Nicht nur Sharon Stone ent­sinnt sich, wel­cher Part ihr bes­ter war. Einer wie Tom Cruise kann sich zwar rüh­men weit mehr als andert­halb Erfolgs­rol­len in sei­ner Lauf­bahn gespielt zu haben, jene des Geheim­agen­ten Ethan Hunt aus den Kinoad­ap­tio­nen des TV-​​Klassikers „Kobra, über­neh­men Sie“ ist eine sei­ner ganz gro­ßen. Die­ser Tage mehr denn je, denn „M:I 3″ liegt auf Augenhöhe.

1996 ver­stand es Regis­seur Brian De Palma sogar aus zwei Schweiß­trop­fen ein Maxi­mum an Span­nung zu mel­ken; vier Jahre spä­ter war es John Woo, der im zwei­ten Teil des Zuschau­ers Erwar­tungs­hal­tung arg stra­pa­zierte bevor er es end­lich stan­des­ge­mäß kra­chen ließ; und nun geht also nach lan­gem Hin und Her hin­ter den Kulis­sen die dritte „Mis­sion: Impos­si­ble“ mit einer fast schon per­si­flie­ren­den Action-​​Story auch bei uns an den Kino­start. Auf der Jagd nach der „Hasen­pfote“ könnte der Unter­ti­tel lauten.

Dum­mer­weise weiß Hunt zu kei­ner Zeit, was sich genau dahin­ter ver­birgt; auch nicht nach dem Abspann und ein wenig mutet es an wie die Suche eines Guy­brush Threep­wood nach „Big Whoop“. Und abge­se­hen davon, dass sich die gehei­men Nach­rich­ten immer noch von selbst zer­stö­ren und mit Gum­mi­mas­ken wie­der aller­lei Ver­wir­rung gestif­tet wird, ist ohne­hin noch nie son­der­lich viel von der Serie geblie­ben. Damit hat sich’s erstaun­li­cher­weise für die nächs­ten 126 Minu­ten auch schon wie­der ausgemeckert.

Ein Seri­en­ma­cher trotzt den Geset­zen des Filmbiz

Im teu­ers­ten Aben­teuer der Big-​​Budget-​​Actionserie mit Ame­ri­kas Ant­wort auf James Bond muss sich Agent Hunt dem här­tes­ten Geg­ner sei­ner Lauf­bahn stel­len: Owen Davian, Psy­cho­path reins­ten Was­sers, gespielt vom aktu­el­len „Oscar“-Gewinner Phi­lip Sey­mour „Capote“ Hoff­man. And Now We’re Get­ting Per­so­nal: Der beant­wor­tet seine vor­über­ge­hende Fest­nahme näm­lich mit einem aus­gie­bi­gen Rache­feld­zug: Hunt soll ster­ben, doch zuvor die Demü­ti­gung ertra­gen müs­sen seine große Liebe (Michelle Monag­han) zu ver­lie­ren. Und so jagen Hunt und Team Mann und Maus ganz bond­like von Ber­lin über Rom und Shang­hai von einem Kon­ti­nent zum Nächs­ten. Die Ver­schnauf­päu­schen für Topa­gent und Zuschauer sind so rar wie kurz und ein­zig dazu bestimmt, dem Smarty eine zumin­dest halb­wegs glaub­wür­dige Lie­bes­be­zie­hung anzu­dich­ten, die ihn am Job zwei­feln und Sehn­sucht nach einem bür­ger­li­chen Leben auf­kom­men lässt.

Sequels erfolg­rei­cher Kas­sen­schla­ger schei­tern meist famos, weil sie sich allein ob des Titels Las­ten auf­bür­den, die sie nie zu schul­tern imstande sind. Erst recht, wenn zwi­schen dem Ori­gi­nal und dem Heute Jahr­zehnte ver­gan­gen sind; Jahr­zehnte, in denen gute Filme ohne Zutun immer bes­ser wer­den — gar nicht sel­ten bes­ser als sie sind. Jef­frey Abrams, Schöp­fer der Fern­seh­se­rien „Lost“ und „Alias“, scheint genau gewusst zu haben, was er tun und las­sen soll: Näm­lich das Gute aus den bei­den Vor­gän­gern bei­be­hal­ten und hin­fort mit all dem Bal­last undurch­sich­ti­ger Plots und zäher Hin­füh­rung zum Gesche­hen, wie sie De Palma und Woo noch ihren Wer­ken auf­ge­bür­det haben. Das Erbeb­nis: rundum gelun­gen! Schon das Stil­mit­tel einer seri­en­ge­mä­ßen Eröff­nungs­se­quenz fes­selt von der ers­ten Spiel­mi­nute an den Kinositz.

Fast ist man geneigt fest­zu­stel­len, dass Abrams allen Geset­zen des Film­biz zum Trotze mit „M:I 3″ die viel­leicht beste, auf alle Fälle aber aus­ge­wo­genste Epi­sode der Spionagethriller-​​Reihe insze­niert hat. Und sollte sein Tom Cruise in den kom­men­den 14 Jah­ren je nichts mehr zustande bekom­men — Frau Stone weiß nur zu gut, wie man sich wie­der ins Gespräch bringt: „Hunt, über­neh­men Sie, nur noch ein aller­letz­tes Mal!“