24. August 2006

Miami Vice

Wei­ßes Shirt unter Armani-​​Sakko, Leder­slip­per ohne Socken, Ray Ban-​​Sonnenbrille, Affä­ren mit schnit­ti­gen Frauen, dazu pas­sende ita­lie­ni­sche Sport­wa­gen und schnelle Boote; unter Luxus und Las­ter ver­steckt zwei ver­deckte Ermitt­ler mit dem Ziel, die Dro­gen­szene Mia­mis zu infil­trie­ren. Die 80er sind Geschichte, doch zwei Yuppie-​​Figuren haben sie geprägt und über­lebt: James „Sonny“ Cro­ckett und Ricardo „Rico“ Tubbs. Die „Miami Vice“-Squad ermit­telte fünf Staf­feln und 112 Fol­gen lang auf den Röh­ren­bild­schir­men in aller Welt, jetzt bekom­men die bei­den Undercover-​​Cops einen Fall in Spielfilmlänge.

Der eins­tige Pro­du­zent Michael Mann ist heuer Regis­seur, Don John­son und Phi­lip Michael Tho­mas hei­ßen Colin Far­rell und Jamie Foxx, tra­gen einem dem Zeit­geist ent­spre­chend prol­li­gen respek­tive coo­len Bart und schmug­geln Dro­gen, um einem kuba­ni­schen Dea­ler­ring das schmut­zige Hand­werk zu legen. Bei die­sem wag­hal­si­gen Unter­fan­gen ban­delt Sunny-​​Boy Cro­ckett mit der Freun­din (Gong Li) vom gro­ßen Ober­motz an und macht die Sache für sich und sei­nen Part­ner damit nicht weni­ger kompliziert.

Miami Vice“ im Kino­for­mat, das hat von der Serie nicht mehr viel; und doch vie­les zu bie­ten! Denn Michael Mann hat seine TV-​​Serie nahezu ein­wand­frei auf­ge­pimpt. 132 Minu­ten rauen Rea­lis­mus dank ver­wen­de­tem Digi­tal­vi­deo statt klas­si­schem Film, was dem Werk einen Look ver­leiht, der eher Erin­ne­run­gen an den optisch sprö­den „Col­la­te­ral“ denn zur Vor­lage auf­kom­men lässt. Ein fei­ner Kon­trast­punkt zu der sonst in die­sem Genre übli­chen wer­be­ge­schwän­ger­ten Hoch­glan­zac­tion eines Michael Bay. Wenn auch ohne grö­ßere Über­ra­schun­gen, und immer schön den Kon­ven­tio­nen ent­lang — Mann holt her­aus, was aus einem Gen­re­mo­vie raus­zu­ho­len ist.

Kommt erst ein­mal Gewalt auf, dann aber gewaltig!

Und es sind gerade die lei­sen Momente, die den Unter­schied machen: Genau wie in „Heat“ ver­zich­tet der Regis­seur auf allzu aus­schwei­fende Action­sze­nen, die nur einem schlich­ten Zweck die­nen: Ihrem eige­nen näm­lich. Rich­tig ab geht’s erst nach andert­halb Stun­den im Show­down. Aber wenn bei Michael Mann erst­mal Gewalt auf­kommt, dann gewal­tig! Ansons­ten fas­zi­niert vor­nehm­lich die wort­arme Insze­nie­rung, in dem sein Cop-​​Ensemble wirk­lich noch schau­spie­lern muss. Und sie kön­nen wofür sie bezahlt werden.

Jan Ham­mers „Miami Vice“-Theme ist der­weil dem sich naht­los in die Neue­run­gen ein­fü­gen­den Bastard-​​Pop-​​Stück „Numb/​Encore“ von Lin­kin Park und Jay-​​Z gewi­chen. Und wo sind die wei­ßen Shirts unterm Armani-​​Sakko und die Leder­slip­per ohne Socken geblie­ben? Nun gut, die Zei­ten ändern sich eben. Ray Ban-​​Sonnenbrillen, Affä­ren mit schnit­ti­gen Frauen und dazu pas­sen­des Gefährt gibt’s nach wie vor; die Bärte aller­dings sind des Guten defi­ni­tiv zu viel. Stil­prä­gend ist das nicht mehr. Dafür immer noch knall­hart. Und läs­sig. Aber mal so was von.