Man­che Leute sagen, er sei ein ganz Gro­ßer. Man­che sagen, er ist es nicht. Ich aber sage, er hat uns im Kino schon Freud und Leid glei­cher­ma­ßen ange­tan, der Michael „Bully“ Her­big. Wer kann schon von sich behaup­ten, den erfolg­reichs­ten und alberns­ten deut­schen Kino­film der Nach­kriegs­zeit gedreht zu haben? Die Lein­wand­fas­sung von „Hui Buh“ hin­ge­gen wird weit­aus weni­ger Super­la­tive in sich vereinen.

So manch einem wer­den die Aben­teuer vom lie­bens­wer­ten, ein­zig behörd­lich zuge­las­se­nen Schloss­ge­spenst, wel­che Kin­der­buch­au­tor Eber­hard Alex­an­der Burgh vor mehr als 30 Jah­ren erdacht hat, noch in bes­ter Erin­ne­rung sein. Denn was sind schon 30 Jahre?

Ganze 500 nach­dem Rit­ter Bal­duin (Michael Her­big) Fluch sei dank zum Gespenst Hui Buh mutie­ren musste, kommt end­lich wie­der Leben in seine trans­pa­rente Hülle. König Julius, der 111. (Chris­toph Maria Herbst) nebst sei­ner Fast-​​Verlobten, der lieb­rei­zen­den Leo­nora Grä­fin zu Ete­pe­tete (Heike Makatsch), und Adju­tant (Rick Kava­nian) will sein Erbe auf Schloss Bur­geck antre­ten. Als ob der kau­zige Schloss­ver­wal­ter Kas­tel­lan (Hans Cla­rin) nicht schon der mensch­li­chen Gesell­schaft genug wäre. Hui Buh will die stö­ren­den Sterb­li­chen natür­lich so schnell wie mög­lich wie­der los­wer­den — dumm nur, dass er in Folge der Gescheh­nisse seine Lizenz zum Spu­ken ver­lo­ren hat.

Es braucht wohl die­sen unwie­der­bring­li­chen kind­li­chen Humor, um sich über „Hui Buh“ in Film­form rich­tig amü­sie­ren zu kön­nen. Schmun­zeln? Ja schon, nett ist’s, was uns dar­ge­bo­ten wird. Ein schö­ner, stim­mungs­vol­ler Kin­der­film — mehr aber auch nicht. Und sollte dies das Ansin­nen der Macher gewe­sen sein, ist auch nichts Ver­werf­li­ches daran zu fin­den, dass der mit­un­ter bis­sige Bully-​​Humor ganz und gar der immer wie­der keh­ren­den Slap­stick Platz machen muss. Am erhei­ternds­ten sind da noch die Didi-​​Hallervorden-​​Parodien von Chris­toph Maria Herbst im Abspann und schon zuvor durfte sich Papa am Anblick der adrett auf­spie­le­nen Neu­ent­de­ckung Elle­nie Salvo Gon­zá­lez in der Rolle von Zofe Kon­stan­zia erfreuen. „Palümm, palümm…“

Aber um die Lacher geht es auch nicht, eher um ein Stü­ckerl heile Welt, um Erin­ne­run­gen aus den unbe­schwer­ten Tagen. Und in die­ser Hin­sicht hat Regis­seur Sebas­tian Nie­mann ziem­lich vie­les ziem­lich rich­tig gemacht: Wäh­rend die bekann­ten Hör­spiele um das Schloss­ge­spenst sehr epi­so­disch auf­ge­baut sind, eher einer Fünf-​​Minuten-​​Dramaturgie fol­gen, span­nen die Fil­me­ma­cher einen wür­di­gen 102-​​Minuten-​​Bogen; und aus dem Ske­lett wie man es noch von den Kas­set­ten­co­vern kennt, wird ein Bully nicht unähn­li­cher Trick­cha­rak­ter samt Mimik, Ges­tik und Stimme des Comedian.

Als Indiz, dass man viel­leicht doch den ein oder ande­ren „Paraden“-Freund gerne im Saal sähe, darf Oli­ver Pochers Teil­zeit­auf­tritt als Fahr­stuhl­geist gewer­tet wer­den. Der eigent­li­che Star des Films ist aber ein ganz ande­rer: „Hui Buh“-Hörspielstimme Hans Cla­rin näm­lich, der wie der gleich­alt­rige Gespenster-​​Vater Eber­hard Alex­an­der Burgh den Kino­start sei­nes „Hui Buh“ nicht mehr erle­ben durfte. Man­che Leute sagen, er war ein ganz Großer.