6. Juni 2006
Das Omen — 666
Wenn’s mal wieder länger dauert mit den frischen Ideen, dann werden kurzerhand bewährte Filmstoffe wiederbelebt. Die Kunst des Remakes besteht jedoch trotzdem darin, einer allseits bekannten Story irgendetwas Neues abzugewinnen. Und hier scheitert das Gros dieser Projekte; jüngst war es John Carpenters „The Fog“. Von ähnlich klassischem Kaliber ist auch die „Omen“-Trilogie, in welchem das Böse kein Geringerer als der Antichrist höchstselbst ist; geboren im Körper eines harmlos-pausbäckigen Buben, vom Teufel in die Welt gesetzt, um an seiner Statt die finale Schlacht zu schlagen: Armageddon. Und heute soll sein Tag gekommen sein: Der 6. Juni 2006.
So steht’s — vom PR-trächtigen Startdatum abgesehen — im letzten Buch der Bibel, den Offenbarungen des Johannes. Im 13. Kapitel beschreibt er, wie das von Luther etwas holprig übersetzte „Tier“ dem Meer entsteigt und „seine Zahl ist 666″. Warum ausgerechnet dies „The Number Of The Beast“ sein soll, ist bis heute ungeklärt — trotz etlicher absonderlicher Theorien. Auch im frühen Mittelalter hielt sich der Glaube, der Anti-Christ, das passgenaue Gegenstück zum Sohn Gottes, sei die Ausgeburt des Satans. Der Auftakt zur Inquisition. Anschuldigungen gegen die der Hexerei angeklagten Frauen: Beischlaf mit dem Teufel!
Im Glauben der Menschen wurden nach dieser Vorstellung die widerlichsten Kreaturen gezeugt; mit Ziegenfuss und Pferdebein, Schlangenzunge und all dem, was die kranke Phantasie sonst noch zulässt. Seltsamerweise ist es nur Johannes, der das Aussehen des Teufels in dieser Form beschreibt und obwohl die Bibel die Existenz des Ewigen Verderbers bestätigt, bleibt sie in Bezug auf Herkunft und Optik so ziemlich alles schuldig. Deutet man allerdings die Erzählungen der Propheten, so entsteht die Mär vom Gefallenen Engel, der dem Bösen ein lieblich Antlitz verleiht.
(Zu) penibel dran am Original
Die Quintessenz aus der Vermengung dieser biblischen und nichtbiblischen Ansätze ist Richard Donners „Das Omen“ aus dem Jahr 1976. Dieser Tage hat sich John H. Moore einer Neuauflage angenommen und auch sein Robert Thorn (Liev Schreiber) weiß zu Beginn nichts von den dunklen Prophezeiungen. Der hochrangige amerikanische Diplomat hat (noch) ganz andere Sorgen: Frau Katherine (Julia Stiles) hat just die zweite Fehlgeburt hinter sich, weshalb der Geistliche des Krankenhauses ein Waisenkind feilbietet. Er überredet Thorn, Damien (Seamus Davey-Fitzpatrick) als sein eigen Fleisch und Blut anzunehmen. Doch in dem arglosen Säugling schlägt mehr und mehr der Belzebub durch.
Omnipräsent sind ob eines solchen Projektes die Vorbehalte. Ja worin liegt er denn nun, der Sinn eines Remakes, dem sich neben zweier mehr oder minder nötiger Fortsezungen in den 70er und 80er Jahren vor gar nicht so langer Zeit auch schon Roman Polanski („Rosemary’s Baby“) oder Richard Caesar („The Calling“) gewidmet haben? Wenn schon dieselbe Geschichte noch einmal erzählt werden muss, dann lassen wir uns einen aufgepimpten „King Kong“ mit modernster Tricktechnik ohne weiteres gefallen; und auch ein „Psycho“ in Farbe geht noch in Ordnung. Den Idealfall von neuem Effekt und neuem Aspekt wie beim Klasse-Remake von George A. Romeros „Dawn Of The Dead“ erlebt man ohnehin nur alle Dekade.
Ein Gruselklassiker lebt aber zum Großteil von der Atmosphäre und die lässt sich nicht ausschließlich über blutige Effekte herstellen; allenfalls ein Stückchen weit. Dass im Laufe des „Omens“ dieser und jener Protagonist sein Leben lassen muss, wissen wir und so erinnert manch unglückliche Verkettung mit Todesfolge fast ein wenig an die „Final Destination“-Filme, die jenes morbide Spielchen mit dem „Zufall“ auf die Spitze treiben. Ansonsten orientiert sich Moore über die 110 Minuten (Donners Original dauerte nur eine Minute länger) schon wieder zu penibel an den wesentlichen Details des Originals; verliert nichts Neues und schon gar nichts über die 666, welche doch immerhin Untertitel seines „Omens“ ist.
Harren bis zur Schlusssekunde
Wenigstens modernisiert er das einst von Gregory Peck und Lee Remick gespielte Elternpaar und setzt die Geschichte in einer effektvoll-zeitgemäßen Bildsprache um. Sieht man einmal von dem Bemühen ab, die Anschläge aufs World Trade Center oder die jüngste Tsunami-Katastrophe als biblische Prophezeiungen zu deuten, hat „Das Omen — 666″ jedoch nichts, was Richard Donners Fassung auch aufbietet — bis zur Schlusssekunde. Und dort genügt eine minimale Zuspitzung der Vorlage fürs maximale Filmvergnügen! Den Rest hat sich auch dieser Mister President schlicht selbst zuzuschreiben. Manchmal muss es wohl einfach mit dem Teufel zugehen.
