25. Mai 2006

X-Men 3 - Der letzte Widerstand

Der Comic macht's möglich. Sterben und (auf-)leben lassen, so herum wird?s gespielt bei den "X-Men"-Produzenten. Mit Mystique (Rebecca Romijn-Stamos) nimmt's als solcher nun doch endgültig ein Ende; Professor Xavier (Patrick Stewart) vergeht ebenso im Teilchensalat wie Zyklop (James Marsden); dafür darf Jean Grey (Famke Janssen), Mutantin mit unberechenbaren telekinetischen Kräften, plötzlich als Phönix wieder auf der Bildfläche erscheinen und für jede Menge sprichwörtlichen Wirbel sorgen. Überdies droht am vermeintlichen Ende der Filmtrilogie neben einem neuen Regisseur auch noch The Cure: das Heilmittel zur Mutation. Oh Bryan Where Art Thou...?

Zum ersten Mal haben Mutanten nun die Wahl, sich ihre Einzigartigkeit zu bewahren und weiterhin ein von der Welt entfremdetes Leben zu führen oder aber die Superkräfte abzulegen, um im Gegenzug endlich von der Gesellschaft akzeptiert zu werden. Die Mutantenführer Charles "Gutmensch" Xavier und Eric Lensherr alias Magneto (Ian McKellen), der ganz im Sinne Darwins davon überzeugt ist, dass sich die stärkere Rasse durchsetzen wird, liefern sich samt ihren verfeindeten Bataillonen den letzten Showdown; nach dem Weißen Haus muss heuer die Gefängnisinsel Alcatraz dran glauben.

Regisseur Bryan Singer, der sich statt dem dritten Teil "seiner" Marvel-Saga lieber dem neuen Heldenprojekt der Konkurrenz namens "Superman Returns" annahm, reicht die Mutanten-Herrschaft weiter an Brett Ratner. Ausgerechnet jenem Ratner, dem das Vorurteil des biederen Auftragsregisseurs anhaftet. Da schaudert's dem Fan. Nicht ganz ohne Grund, denn Ratner beschränkt sich leider auf das, was zweifelsohne funktioniert: Effekte ohne Ende und Schluss. Ein wirklicher stilistischer Bruch zu den ersten beiden Teilen ist zwar nicht auszumachen, doch fehlt es einfach an Singers ausdifferenzierten psychologischen Feinheiten, der Tiefgründigkeit der Protagonisten und ihrem zwischenmenschlichen Zusammenspiel, die gerade den zweiten Teil noch so ausgezeichnet hat.

Angels Schwingen sind das Einzige, was sich entfalten darf

Dies wird vor allem deutlich an der handvoll neuer und teils recht lieblos eingeführter Charaktere wie Beast (Kelsey Grammer), Juggernaut (Vinnie Jones) oder Angel (Ben Foster), die - und das sei betont - nicht nur den Special-Effects-Machern, sondern auch der Maskenbildnerin so manche Stunde Arbeit bereitet haben dürften. Doch dies alles in der zweifelhaften Hoffnung, damit auch die eher mäßige - oder sagen wir besser eher mäßig erzählte - Geschichte übertünchen zu können. So kommt etwa Letztgenannter der Neulinge kaum über fünf Minuten Leinwandzeit hinaus.

Was birgt eine solche Figur an Potenzial und welchen Sinn macht es unter den gegebenen Umständen, sie überhaupt in den Plot einzuflechten, wenn ihre prächtigen Schwingen das Einzige sind, was sich entfalten darf? Aber wer soll dann groß im Trailer auftrumpfen? Eben. Der Effekt heiligt also mal wieder die Mittel. Dafür macht Halle Berry ihren Starbonus geltend, was sich in einer weitaus bedeutenderen Rolle abzeichnet, Storm ist omnipräsent, Hugh Jackmans Wolverine gleich. Zu kurz kommt im Laufe der vielleicht zu knapp bemessenen 104 Minuten auch der Kern der Story, die ethische Diskussion um die Heilung nämlich. Zum Vergleich: 130 an der Zahl gönnte sich und uns Bryan Singer noch im zweiten Teil der Mutanten-Mär.

Teil drei eines großen und noch größeren Ganzen

Man wird aber Ratner zu Gute halten müssen, dass sich auch X-Men 3 weniger als eigenständiger Film, sondern als Teil des großen ganzen zumindest einzufügen versucht und ansatzweise ist das auch ganz gut geglückt; etwa beim sich bereits in "X-Men 2" zuspitzenden Konflikt zwischen Iceman (Shawn Ashmore) und Pyro (Aaron Stamford), die fatale Ménage à trois zwischen Logan, Zyklop und Jean oder die liebe(s) Not der Unberührbaren Rogue (Anna Paquin).

"X-Men 3" mag die mehr oder minder lose Adaption des "Dark Phoenix" aus der Comic-Vorlage sein, in der Jean nach ihrem scheinbaren Tod als dunkles Alter Ego wiederkehrt und ihre übermächtigen telekinetischen Kräfte nicht mehr länger zuvorderst für das Gute gebraucht, sondern zwischen schwarz und weiß hin- und hergerissen Tod und Zerstörung bringt.

Dessen ungeachtet: Das leidige Prinzip vom nimmermüden Stehaufmännchen, das man heute mit viel Tamtam sterben lässt und im Sequel einfach wiederbelebt, weil's einem gerade so schön in den Plot passt, ist ungeachtet aller Vorlage filmisch jedenfalls definitiv ausgereizt - und wird doch wohl oder übel in nicht ganz ferner Zukunft endgültig überstrapaziert werden: Wer nämlich bis zur letzten Marvel-Minute im Kinosessel verharrt, wird feststellen, dass "Der letzte Widerstand" mit ziemlicher Sicherheit so finalen Charakter gar nicht haben wird.

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