11. Mai 2006
Asterix und die Wikinger
Wir befinden uns im Jahre 2006 nach Christus. Ganz Kinoland ist von den dreidimensionalen Animationsriesen besetzt. Ganz Kinoland? Nein! Ein von unbeugsamen Galliern bevölkertes Dorf hat gottlob noch immer nicht aufgehört, dem Eindringling Widerstand zu leisten: „Asterix und die Wikinger“ ist nach zwölf langen Jahren die achte Zeichentrickverfilmung der von René Goscinny und Albert Uderzo ersonnenen Kult(urgut)-Comics. Und dieser Versuch birgt endlich ein echtes Novum.
Die Kumpane Asterix (gesprochen von Christian Tramitz) und Obelix (Tilo Schmitz) haben dabei gleich zwei knifflige Aufgaben zu lösen: So werden sie einerseits mit der ehrenvollen Mission betraut, aus dem verweichlichten Majestix-Neffen Grautvornix (Smudo) einen gallischen Krieger zu machen; und müssen sich andererseits auch noch mit unerschrockenen Wikingern herumschlagen. Das Seefahrervolk weiß nicht, was es bedeutet, Furcht zu verspüren und macht sich auf eine ebenso zweifelhafte wie groteske Suche nach dem Angst-Champion, dessen Kunst auch ihnen Flügel verleihen soll.
Dem Dänen Stefan Fjeldmark ist es hervorragend geglückt der auf dem 1967 erschienenem Band „Asterix und die Normannen“ basierenden Geschichte einen zeitgemäßen Anstrich zu verpassen. Und zwar indem er Themen wie den Generationenkonflikt, Völkerverständigung und die gesellschaftliche Rolle von Mann und Frau in den Mittelpunkt rückt. In der Comic-Vorlage sahen sich Asterix und Obelix noch mit einem knieschlotternden, verzogenen Rock ’n’ Roll-Rebellen konfrontiert.
Fjeldmark stellt eher die Frage, ob man sich als ganzer (HipHop-)Kerl wirklich prügeln oder eine Wikingertochter wie Abba (Nora Tschirner) wirklich Zuhaus am Herd sitzen muss, während der Spaß am Leben den Männers vorbehalten bleibt. Eingebettet in die Teenager-Romanze zwischen Grautvornix und Abba serviert der Film den ein oder anderen neuen Charakter, wie etwa jene des tumben Wikingerhünen Olaf (Götz Otto) und dessen Vater Kryptograf (Dieter Hallervorden), der seinen ebenso kraftvollen wie hirnlosen Sohnemann nur zu gerne mit Abba verheiraten würde, um die Macht im Wikingerdorf an sich zu reißen.
Sogar wenn die einrichtungsbewusste Wikingermutter Vikea – ganz nomen est omen – ihrem Mann aufträgt, einen Satz neuer Totenkopfbecher zu brandschatzen oder Grautvornix gar Kurzbotschaften an seine Verehrerinnen über die Taube Smsix auf die Reise schickt – der Charme der „Asterix“-Comics bleibt trotzdem stets erhalten. Und darin besteht die eigentliche Leistung Fjeldmarks: 48 Seiten Kult-Comic in 79 angemessene Minuten Kinofilm zwischen Originalität und Moderne zu verpacken – mit dem offiziellen Segen Uderzos, an denen auch ein Goscinny seine wahre Freude gehabt hätte. Beim Teutates!
