28. September 2006

Klick

Wer kann schon von sich behaup­ten, sein Leben voll­stän­dig im Griff zu haben? Adam kann, denn er hat und zwar sprich­wört­lich: Mit sei­ner magi­schen Fern­be­die­nung. Es ist Sand­lers zu Anfang gran­diose Rück­kehr ins ver­traute Ter­rain des Bra­chi­al­hu­mors; erfreut als Haupt­prot­ago­nist und Co-​​Produzent sein ori­gi­närs­tes Publi­kum wie­der mit ver­trau­tem Witz am obers­ten Rande der Gür­tel­schnalle, der sich hin und wie­der aber auch nicht davor scheut, beherzt die Eier zu schaukeln.

Dank dem blauen Wun­der­ding, das ihm der seltsam-​​kauzige Ver­käu­fer Morty (Chris­to­pher Wal­ken) vom Bed Bath & Beyond-​​Fachmarkt ganz umsonst ver­macht hat — Geiz ist geil, ganz blöde war’n wir schließ­lich noch nie — kann Michael New­man nach Belie­ben den Hund lei­ser stel­len, ist in der glück­li­chen Lage, ehe­li­che Strei­tig­kei­ten und das läs­tige Lie­bes­vor­spiel zu über­sprin­gen, um direkt in jeder Lebens­lage direkt dort ein­zu­stei­gen wo’s rich­tig zur Sache geht. Doch kein Köder ohne Angel und keine Angel ohne Haken: Die Bedie­nung ist lern­fä­hig und bestimmt als­bald Micha­els Wir­ken ganz nach eige­nem Gut­dün­ken. Der eilt fortan im Zeit­raf­fer durch die Jahr­zehnte, macht einen Kar­rie­re­sprung nach dem ande­ren und steht als­bald am Ende eines Lebens, das er noch gar nicht rich­tig gelebt hat.

Über­zeu­gend seriö­ser Natur waren Sand­lers bis dato letzte Auf­tritte in „Punch-​​Drunk Love“ und „Spanglish“, dazwi­schen ein paar erste Dates, die so mau waren, das wir uns nicht groß wun­dern muss­ten, warum sich Drew Bar­ry­more 49 Mal par­tout nicht an das Vor­an­ge­gan­gene erin­nern wollte. Nun stellt er uns also wie­der auf „Die Wut­probe“, mit rich­tig knackig-​​feschen Schenkelklopfer-​​Dialogen und einem Humor der Marke dop­pel­derbe; etwa wenn sich Sand­ler die Frei­heit nimmt, David Has­sel­hoff (ein­mal mehr die wan­delnde Selbst­iro­nie in Per­son) in sei­ner Rolle als gelack­ter Macho-​​Chef schlag­kräf­tig die Fresse zu polie­ren, um ihm her­nach noch herz­haft ins Gesicht zu pup­sen. Aus einem ver­knif­fe­nen Arsch kommt bekannt­lich nie­mals ein fröh­li­cher Furz — nur wis­sen wir also, dass der Spruch auch anders­herum stimmt.

Wer den Furz zuerst gerochen

Die erste Hälfte von „Klick“ funk­tio­niert nach eben die­sem Fäkal­schema — und sie funk­tio­niert wirk­lich prima. Eine typi­sche Sandler-​​Komödie eben. Vam­pi­rette Kate Beck­in­sale mag als ver­nach­läs­sig­tes Haus­müt­ter­chen der letzte Biss feh­len, Chris­to­pher Wal­ken kommt daher wie der immer ver­peilte Groß­cou­sin von Al Pacino, stets unter­wegs „Im Auf­trag des Teu­fels“, doch die Crux ist eine völ­lig andere: das Klick zur Film­mitte näm­lich. Erst hüh, dann hott und der damit ein­her­ge­hende Ver­such, belus­ti­gende Komö­die und moral­schwan­ge­res Drama zu vermengen.

Erst den Zuschauer Trä­nen lachen las­sen, dass der sein Maul so weit auf­reißt wie es gar nicht mehr wei­ter geht — um ihm dann mit plakativ-​​vorwurfsvollem Unter­ton zu ver­kli­ckern, dass gegen diese Art Mund­ge­ruch doch längst Abhil­fen im „Schlecker“-Sortiment ste­hen. Na dan­ke­schön an den Typ mit dem Was­ser­scha­den und Frank Cor­aci, der uns als Sandler-​​Anweiser auch schon mal mehr („Wed­ding Sin­ger“) und weni­ger („Water­boy“) gut unter­hal­ten hat als die­ser Tage. Aber Glei­ches ver­gel­ten wir lange schon mit Glei­chem und nur um den Gag auf eben solch derbe Art zu kon­tern: Wer den Furz zuerst gero­chen, ist er — ganz genau.

Woher es hier näm­lich wirk­lich stinkt, zeigt sich, wenn das Licht im Kino längst ange­gan­gen ist: Denn Cor­aci krönt die zwei­ten 54 Minu­ten doch oben­drein auch noch mit einem über alle Maßen ein­falls­lo­sen und abge­schmack­ten Finale; kommt aufs Ganze betrach­tet selbst nicht über die ach so neun­mal­kluge Wes­ten­ta­schen­phi­lo­so­phie hin­aus, die er uns mit spitz gezück­tem Zei­ge­fin­ger pre­di­gen will: Der Weg bleibt das Ziel.