31. August 2006

Inside Man

Die­ser Coup ist anders. Denn der „Inside Man“ (Uni­ver­sal Pic­tures) alias Dal­ton Rus­sell (Clive Owen) glaubt an den per­fek­ten Bank­raub. Haben viele Film­kri­mi­nelle vor ihm auch. Und lagen falsch. Warum aus­ge­rech­net er recht behal­ten soll? Weil er es kann. Ver­kün­det jeden­falls der Pro­log. In Wahr­heit ist es Arthouse-​​Regisseur Spike Lee, der diese Hand­lungs­ab­läufe geplant und in die Tat umge­setzt hat. Und er glaubt ganz offen­sicht­lich auch an etwas: den per­fek­ten Thriller.

Als in einer New Yor­ker Bank vier mas­kierte Räu­ber Gei­seln neh­men, wird Detec­tive Fra­zier (Den­zel Washing­ton) ein ver­meint­li­cher Rou­ti­ne­fall über­tra­gen, der umso weni­ger ein­zu­ord­nen ist je län­ger sich die Ange­le­gen­heit hin­zieht. Und wäh­rend Ein­satz­lei­ter Darius (Wil­lem Dafoe) samt Kri­sen­ma­na­ger Fra­zier fie­ber­haft an einer unblu­ti­gen Lösung arbei­tet, spu­len die Gangs­ter ihr undurch­schau­ba­res Vor­ha­ben in aller Gelas­sen­heit ab; nicht ohne die Kon­tra­hen­ten drau­ßen jeder­zeit spü­ren zu las­sen, stets den einen Schritt vor­aus zu sein.

Ein Kopf­du­ell ent­wi­ckelt sich, in das erst Bewe­gung kommt, als der Bank­in­ha­ber (Chris­to­pher Plum­mer) Anwäl­tin Mada­line White (Jodie Fos­ter, die end­lich mal wie­der die Unnah­bare gibt) beauf­tragt, mit Rus­sell zu ver­han­deln. Und der weiß anschei­nend auch hier und wie­der im Gegen­satz zum völ­lig ahnungs­lo­sen Zuschauer ganz genau, was er tut. Bleibt bloß noch das „Wie“ zu klä­ren. Und genau da — um es ein­mal salopp und damit den Wor­ten von Dal­ton Rus­sell zu sagen — liegt beim „Inside Man“ der Hund begraben.

Hier­her rührt immer­wäh­rende Fas­zi­na­tion; das Fes­selnde an die­sem bis ins Detail fein durch­dach­ten, aber nie­mals kon­stru­iert wir­ken­den Thril­ler, der mit (erstaun­li­cher­weise pass­ge­nauem) Bollywood-​​Beat („Chaiyya Chaiyya“) ins 129-​​minütige Gesche­hen ein­führt, die auf­ge­baute Anspan­nung kon­se­quent hält, um am Ende — und das ist der eigent­li­che Clou — weni­ger ex– als viel­mehr implodiert.

Neben­bei zeigt sich Regis­seur Lee in sei­nem viel­leicht zugäng­lichs­ten Werk gewohnt gesell­schafts­kri­tisch; streift ein­mal mehr The­men wie Ras­sis­mus und Macht­miss­brauch, ord­net diese aber jeder­zeit der Dra­ma­tur­gie unter. An den per­fek­ten Thril­ler haben zwar vor ihm sicher­lich auch so manch andere Fil­me­ma­cher geglaubt. Warum aus­ge­rech­net Spike Lee mit sei­nem Coup rich­tig lie­gen soll? Weil er es kann. Ganz offensichtlich.