8. September 2006
Requiem
Das Austreiben des Teufels hat nicht nur in der katholischen Kirche, sondern auch im Kino Tradition. Des Satans jüngste Tochter heißt dieser Tage Michaela Klingler (Sandra Hüller). Mit 21 verlässt sie ihr konservativ-katholisches Elternhaus (Imogen Kogge und Burghart Klaußner), um in Tübingen Pädagogik zu studieren. Glücklich genießt Michaela die ersten Schritte in Freiheit — doch sie wird von ihrer Vergangenheit eingeholt.
Das verschlossene Mädchen leidet seit ihrer Kindheit an Epilepsie und hat schon bald abermals mit Wahnvorstellungen zu kämpfen, hört Stimmen und glaubt, nach dem Ebenbild der Heiligen Katharina von Dämonen besessen zu sein. Schließlich begibt sich Michaela in die Obhut eines jungen Priesters und stimmt einer Teufelsaustreibung zu.
Regisseur Hans-Christian Schmid — als fähiger Geschichtenerzähler bekannt, der seine Stoffe oft in den vergangenen deutschen Jahrzehnten sucht und auch hier die richtige Balance zwischen Atmosphäre und Beklemmung findet — verzichtet in der deutschen Variante von „Der Exorzismus von Emily Rose“ bewusst auf reißerische Szenen wie sie im Sujet ansonsten erwartet werden dürfen.
Er fokussiert sich in „Requiem“ (Warner Home Video/X Verleih) stattdessen auf die psychotische Entwicklung einer jungen Frau, die hoffnungsvoll in eine neue Lebensphase eintritt, sich vom bigotten Elternhaus zu emanzipieren beginnt und von ihrer Krankheit eingeholt nach mehreren Dutzend Exorzismen an Entkräftung stirbt. Der gelungen dokumentarische Charakter unterstützt die Authentizität des auf wahren Begebenheiten beruhenden Films. Das tragische Ende einer Selbstfindung? Denn auch wir vergeben unseren Schuldigern.
