Karls­ruhe — „Would You Fuck Me For Blow?“ Na klar doch und da stehn sie nun; zwei gut gewach­sene Schön­hei­ten an der Schwelle zur Voll­jäh­rig­keit, die Kur­ven schon an den rech­ten Stel­len, der Rock zu kurz, das Hös­chen zuhause, der Som­mer dum­mer­weise vor­über­ge­hend eben­falls nicht anwe­send und weit und breit kein Jimmy Pop.

„Gra­tis Sex mit Jim, Esso Tank­stelle Dur­la­cher Allee 12 nach der Show“, so prangte es via Bea­mer über die Büh­nen­wand gewor­fen wäh­rend des Kon­zerts der Blood­hound Gang am ver­gan­ge­nen Don­ners­tag­abend in einer mäßig gefüll­ten Schwarz­wald­halle. Manch ande­rem steht die Ent­täu­schung über den unver­hoff­ten Qui­ckie schon sehr viel frü­her ins Gesicht geschrieben.

Noch nicht mal eine gute Stunde wir­belt das ver­meint­lich scham­lo­seste Rock­quin­tett unse­rer Tage übers Karls­ru­her Par­kett, da wird es erst­mals dun­kel. Zuvor gibt’s ein halb­wegs adret­tes Kon­zert mit viel Lokal­ko­lo­rit, ver­mit­telt durch ein Rie­sen­trans­pa­rent mit Comickopf und Sprech­blase, in die wäh­rend des gesam­ten Gigs immer wie­der frivol-​​anzügliche wie ortho­gra­phisch frag­wür­dige Sprü­che pro­ji­ziert werden.

Zuge­ge­ben: Ein Publi­kum, das selbst so ein­deu­tige Auf­for­de­run­gen wie die nach Band­ab­gang immer wie­der auf­blit­zen­den Worte „Blood­hound“ und „Gang“ nicht in mar­ker­schüt­ternde und gän­se­h­au­ther­auf­be­schwö­rende Sprech­chöre umzu­set­zen weiß, hat es viel­leicht auch nicht bes­ser ver­dient, als her­nach mit drei „Zuga­ben“ abge­speist zu werden.

Doch hat auch jeder von ihnen nicht unwe­sent­lich über 30 Euro Ein­tritt bezah­len und sich dafür auch noch durch zwei Vor­grup­pen quä­len müs­sen, deren Metal-​​Frickelei nach fünf Minu­ten schon schier uner­träg­lich ist. Da fühlt man sich dann ange­sichts des an die Wand gewor­fe­nen „Guten Abend ihr Unsym­ba­di­schen!“ doch direkt herz­lich begrüßt!

Zumal’s stan­des­ge­mäß wei­ter­geht: Jimmy Pop lädt die Jäger­meis­ter­ba­zo­oka, das Tier am Bass, Evil Jared, steht schon bereit — und immer mit­ten in die Fresse rein! Der freut sich anschlie­ßend über „The Grea­test Inven­tion Ger­many Brought To Ame­rica“, stimmt die schwarz-​​rot-​​goldene Natio­nal­hymne an und siehe da: Was bei „Rock am Ring“ noch nicht so rich­tig klap­pen wollte, funk­tio­niert auf einmal.

Immer­hin sind wir mitt­ler­weile Drit­ter, der Natio­nal­stolz gehört zum guten Ton und die Halle schmet­tert „Einig­keit und Recht und Frei­heit!“ wäh­rend Evil Jared und Jimmy Pop (im deut­schen Natio­nal­tri­kot) ehr­fürch­tig die Hand auf die hier mehr, da min­der tes­to­ste­ro­ni­sierte Brust drü­cken. Her­nach fei­ert man sich noch in gewohnt mise­ra­bler Schwarzwaldhallen-​​Akustik durch „Along Comes Mary“, „The Bal­lad Of Cha­sey Lain“, „Fox­trot Uni­form Char­lie Kilo“ und „Fire Water Burn“, geneh­migt sich dazu die ein oder andere Fla­sche hirschi­gen Kräu­ter­li­kör aus Wol­fen­büt­tel, ent­schul­digt einen Song, „der ein biss­chen schwul“ ist („The Bad Touch“) und feu­ert neben­bei eine Pyro­show ab, die mehr an Tisch denn an Feu­er­werk erin­nert. Und was ist jetzt mit „Hooray For Boo­bies“, „Show ‚em Them Tit­ties“ und dem gefürch­te­ten Piss ‚n‘ Puke?

Fast nichts. Der nackte Knackarsch von Evil Jared muss nach einer Stunde und noch nicht mal 15 Minu­ten genü­gen; das Gemächt ver­deckt — zum Leid­we­sen der weib­li­chen Fan­schar — die deut­sche Flagge. „Der Kauf einer Karte fuer die­ses Kon­zert war eine grö­ßere Geld­ver­schwen­dung als die Bewer­bung zur Kul­tur­haupt­stadt.“ Noch so’n an die Wand gewor­fe­ner Spruch.

Und zustim­mend darf man der für ihre Ver­hält­nisse viel zu hand­zah­men Blood­hound Gang nach die­sem Auf­tritt nur­mehr sel­bi­ges Wün­schen, was sie am Ende des Konzert-​​Quickies via Bea­mer ihrem Publi­kum (und irgend­wie auch den treu­doof aus­har­ren­den Mädels an der Esso-​​Tanke) mit auf den wei­te­ren (Lebens-)Weg gege­ben haben: „Danke fuer kom­men. Jetzt geht heim und fickt euch selber.“