25. August 2006

Sommer vorm Balkon

Über­dau­ert Liebe die Jah­res­zei­ten? Oder ist sie nur ein Boten­stoff im Hirn, der kommt und zwang­läu­fig wie­der geht noch bevor ein Men­schen­le­ben vor­über ist? Über der­ar­ti­ges und andere Aller­welts­the­men phi­lo­so­phie­ren die Nach­ba­rin­nen, Freun­din­nen und Sin­gles Nike (Nadja Uhl) und Kat­rin (Inka Fried­rich) bis tief in die Nacht auf dem Bal­kon in der alten Pren­zel­ber­ger Miets­haus­woh­nung. Bei reich­lich Wein und Hoch­pro­zen­ti­gem, fällt das Träu­men vom Rich­ti­gen gleich leich­ter. Über­haupt prägt komi­sche Tra­gik die Lebens­ab­schnitte der Hel­din­nen inmit­ten des Ber­li­ner All­tags samt ihren klei­nen Wün­schen und gro­ßen Gefüh­len. Es ist „Som­mer vorm Bal­kon“ (War­ner Home Video/​X Ver­leih).

Dann ler­nen die bei­den unter etwas ande­ren Umstän­den Tru­cker Ronald (Andreas Schmidt) ken­nen. Nike greift zu und Kat­rin zur Fla­sche. So ist das wahre Leben. Aber wirk­lich. Und dort ist nichts von Dauer. Schon mal gar nicht die Liebe, um die mit Lip­pen­stift wie ker­ni­gen Sprü­chen gefigh­tet wird: „Glaubst du eigent­lich, weil hier sexu­ell was läuft, kannst du dich wie’n Arsch benehmen?“

Und ob er kann. Warum auch nicht? Es wird eben gelebt und geliebt in Andreas Dre­sens Bezie­hungs­dramö­die. Nach 110 Minu­ten lako­ni­scher Groß­stadt­poe­sie, stets fein aus­ta­riert zwi­schen beschwing­ter Hei­ter­keit und grim­mi­ger Rea­li­tät, sind die Fra­gen geblie­ben; jene, die sie gestellt haben alle­samt ein biss­chen rei­fer und irgend­wie ist’s nach wie vor Som­mer vorm Balkon.