8. August 2006
Trennung mit Hindernissen
Es geht los, als es eigentlich schon vorbei ist. Nun also doch keine Kreta-Hochzeit für Jennifer Aniston und Vince Vaughn beim Deutschland-Start von „Trennung mit Hindernissen“. Dabei sah es lange Zeit so aus, als würde sie es ihrem Ex-Gatten und ewiger Liebe Brad Pitt gleichtun mit dem sie sieben Jahre das Hollywood-Traumpaar gab. Nix war’s wohl. Wie in der von Peyton Reed inszenierten Geschichte: Da können Jenny und Vince nämlich auch so gar nicht mehr miteinander.
Denn Männ– und Weiblein sind wie sie sind und die Mitglieder haben die unterschwelligen Signale des anderen Geschlechts noch nie wirklich zu deuten vermocht. Auf den Tisch gebracht wird das Dinner eben erst, wenn das Porzellan längst zerschlagen ist. Und von gekitteten Tellern speist es sich zumindest über kurz nie mehr so wie noch zuvor. Im Fall von Brooke (Aniston) und Gary (Vaughn) ist es ein Streit um zu wenig mitgebrachte Zitronen und Ballett-Unlust, die Trennung mit Knall und ein Problem: Die gemeinsame Wohnung ist noch nicht abbezahlt. So zieht er ins Wohnzimmer und genießt dort sein wiedererlangtes Junggesellenleben mit jeder Menge Videospiele, Strippoker, Drugs und Rock ‚n’ Roll.
Ihr Reich ist fortan das Schlafzimmer. Dabei wollte sie doch eigentlich gar nicht für längere Zeit alleine nächtigen. Eine Lektion sollte es sein. Der kommt schon wieder. Und endlich zur Vernunft. Wenn auch nicht sofort könnte ja das ein oder andere Date zum Schein diesen Zustand vielleicht sogar beschleunigen. So denken Frauen. Eine freilich für beide Parteien untragbare Situation. Was zwangsläufig folgen muss, ist ein bitterböser (Macht-)Kampf ums Appartement und den Platz im Bowlingteam samt wechselseitigem Taktieren, Täuschen, Tricksen. Und über das leidige Spielchen mit Nähe und Distanz vergisst das Ex-Paar beinah, dass es sich vielleicht nach wie vor noch lieben könnte.
Der Liebe Scheitern in komischen wie berührenden Momenten
Gute Filme über zerstörte Beziehungen können nicht wirklich witzig sein? Nun, sie müssen es nicht, wie etwa Mike Nichols’ „Hautnah“ belegt. Im vorliegenden Fall sind es aber gerade die stimmigen Nuancen zwischen herzhaften Lachern, ausgelöst durch sauber platzierte Pointen, verpackt in knackige Dialoge und einem gleichzeitig stets realistischen wie desillusionierenden Blick auf zutiefst schmerzende Beziehungsenden, welche die „Trennung mit Hindernissen“ zum schlicht schön-traurigen Kinoerlebnis machen; da fügen sich die überkandidelten Abziehbilder in den Nebenrollen (grandios: Jon Favreau alias Johnny O).
Ein Film, viel mehr fein beobachtete Beziehungsdramödie denn belustigende Screwball-Comedy, der das Scheitern einer Liebe mit ebenso komischen wie berührenden Momenten porträtiert. Die Krönung: Mit einem versöhnlichen, elegant (auf-)gelösen Schluss ziehen sich Regisseur Reed und Drehbuchautor Vaughn aus der Affäre, ersetzen die in solchen Fällen standardisiert-abgeschmackten Happy Endings; und der Dialog zum vorläufigen Ende zwischen zweien, die sich einst liebten, hat auf die vorausgegangenen 106 Minuten gesehen doch irgendwie etwas sehr endgültiges: „Hallo, schön dich zu sehen.“
