20. Juli 2006
Hui Buh, das Schlossgespenst
Manche Leute sagen, er sei ein ganz Großer. Manche sagen, er ist es nicht. Ich aber sage, er hat uns im Kino schon Freud und Leid gleichermaßen angetan, der Michael „Bully“ Herbig. Wer kann schon von sich behaupten, den erfolgreichsten und albernsten deutschen Kinofilm der Nachkriegszeit gedreht zu haben? Die Leinwandfassung von „Hui Buh“ hingegen wird weitaus weniger Superlative in sich vereinen.
So manch einem werden die Abenteuer vom liebenswerten, einzig behördlich zugelassenen Schlossgespenst, welche Kinderbuchautor Eberhard Alexander Burgh vor mehr als 30 Jahren erdacht hat, noch in bester Erinnerung sein. Denn was sind schon 30 Jahre?
Ganze 500 nachdem Ritter Balduin (Michael Herbig) Fluch sei dank zum Gespenst Hui Buh mutieren musste, kommt endlich wieder Leben in seine transparente Hülle. König Julius, der 111. (Christoph Maria Herbst) nebst seiner Fast-Verlobten, der liebreizenden Leonora Gräfin zu Etepetete (Heike Makatsch), und Adjutant (Rick Kavanian) will sein Erbe auf Schloss Burgeck antreten. Als ob der kauzige Schlossverwalter Kastellan (Hans Clarin) nicht schon der menschlichen Gesellschaft genug wäre. Hui Buh will die störenden Sterblichen natürlich so schnell wie möglich wieder loswerden — dumm nur, dass er in Folge der Geschehnisse seine Lizenz zum Spuken verloren hat.
Es braucht wohl diesen unwiederbringlichen kindlichen Humor, um sich über „Hui Buh“ in Filmform richtig amüsieren zu können. Schmunzeln? Ja schon, nett ist’s, was uns dargeboten wird. Ein schöner, stimmungsvoller Kinderfilm — mehr aber auch nicht. Und sollte dies das Ansinnen der Macher gewesen sein, ist auch nichts Verwerfliches daran zu finden, dass der mitunter bissige Bully-Humor ganz und gar der immer wieder kehrenden Slapstick Platz machen muss. Am erheiterndsten sind da noch die Didi-Hallervorden-Parodien von Christoph Maria Herbst im Abspann und schon zuvor durfte sich Papa am Anblick der adrett aufspielenen Neuentdeckung Ellenie Salvo González in der Rolle von Zofe Konstanzia erfreuen. „Palümm, palümm…“
Aber um die Lacher geht es auch nicht, eher um ein Stückerl heile Welt, um Erinnerungen aus den unbeschwerten Tagen. Und in dieser Hinsicht hat Regisseur Sebastian Niemann ziemlich vieles ziemlich richtig gemacht: Während die bekannten Hörspiele um das Schlossgespenst sehr episodisch aufgebaut sind, eher einer Fünf-Minuten-Dramaturgie folgen, spannen die Filmemacher einen würdigen 102-Minuten-Bogen; und aus dem Skelett wie man es noch von den Kassettencovern kennt, wird ein Bully nicht unähnlicher Trickcharakter samt Mimik, Gestik und Stimme des Comedian.
Als Indiz, dass man vielleicht doch den ein oder anderen „Paraden“-Freund gerne im Saal sähe, darf Oliver Pochers Teilzeitauftritt als Fahrstuhlgeist gewertet werden. Der eigentliche Star des Films ist aber ein ganz anderer: „Hui Buh“-Hörspielstimme Hans Clarin nämlich, der wie der gleichaltrige Gespenster-Vater Eberhard Alexander Burgh den Kinostart seines „Hui Buh“ nicht mehr erleben durfte. Manche Leute sagen, er war ein ganz Großer.
