29. September 2006
24/7 — The Passion Of Life
Was das für eine Welt ist, in der ehrbare Mannsbilder nach Feierabend zu Gummisauen mutieren, sich dominieren und demütigen lassen? Unsere natürlich. Hotelierstochter Eva (Marina Anna Eich) weiß von alledem noch nicht viel, geschweige denn von sich selbst. Eine Zufallsbekanntschaft soll alles verändern. Von der bizarren Domina Magdalena (Mira Gittner) fasziniert, begibt sich Eva auf die Suche nach ihrer ureigensten Identität und beginnt eine Odyssee durch die Welt der Sexualität; ein philosophischer Zweistundentrip vorbei an SM-Studios, Swingerclubs und Stripteasebars.
Provokant-poetisch angehaucht und mit äußerst eigenwillig-religiöser Komponente präsentiert sich das dieser Tage auf DVD erschienene Erotikdrama „24/7 — The Passion Of Life“ (WTP International) von Regisseur Roland Reber und der gebürtigen Karlsruher Produzentin Patricia Koch; über Obsession und Einsamkeit, die geheimen Gelüste, öffentliche Moral, erotische Selbstfindung und die lustvolle Qual unseres Seins zwischen Perversion und Konvention.
Ein nicht ganz einfaches, sperriges Stück Independent-Filmkunst, beinahe mehr Theateraufführung als (Heim-)Kinovorstellung mit bizarren Szenen wie Dialogen von Figuren, die nicht nur nackte Haut zeigen, sondern tief in ihr Seelenleben blicken lassen; und auch dem Zuschauer in jeglicher Hinsicht vieles abverlangen. Dabei sind es nicht unbedingt Lösungen, die Autor Reber bietet, sondern schon eher einen massiven Anstoß zum Umdenken.
Und der polarisiert, nein er spaltet: „The Passion Of Life“ steht für L(i)eben, Lust und Leidenschaft, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche und zwar immerzu zwischen den Extremen — in inhaltlicher wie handwerklicher Sicht. Produziert wurde vollkommen unabhängig von Fördergeldern, das sieht man, soll man sehen und so gilt, was auch im wahren Leben nicht ganz falsch sein kann: Erlaubt ist, was gefällt.
