18. August 2006
Superman Returns
Volle Faust voraus! Ob bei Minusgraden im Weltraum, dort wo sich einst der Planet Krypton befand, oder im Hochsommer von Metropolis — die Locke sitzt. Und samt dieser kommt nun also auch der die in die amerikanischen Nationalfarben gehüllte Vorflieger unter den Superhelden im 21. Kinojahrhundert an: Clark Kent alias Superman ist zurück. Seit seinem Comicheftdebüt 1938 ist er aus der Weltkultur nicht mehr wegzudenken, entwickelte sich zu einem zeitlosen Symbol menschlicher Ideale. „Ein Mann ist was er tut.“ Weiß ein anderer Herr der Lüfte. Und wer wäre in Hollywood besser geeignet als Bryan Singer diese Tiefen auf neue Weise herauszuarbeiten?
Immerhin opferte der Regisseur für den fünften Teil „Superman Returns“ sogar Marvels Mutantenmär und rührt die Fans bereits im Vorspann mit der vertrauten Komposition von John Williams — die so sehr an eine andere aus selber Zeit und dessen Feder erinnert — samt den schier nicht enden wollenden Titeln, wie es eben die bisherigen Teile der Serie vorgemacht haben. Und die lehrten uns noch so manche Alltagsweisheit: „Sie sollten besser nicht rauchen Miss Lane.“ Und Superman weiß auch nach wie vor, dass das Fliegen statistisch gesehen noch immer die sicherste aller Fortbewegungsarten ist. Trotz manch intelligenter Modernisierung und herrlichem Sinn fürs Ironische ist’s über 154 Minuten fast zuviel der Reminiszensen, des Respekts und anderer Ehrerweisungen an Richard Donners Original von 1978.
Ansonsten setzt Singer auf Kontinuität, lässt Superman (Brandon Routh) von seiner Identitätsfindung aus dem All zurückkehren. Seine große Liebe Lois Lane (Kate Bosworth) indes hat mittlerweile nicht nur Sohn und Mann (James Marsden), ausgerechnet mit dem Artikel „Warum die Welt Superman nicht braucht“ musste sie sich beim „Daily Planet“ einen Pulitzerpreis erschreiben. Dieser Ansicht ist auch Superman-Gegenspieler Lex Luthor (ein gewohnt süffisant aufspielender Kevin Spacey in der von Gene Hackman geprägten Rolle) und kombiniert in der ersponnenen Theorie das Streben nach der Weltherrschaft mit der Vernichtung des Mannes aus Stahl.
Superhelden stehen nicht zwangsläufig für super Filme
Hehre Ansprüche zu verfolgen, ist das eine; man denke nur an Ang Lees gestolperten „Hulk“, der gleichfalls die lobenswerte Absicht hatte, Popcornkino und Charaktertiefe zu vereinen, und irgendwo bei beidem scheiterte. Diese Erwartungen, Singers so hochgepriesene Fähigkeit, ausdifferenzierte psychologische Feinheiten seiner Protagonisten in den Vordergrund zu stellen, das zwischenmenschliche Zusammenspiel offenzulegen, all diese vermeintlichen Stärken entpuppen sich als kleine Bohrlöcher. Er schnürt seinen Hero in ein zu enges Korsett aus Schwermütigkeit und Verzicht; und die einzige Singersche Note, den Versuch, eine Parabel um Väter und Söhne aufzubauen, über den Themenkomplex Adoption zu philosophieren, dürfte so manchem überzeugten Anhänger des Superman-Franchise wie Kryptonit im Magen liegen.
Visuell überzeugend, aber nicht überragend entscheidet sich der fiktive Fight der nahen Artverwandten „Clark Kent vs. Peter Parker“ vorläufig klar zugunsten des Spinnenmannes. Doch selbst die Universen von Marvel und DC Comics sind endlich, da lässt man dann schon mal einen Batman beginnen und Superman zurückkehren. Aber Superhelden stehen nunmal nicht zwangsläufig für super Filme. Warum sollte es in diesem Genre anders sein?
„Ein Mann ist was er tut.“ Und Szene-Neuling Brandon Routh? Der tut nicht viel und macht seine Sache dennoch gut: Er mag ab und an fast schon zu klinisch, zu makel-, ja charakterlos aussehen, einem Christopher Reeve ist er vom Optischen her allerdings zum Verwechseln ähnlich. Und ob die Kinowelt ihren Superman denn nun braucht oder nicht — sie hat ihn jedenfalls wieder.
