Cap­tain Jack Is Back? Du liebe Zeit! Und keine Bange. Nach­dem es sich kaum mehr um jenen des pein­li­chen Eurodance-​​Militär-​​Look-​​Projekts han­deln kann (das wäre schon eine wei­tere Auf­er­ste­hung), muss die Rede frei­lich von Jack Spar­row (Johnny Depp) sein, dem andro­gyns­ten Frei­beu­ter der Pira­ten­ge­schichte. Er ist einer der ganz weni­gen wah­ren Höhe­punkte eines noch mehr und offen­sicht­lich von „Mon­key Island“ rein­spi­rier­ten Sequels, dem aber viel zu oft der Wind in den Segeln fehlt und das man stel­len­weise ob der nicht erfüll­ten hohen Erwar­tun­gen ganz tief im Ozean ver­sen­ken möchte.

Aller­lei See­manns­garn aus aller Her­ren Län­der haben die Fil­me­ma­cher für ihren Plot zusam­men­ge­spon­nen: Ein Kne­bel­ge­schäft mit Geis­ter­pi­rat Davy Jones (Bill Nighy) — in der englisch-​​amerikanischen Seefahrer-​​Mythologie der Teu­fel der Meere und nun in einer recht freien Inter­pre­ta­tion als See­räu­ber­aus­gabe des „Flie­gen­den Hol­län­ders“ dar­ge­bo­ten — ver­pflich­tet Jack zu 100-​​jähriger Knecht­schaft als Crew­mit­glied des „Fly­ing Dutch­man“. Das Objekt der Begierde, oder sol­len wir sagen der Big Whoop von „Fluch der Kari­bik 2″, ist folg­lich eben­falls kein Schatz im eigent­li­chen Sinne, son­dern das Herz des Unto­ten, ver­gra­ben an gehei­mer Stelle.

Im Hause Dis­ney stand nach den Ein­spie­l­er­fol­gen die Bud­gett­ruhe weit, weit geöff­net und Regis­seur Gore Ver­bin­ski durfte all seine gro­ßen und klei­nen Akteure aus Teil eins erneut ver­pflich­ten, von Orlando Bloom über Geoff­rey Rush bis Keira Knight­ley. Doch das (lau-)warme, so fas­zi­nie­rende „Mon­key Island“-Fee­ling will sich irgend­wie nicht mehr so recht ein­stel­len. Woran’s liegt? Eigent­lich ist doch an alles gedacht wor­den: Schiffe, Schlach­ten, Säbel­ras­seln, eine zom­bige Pira­ten­crew (der man die in letz­ter Zeit stark in Mode gekom­me­nen Ork-​​Einschläge lei­der nicht abspre­chen kann) nebst Käpt’n, der LeChuck aus der Lucas Arts-​​Adventure-​​Quadrologie noch näher kommt als sein Vor­seg­ler Bar­bossa; und auch Kan­ni­ba­len samt Voodoo-​​Mama in den Sümp­fen weit drau­ßen hin­ter der Stadt hat man sich end­lich und ein­deu­tig vom kul­ti­gen Affeninsel-​​Abenteuer abge­schaut. Warum denn auch nicht?!

Dazu eine zwar nicht son­der­lich ori­gi­nelle, aber durch­aus lau­nige See­räu­ber­mär mit weni­gen schö­nen und vie­len nicht so schö­nen Men­schen. Hier sind die Gründe für die latente Ent­täu­schung am letz­ten zu suchen und zu fin­den, auch wenn Keira Knight­ley für ihre Ver­hält­nisse dies­mal doch recht (c)harm(e)los daher­kommt. Johnny Depps Schau­spiel dage­gen mit die­sem hin­ter­häl­ti­gen Blick voll lie­bens­wür­di­ger Gemein­heit und der mit Ver­laub schwuch­te­li­gen Art sich zu bewe­gen, kann man ein­mal mehr nur als total geniale Per­for­mance bezeich­nen! Aller­dings bleibt der gewohnte ver­bale Humor sei­ner Figur ver­wehrt; wie auch dem gesam­ten Film. Und hieran krankt die ganze Geschichte.

Schlim­mer noch: Lang und län­ger währt’s und groß und grö­ßer wird als­bald der Wunsch nach mehr Strin­genz. Die 150 Minu­ten über­bor­dende Lauf­zeit (der Vor­gän­ger brachte es auf nur sie­ben weni­ger und wusste dabei so viel bes­ser zu unter­hal­ten) rüh­ren aller­dings kei­nes­wegs aus einer episch aus­ge­brei­te­ten Hand­lung, son­dern sind schlicht das Resul­tat schlep­pen­der Erzähl­weise. Eine gelun­gene Schwert­kämp­fe­rei auf dem Was­ser­mühl­rad bringt eben noch lange kei­nen Block­bus­ter ins Rol­len. Anse­hen wer­den sich sämt­li­che Land­rat­ten die ansons­ten stan­des­ge­mäß impo­sante Jerry Bruckheimer-​​Produktion aber frei­lich den­noch — allein um kom­men­des Früh­jahr nicht den Anschluss ver­passt zu haben: Die letz­ten Sze­nen set­zen schon mal Segel für den längst abge­dreh­ten Part drei…