Wir befin­den uns im Jahre 2006 nach Chris­tus. Ganz Kino­land ist von den drei­di­men­sio­na­len Ani­ma­ti­ons­rie­sen besetzt. Ganz Kino­land? Nein! Ein von unbeug­sa­men Gal­li­ern bevöl­ker­tes Dorf hat gott­lob noch immer nicht auf­ge­hört, dem Ein­dring­ling Wider­stand zu leis­ten: „Aste­rix und die Wikin­ger“ ist nach zwölf lan­gen Jah­ren die achte Zei­chen­trick­ver­fil­mung der von René Goscinny und Albert Uderzo erson­ne­nen Kult(urgut)-Comics. Und die­ser Ver­such birgt end­lich ein ech­tes Novum.

Die Kum­pane Aste­rix (gespro­chen von Chris­tian Tramitz) und Obe­lix (Tilo Schmitz) haben dabei gleich zwei kniff­lige Auf­ga­ben zu lösen: So wer­den sie einer­seits mit der ehren­vol­len Mis­sion betraut, aus dem ver­weich­lich­ten Majestix-​​Neffen Graut­vor­nix (Smudo) einen gal­li­schen Krie­ger zu machen; und müs­sen sich ande­rer­seits auch noch mit uner­schro­cke­nen Wikin­gern her­um­schla­gen. Das See­fah­rer­volk weiß nicht, was es bedeu­tet, Furcht zu ver­spü­ren und macht sich auf eine ebenso zwei­fel­hafte wie gro­teske Suche nach dem Angst-​​Champion, des­sen Kunst auch ihnen Flü­gel ver­lei­hen soll.

Dem Dänen Ste­fan Fjeld­mark ist es her­vor­ra­gend geglückt der auf dem 1967 erschie­ne­nem Band „Aste­rix und die Nor­man­nen“ basie­ren­den Geschichte einen zeit­ge­mä­ßen Anstrich zu ver­pas­sen. Und zwar indem er The­men wie den Gene­ra­tio­nen­kon­flikt, Völ­ker­ver­stän­di­gung und die gesell­schaft­li­che Rolle von Mann und Frau in den Mit­tel­punkt rückt. In der Comic-​​Vorlage sahen sich Aste­rix und Obe­lix noch mit einem knie­schlot­tern­den, ver­zo­ge­nen Rock ‚n‘ Roll-​​Rebellen konfrontiert.

Fjeld­mark stellt eher die Frage, ob man sich als gan­zer (HipHop-)Kerl wirk­lich prü­geln oder eine Wikin­ger­toch­ter wie Abba (Nora Tschirner) wirk­lich Zuhaus am Herd sit­zen muss, wäh­rend der Spaß am Leben den Män­ners vor­be­hal­ten bleibt. Ein­ge­bet­tet in die Teenager-​​Romanze zwi­schen Graut­vor­nix und Abba ser­viert der Film den ein oder ande­ren neuen Cha­rak­ter, wie etwa jene des tum­ben Wikin­ger­hü­nen Olaf (Götz Otto) und des­sen Vater Kryp­to­graf (Die­ter Hal­ler­vor­den), der sei­nen ebenso kraft­vol­len wie hirn­lo­sen Soh­ne­mann nur zu gerne mit Abba ver­hei­ra­ten würde, um die Macht im Wikin­ger­dorf an sich zu reißen.

Sogar wenn die ein­rich­tungs­be­wusste Wikin­ger­mut­ter Vikea — ganz nomen est omen — ihrem Mann auf­trägt, einen Satz neuer Toten­kopf­be­cher zu brand­schat­zen oder Graut­vor­nix gar Kurz­bot­schaf­ten an seine Ver­eh­re­rin­nen über die Taube Smsix auf die Reise schickt — der Charme der „Asterix“-Comics bleibt trotz­dem stets erhal­ten. Und darin besteht die eigent­li­che Leis­tung Fjeld­marks: 48 Sei­ten Kult-​​Comic in 79 ange­mes­sene Minu­ten Kino­film zwi­schen Ori­gi­na­li­tät und Moderne zu ver­pa­cken — mit dem offi­zi­el­len Segen Uder­zos, an denen auch ein Goscinny seine wahre Freude gehabt hätte. Beim Teutates!