Win­frey Show“, als er wie ein ver­lieb­ter Gockel auf dem Ses­sel her­um­hüp­fend der Welt die Liebe zu sei­ner Ver­lob­ten (und mitt­ler­weile wie­der bauch­freien) Katie Hol­mes gestand. Das hätte schon im Ori­gi­nal glatt als Par­odie durch­ge­hen kön­nen — beängs­ti­gend komisch. Aber wenn Herr Cruise glück­lich ist, kennt die „Wit­zisch­keit“ keine Grenze mehr. Jaja, bloß wei­ter so George, Tom und Hol­ly­wood. Uns braucht wahr­lich nicht Bange sein. Es wird wei­ter fröh­lich ange­rührt und wir freuen uns schon — aufs fünfte und ulti­ma­tiv letzte Kapi­tel der Trilogie.