6. Juli 2006
Ab durch die Hecke
Diese vermaledeiten Snackautomaten! Die Hauptakteure von Dreamworks’ neuem CGI-Abenteuer „Ab durch die Hecke“ sind ganz und gar tierischer Natur und haben doch zu Beginn ein nur allzu menschliches Problem: Wer hat sich nicht auch schon einmal über die Spiralenkonstruktion aufgeregt, die das süße Objekt der Begierde trotz entrichtetem Obolus partout nicht freigeben möchte? Und schon ist sie geschaffen, die wichtigste Sache, die ein Leinwandheld sich im Regelfalle erst einmal zu erarbeiten hat: Die Identifikation des Publikums.
Doch Waschbär Richie (gesprochen von Götz Otto) ist ein echter Frechdachs und wird diese Errungenschaft in den folgenden 83 Minuten auf eine harte Probe stellen. Ebenso wie die bunte Bande um Schildkröte Verne (Bernhard Hoëcker), Hammy (Ralf Schmitz), das Eichhörnchen, Opossum Heather (Jeanette Biedermann) und Stinktier Stella (Stella Schroetter). Die staunen nämlich nicht schlecht, als sie sich den Winterschlaf aus den Augen reiben und feststellen: Oh Schreck, oh Schreck, der Wald ist weg — der Vorstadt gewichen. Und woher nun das Futter nehmen?
Richie indes hat den Masterplan längst ausgeheckt: Stehlen! Ab durch die Hecke, Siedlung plündern. Dass er nach seinem Automatenmalheur auf die wirklich dumme Idee kam, den Bären Vincent (Ben Becker) zu beklauen und die gesamten Vorräte des grimmigen Brauen dabei zur Ungenießbarkeit verkommen sind, verschweigt er der Truppe besser.
Und so sind nach den ersten erfolgreichen Beutezügen alle hellauf begeistert vom Neuen — bis auf Verne. Zurecht, denn Richie hat nicht mehr viel Zeit, um Vincent auf Keks und Krümel alles zurückzubezahlen bevor er selbst zum Bärensnack wird. Und natürlich macht der Mensch mobil: Der Kammerjäger namens Verminator ist schon bestellt.
Pixar oder eben Dreamworks, „Das große Krabbeln“ oder „Antz“, „Findet Nemo“ oder „Große Haie, kleine Fische“, „Tierisch wild“ oder „Madagascar“ — diese Liste ließe sich noch weit und weiter ausdehnen. Aus Silicon Valley nichts Neues; Aufguss um Aufguss wurde uns da zuletzt serviert; kennste einen, kennste alle und putzige Helden gehören seit jeher zur Grundausstattung des computer(de)generierten Animationsfilms. Denkste.
Aber falsch gedacht: Nein, lediglich ein paar halbwegs innovativer, verrückte Ideen braucht’s und in der Comic-Strip-Adaption von „Over The Hedge“ hat man solche zuhauf ausgeheckt: Ein Igel im THX– und ABC-rülpsende Eichhörnchen im Koffeinrausch dürfen als dezente Andeutung genügen. Dazu Charaktere mit noch mehr Witz wie Charme, Kurzweil auch dank vieler gelungener Hommagen und Zitate bekannt aus Film und Fernsehen und der allzeit gepflegten Doppeldeutigkeit.
Wen interessiert es da, ob die deutschen Synchronsprecher in Sachen Namensprominenz mit ihren amerikanischen Kollegen Bruce Willis, William Shatner, Nick Nolte, Thomas Haden Church, Avril Lavigne oder Eugene Levy gleichziehen können oder das Ende freilich ein überaus fröhliches ist? Der einzig wahre Masterplan steht, ist ebenso platt wie unmissverständlich: Ab ins Kino! Und die Befehlsverweigerer? Soll doch der Vincent holen.
