Sport - "Aufstieg und Fall der Gruppe Sport"„Bitte berühmt wer­den!“ Der For­de­rung aus dem Hause „Spex“ ist die vie­ler­seits über­se­hene Sport–Truppe um Kante–Gitar­rist Felix Mül­ler seit dem Debüt „These Rooms Are Made For Wait­ing“ nur bedingt nach­ge­kom­men. Man war­tet noch; es sind nun mal nicht die Mil­lio­nen, es geht hier um Obses­sion. Um den Popkultur-​​Magazinlern irgend­wann viel­leicht den­noch den einen Gefal­len zu tun, lässt das Ham­bur­ger Trio mit dem Zweit­werk „Auf­stieg und Fall der Gruppe ‚Sport‘“ (Strange Ways Records/​Indigo) die Abriss­birne kreisen.

Und das neue Häus­chen ist ein schi­ckes gewor­den, steht bom­ben­si­cher fernab von san­di­gem Grund. Drum herum for­miert sich über zehn Songs hin­weg die ver­traut abwechs­lungs­rei­che sanft-​​raue Sport-​​Sound-​​Landschaft Stück für Stück in neuem Glanz, und offen­bart eine Gegend mit beträcht­li­chen Höhen­un­ter­schie­den: Vor­bei an wuch­ti­gen Berg­mas­si­ven („New­ton“, „Die Hände“, „Der unsicht­bare Dritte“), aber auch ver­han­ge­nen Ebe­nen und neb­li­gen Küs­ten („Lass die Sire­nen sin­gen“). Dar­über grollt ein Him­mel („Der Weg hinab“), an des­sen Fir­ma­ment ein­same Satel­li­ten („Schö­nen Gruss“) schwe­ben und ganz unten lodert dezent „Meine Hölle“, die mit Piano-​​Untermalung und Western-​​Riff nicht aus­schließ­lich Schlech­tes verheißt.

So erzäh­len Sän­ger und Gitar­rist Felix Mül­ler, Chris­tian Smu­kal (Bass) und Mar­tin Boe­ters (Schlag­zeug) viel­fach von Gren­zen und Zwän­gen des (Musiker-)Lebens, aber auch vom Ent­de­cken der eige­nen Mög­lich­kei­ten: Der Opener „New­ton“ ist ein wah­res Brett an Rock mit gera­dezu umwer­fen­der Hookline; in sei­ner Bedeu­tung durch­aus ver­gleich­bar mit Kan­tes „Die Summe der ein­zel­nen Teile“.

Es ist schlich­ter Wahn­sinn, wel­che Sound-​​Wand da (und nicht nur dort!) ein­zig und allein mit Gitarre und Bass hoch­ge­zo­gen wird — und die ein Chris­tian Smu­kal ganz alleine zu oben­zu­hal­ten hat, wenn Kol­lege Mül­ler vor­über­ge­hend auf Solo­pfa­den wan­delt. Man stelle sich vor, der Bass bekäme grund­sätz­li­che Unter­stüt­zung von einem zwei­ten Sechssaiter…

Über­wäl­ti­gend bleibt’s auch ohne: Das zu Anfang zart gezupfte „Der Weg hinab“ endet im stei­ni­gen Bruch­tal; „Mor­gen sind wir raus“ atmet die etwas sanf­tere Eupho­rie einer gelun­ge­nen Flucht vor Kon­ven­tio­nen und auch von Star­ruhm wie Siech­tum im Musik­biz ist die Rede: So erfah­ren wir text­lich und musi­ka­lisch gran­dios in „Ein Ende“ was John, George, Ringo und Paul im Anschluss an die Kar­riere so getrie­ben haben; „Wie Amei­sen“ ist dage­gen die noch nicht zu Ende erzählte Geschichte einer erfolg­lo­sen Vor­band, die sich in die Rolle des gefei­er­ten Haupt­acts hineinträumt.

Die der drei Sport­ler ist es nicht mehr. Berühm­ter sein müsste man den­noch und „Auf­stieg und Fall“ ist die Kon­se­quenz; ein spie­le­ri­scher Umgang mit der nicht ganz unbe­que­men Situa­tion, ein Album auf­ge­nom­men zu haben, das durch­aus das Zeug zum gro­ßen Wurf hat, aber doch schon viel zu lange dabei zu sein, um den Blick für die Rea­li­tät nicht zu ver­lie­ren und sich damit ein­her­ge­hend die trös­tende Selbst­iro­nie zu bewahren.