5. September 2006
Underworld: Evolution
Der Biss eines Blutsaugers hat nicht erst seit Polanski etwas zutiefst Erotisches. Und Hand vom Hals: Wer würde nicht den Nacken recken, um sich von Vampirette Kate Beckinsale anknabbern zu lassen? Len Wiseman verpasste mit seinem Regiedebüt samt Ehefrau und „Underworld“-Hauptdarstellerin dem blutleeren Genre eine düster-süße Transfusion. Ganz frisch war die allerdings nicht mehr; haben doch „The Crow“, der artverwandte „Blade“ oder auch „Matrix“ die Ästhetik von Slow Motion, Leder, Latex und Gewalt längst zu etwas Salonfähigem gemacht.
Und so setzte Wiseman ganz auf den Look eines Films im Allgemeinen und seine Männerphantasien beflügelnde Vorturnerin im ganz Besonderen. Das Ende der etwas anderen Lovestory war ein offenes. Nun kann die Lücke im heimischen DVD-Regal endlich geschlossen werden: Der zweite — und wahrscheinlich nicht letzte — Teil „Underworld: Evolution“ ist ab sofort auf DVD (Sony Pictures Home Entertainment) zu haben.
Ein kurzer Flashback ruft uns zu Filmbeginn wieder vor Augen, was doch gleich wieder vor drei Jahren im Kino geschah: Böse gegen Böser, Vampire gegen Werwölfe, Aristokraten gegen Barbaren; seit Jahrhunderten bekriegen sich die elitären Nachkommen Draculas mit den Lycanern, welche als Werwolf-Verschnitte ihr Unwesen treiben müssen. Als Selene (Beckinsale), die Lara Croft der Finsternis, schier am Ertrinken(!) ist, rettet ihr der Werwolf-Mensch-Hybrid Michael (Scott Speedman) ein Leben, das sie bei pedantischer Auslegung eigentlich gar nicht mehr hat. Einerlei, es knistert zwischen Retter (der anschließend noch zum Werwolf-Mensch-Vampir-Hybrid mutiert) und Geretteter und damit bringen die beiden das existierende Machtgefüge gehörig durcheinander.
Wer den ersten Teil des vom klassischen „Romeo und Julia“-Stoff getragenen „Underworld“ nicht gesehen hat, dürfte in Folge der „Evolution“ dennoch seine liebe Mühe haben, den Geschehnissen auf Anhieb zu folgen. Denn weiterentwickelt hat sich wenig, der zweite Teil schließt in jeder Hinsicht dort auf, wo der erste geendet hat: Man besticht in erster Linie durch seine schier makellose gotische Schönheit im monochromen Videogame-Design, und weniger durch ein stimmiges Drehbuch. Wiseman setzt voll und ganz auf die bestechende Optik seiner Inszenierung. Und die sitzt. Mit rasanten, durchgestylt-kühlen Bildern und unterlegt von stimmigem Sound macht auch die Fortsetzung deutlich, warum er bereits vielfach für seine Musikvideos und Werbefilme ausgezeichnet wurde.
Das muss genügen, da darf die vermeintliche Auflösung der familiären Blutfehde ruhig ein klein wenig wirr und krude anmuten. Denn eitlen Filmen geht es ganz ähnlich wie ebensolchen Menschen: Ein wenig selbstverliebt und oberflächlich kommen sie daher. Für den Betrachter indes kann der bloße Anblick dennoch ein äußerst anregender sein.
