Der Comic macht’s mög­lich. Ster­ben und (auf-)leben las­sen, so herum wird’s gespielt bei den „X-Men“-Produzenten. Mit Mys­ti­que (Rebecca Romijn-​​Stamos) nimmt’s als sol­cher nun doch end­gül­tig ein Ende; Pro­fes­sor Xavier (Patrick Ste­wart) ver­geht ebenso im Teil­chen­sa­lat wie Zyklop (James Mars­den); dafür darf Jean Grey (Famke Jans­sen), Mutan­tin mit unbe­re­chen­ba­ren tele­ki­ne­ti­schen Kräf­ten, plötz­lich als Phö­nix wie­der auf der Bild­flä­che erschei­nen und für jede Menge sprich­wört­li­chen Wir­bel sor­gen. Über­dies droht am ver­meint­li­chen Ende der Film­tri­lo­gie neben einem neuen Regis­seur auch noch The Cure: das Heil­mit­tel zur Muta­tion. Oh Bryan Where Art Thou…?

Zum ers­ten Mal haben Mutan­ten nun die Wahl, sich ihre Ein­zig­ar­tig­keit zu bewah­ren und wei­ter­hin ein von der Welt ent­frem­de­tes Leben zu füh­ren oder aber die Super­kräfte abzu­le­gen, um im Gegen­zug end­lich von der Gesell­schaft akzep­tiert zu wer­den. Die Mutan­ten­füh­rer Charles „Gut­mensch“ Xavier und Eric Lens­herr alias Magneto (Ian McKel­len), der ganz im Sinne Dar­wins davon über­zeugt ist, dass sich die stär­kere Rasse durch­set­zen wird, lie­fern sich samt ihren ver­fein­de­ten Batail­lo­nen den letz­ten Show­down; nach dem Wei­ßen Haus muss heuer die Gefäng­nis­in­sel Alca­traz dran glauben.

Regis­seur Bryan Sin­ger, der sich statt dem drit­ten Teil „sei­ner“ Mar­vel–Saga lie­ber dem neuen Hel­den­pro­jekt der Kon­kur­renz namens „Super­man Returns“ annahm, reicht die Mutanten-​​Herrschaft wei­ter an Brett Rat­ner. Aus­ge­rech­net jenem Rat­ner, dem das Vor­ur­teil des bie­de­ren Auf­trags­re­gis­seurs anhaf­tet. Da schaudert’s dem Fan. Nicht ganz ohne Grund, denn Rat­ner beschränkt sich lei­der auf das, was zwei­fels­ohne funk­tio­niert: Effekte ohne Ende und Schluss. Ein wirk­li­cher sti­lis­ti­scher Bruch zu den ers­ten bei­den Tei­len ist zwar nicht aus­zu­ma­chen, doch fehlt es ein­fach an Sin­gers aus­dif­fe­ren­zier­ten psy­cho­lo­gi­schen Fein­hei­ten, der Tief­grün­dig­keit der Prot­ago­nis­ten und ihrem zwi­schen­mensch­li­chen Zusam­men­spiel, die gerade den zwei­ten Teil noch so aus­ge­zeich­net hat.

Angels Schwin­gen sind das Ein­zige, was sich ent­fal­ten darf

Dies wird vor allem deut­lich an der hand­voll neuer und teils recht lieb­los ein­ge­führ­ter Cha­rak­tere wie Beast (Kel­sey Gram­mer), Jug­gern­aut (Vin­nie Jones) oder Angel (Ben Fos­ter), die — und das sei betont — nicht nur den Special-​​Effects-​​Machern, son­dern auch der Mas­ken­bild­ne­rin so man­che Stunde Arbeit berei­tet haben dürf­ten. Doch dies alles in der zwei­fel­haf­ten Hoff­nung, damit auch die eher mäßige — oder sagen wir bes­ser eher mäßig erzählte — Geschichte über­tün­chen zu kön­nen. So kommt etwa Letzt­ge­nann­ter der Neu­linge kaum über fünf Minu­ten Lein­wand­zeit hinaus.

Was birgt eine sol­che Figur an Poten­zial und wel­chen Sinn macht es unter den gege­be­nen Umstän­den, sie über­haupt in den Plot ein­zu­flech­ten, wenn ihre präch­ti­gen Schwin­gen das Ein­zige sind, was sich ent­fal­ten darf? Aber wer soll dann groß im Trai­ler auf­trump­fen? Eben. Der Effekt hei­ligt also mal wie­der die Mit­tel. Dafür macht Halle Berry ihren Star­bo­nus gel­tend, was sich in einer weit­aus bedeu­ten­de­ren Rolle abzeich­net, Storm ist omni­prä­sent, Hugh Jack­mans Wol­ve­rine gleich. Zu kurz kommt im Laufe der viel­leicht zu knapp bemes­se­nen 104 Minu­ten auch der Kern der Story, die ethi­sche Dis­kus­sion um die Hei­lung näm­lich. Zum Ver­gleich: 130 an der Zahl gönnte sich und uns Bryan Sin­ger noch im zwei­ten Teil der Mutanten-​​Mär.

Teil drei eines gro­ßen und noch grö­ße­ren Ganzen

Man wird aber Rat­ner zu Gute hal­ten müs­sen, dass sich auch X-​​Men 3 weni­ger als eigen­stän­di­ger Film, son­dern als Teil des gro­ßen gan­zen zumin­dest ein­zu­fü­gen ver­sucht und ansatz­weise ist das auch ganz gut geglückt; etwa beim sich bereits in „X-​​Men 2″ zuspit­zen­den Kon­flikt zwi­schen Ice­man (Shawn Ashmore) und Pyro (Aaron Stam­ford), die fatale Ménage à trois zwi­schen Logan, Zyklop und Jean oder die liebe(s) Not der Unbe­rühr­ba­ren Rogue (Anna Paquin).

„X-​​Men 3″ mag die mehr oder min­der lose Adap­tion des „Dark Pho­enix“ aus der Comic-​​Vorlage sein, in der Jean nach ihrem schein­ba­ren Tod als dunk­les Alter Ego wie­der­kehrt und ihre über­mäch­ti­gen tele­ki­ne­ti­schen Kräfte nicht mehr län­ger zuvor­derst für das Gute gebraucht, son­dern zwi­schen schwarz und weiß hin– und her­ge­ris­sen Tod und Zer­stö­rung bringt.

Des­sen unge­ach­tet: Das lei­dige Prin­zip vom nim­mer­mü­den Steh­auf­männ­chen, das man heute mit viel Tam­tam ster­ben lässt und im Sequel ein­fach wie­der­be­lebt, weil’s einem gerade so schön in den Plot passt, ist unge­ach­tet aller Vor­lage fil­misch jeden­falls defi­ni­tiv aus­ge­reizt — und wird doch wohl oder übel in nicht ganz fer­ner Zukunft end­gül­tig über­stra­pa­ziert wer­den: Wer näm­lich bis zur letz­ten Marvel-​​Minute im Kino­ses­sel ver­harrt, wird fest­stel­len, dass „Der letzte Wider­stand“ mit ziem­li­cher Sicher­heit so fina­len Cha­rak­ter gar nicht haben wird.