50 Jahre Todd-​​AO“ hieß es ver­gan­ge­nes Jahr und nach dem gro­ßen Erfolg des zuge­hö­ri­gen „70mm-​​Filmfestivals“ in der Karls­ru­her Schau­burg gab es vom 6. bis 8. Okto­ber 2006 eine neue Auf­lage jenes Fes­ti­vals, das ganz dem Königs­for­mat des Films gewid­met ist.

Die Schau­burg ist eines der letz­ten Film­thea­ter in Europa, das über die auf­wen­dige Todd-​​AO-​​Technik ver­fügt und des­halb noch in der Lage ist, 70mm-​​Filme auf die spe­zi­ell gekrümmte 120-​​Grad-​​Panorama-​​Leinwand zu pro­ji­zie­ren. Benannt ist das For­mat nach dem 1958 bei einem Flug­zeug­ab­sturz ums Leben gekom­me­nen Film­pro­du­zen­ten Michael Todd, der das 70mm-​​System samt dem zuge­hö­ri­gen DP70-​​Projektor einst für die Film­tech­nik­firma Ame­ri­can Opti­cal entwickelte.

Neben einer bes­se­ren Bild– und Ton­qua­li­tät liegt der Reiz auch darin, die Werke in jenem For­mat zu schauen, in dem sie ursprüng­lich gedreht und gezeigt wor­den sind. Einige wenige Filme aus dem Fes­ti­val­pro­gramm, die auf 35mm gedreht wur­den — nament­lich „Ter­mi­na­tor 2″ und „Tita­nic“ — sind als so genannte Blow-​​Ups zu sehen, bei denen die Nega­tive auf 70mm-​​Prints umko­piert wurden.

Agen­ten ster­ben einsam

„Broadsword ruft Danny Boy.“ Längst ist der Funk­spruch an die eng­li­sche Geheim­dienst­zen­trale auf der Insel zur geflü­gel­ten Rede­wen­dung gewor­den. Er ent­stammt der Rolle von Richard Bur­ton aus „Where Eagles Dare“ von 1968, der in Deutsch­land unter dem Titel „Agen­ten ster­ben ein­sam“ ange­lau­fen ist. Die Hand­lung des Films ist indes 24 Jahre frü­her ange­sie­delt, am Ende des Zwei­ten Welt­kriegs näm­lich, unmit­tel­bar vor dem D-​​Day. Nach einer Vor­lage von Thriller-​​Autor Alis­tair MacLean mischt Bur­ton als sou­ve­rä­ner Grup­pen­füh­rer gemein­sam mit Clint East­wood als schweig­same rechte Hand die Nazis auf und jagt über 157 Minu­ten den Body­count kon­ti­nu­ier­lich nach oben.

Ziel ihrer bei­der Mis­sion ist die Befrei­ung des ame­ri­ka­ni­schen Gene­rals George Car­naby (Robert Beatty) aus einer Fes­tung in den Alpen, dicht hin­ter den deut­schen Linien. Über Bay­ern abge­schos­sen, trans­por­tiert ihn die Wehr­macht in ein schwer befes­tig­tes Schloss, wo er über die bevor­ste­hende Inva­sion der Ame­ri­ka­ner ver­hört wird. Um zu ver­hin­dern, dass der Gene­ral wich­tige Infor­ma­tio­nen preis­ge­ben kann, soll ihn das Geheim­kom­mando recht­zei­tig aus der Gefan­gen­schaft holen. Der eng­li­schen Ein­heit als Eli­te­kämp­fer zuge­teilt ist der ame­ri­ka­ni­sche Leut­nant Mor­ris Schaf­fer (Clint East­wood). Doch aus dem Auf­trag wird ein Him­mel­fahrts­kom­mando: Nach­dem der Trupp über den nächt­li­chen Alpen abge­sprun­gen ist, kom­men meh­rere Mit­glie­der unter mys­te­riö­sen Umstän­den ums Leben. Smith und Schaf­fer gelingt es den­noch, in die bes­tens behü­tete Fes­tung ein­zu­drin­gen, und dort ent­hüllt der Major sein eigent­li­ches Vor­ha­ben: Man ver­mu­tet eine Gruppe deut­scher Spione inner­halb des bri­ti­schen Geheim­diens­tes. Der Abschuss war fin­giert, um die Ver­rä­ter beim MI6 aus­fin­dig zu machen. Car­naby ent­puppt sich oben­drein als ame­ri­ka­ni­scher Schau­spie­ler, der dem ech­ten Gene­ral zum Ver­wech­seln ähn­lich sieht. Der Gruppe gelingt nach wil­den Schie­ße­reien die Flucht aus dem Schloss, auf dem Flug zurück nach Eng­land kann Smith sei­nem Vor­ge­setz­ten Wyatt Tur­ner (Patrick Wymark) den Namen des deut­schen Top-​​Spions preis­ge­ben. Doch des­sen Name ist dem Cor­nel weit­aus geläu­fi­ger als ihm lieb sein kann.

Ein ande­rer Name war im Hol­ly­wood der 60er Jahre weit mehr als nur geläu­fig und für eine Hand voll Dol­lar gab er sich schon lange nicht mehr her. Es brauchte eini­ges an Gage, um einen Clint East­wood, der zu jener Zeit zu den popu­lärs­ten Action-​​Heroen des Kinos zählte und an Haupt­rol­len gewöhnt war, das zweite Glied schmack­haft zu machen. 800.000 US-​​Dollar soll­ten denn aber auch der Argu­mente genug sein. East­wood besticht zwar mit uner­schüt­ter­lich coo­ler Prä­senz — im Mit­tel­punkt ste­hen sollte jedoch ein ande­rer Hollywood-​​Star: Richard Bur­ton, des­sen Kar­riere dank eini­ger Flops einen klei­nen Knick erlit­ten hatte. Film­pro­du­zent Elliott Kast­ner hatte die­sen wie­der glatt zu bügeln und betraute Alis­tair MacLean, der 1961 mit dem epi­schen Welt­kriegs­aben­teuer „Die Kano­nen von Nava­rone“ auf einen glo­ba­len Erfolg ver­wei­sen konnte, ein geeig­ne­tes Dreh­buch auf­zu­set­zen, das wenig spä­ter zum Roman umge­schrie­ben ein wei­te­rer Kas­sen­schla­ger wurde.

Gewiefte Alli­ierte gegen dep­perte Nazis. Brian G. Hut­ton pflegt in sei­nem „Agen­ten ster­ben ein­sam“ so man­che Spio­nage– und andere Kli­schees, einige wenige wer­den bewusst gebro­chen, viele aber auch gera­dezu genüss­lich über­dehnt. Den­noch glückte dem Regie-​​Oldtimer dank straf­fen Erzähl­stils, atmo­sphä­ri­scher Dichte, stim­mi­ger Kame­ra­füh­rung ein­her­ge­hend mit flie­ßen­der Schnitt­ar­beit ein span­nend insze­nier­ter Agen­ten­film mit hohem Unter­hal­tungs­wert. Daran haben auch die Schau­plätze mit ihren schnee­ver­weh­ten Wip­feln gro­ßen Anteil. Anstelle der baye­ri­schen Alpen darf das öster­rei­chi­sche Hoch­land her­hal­ten, Schloss Adler ist im wah­ren Leben die etwa 40 Kilo­me­ter süd­lich von Salz­burg gele­gene Fes­tung Hohen­wer­fen. Und hand­werk­lich betrach­tet blickt man auf 157 Minu­ten lein­wand­ge­wor­dene Per­fek­tion, die bis heute von ihrem attrak­ti­ven Schau­wert zeh­ren kann. Ins­be­son­dere Bur­ton legt seine Rolle geschickt aus, nährt immerzu Zwei­fel im Zuschauer, auf wes­sen Seite sein Prot­ago­nist nun eigent­lich steht. Der Beob­ach­ter des Dop­pel­agen­ten­spiels hält sich der­weil lie­ber an den schweig­sa­men East­wood, des­sen Inte­gri­tät zu kei­ner Zeit zur Debatte steht.

Getra­gen durch die dyna­mi­sche Film­mu­sik von Ron Good­win wis­sen gerade die Actions­e­quen­zen zu über­zeu­gen. Man denke etwa an die legen­däre, schwin­del­er­re­gende Szene, in wel­cher Bur­ton mit einem Sol­da­ten auf der Seilbahn-​​Gondel ein moder­nes Duell aus­trägt, das schließ­lich in einer rund 20-​​minütigen Ver­fol­gungs­jagd gip­felt; oder East­woods wilde Motor­rad­fahrt im Schnee­ge­stö­ber. Action wie sie heut­zu­tage wohl nur eine Jerry Bruckheimer-​​Produktion zustande brächte. Doch auch „Agen­ten ster­ben ein­sam“ hat seine Momente, in denen er mehr ist als ein sim­pel gestrick­ter Agen­ten­thril­ler. Zwar wer­den der Krieg und seine Fol­gen bis­wei­len arg ver­harm­lost, gar roman­ti­siert; hie und da ver­mag es das Werk jedoch tat­säch­lich, auch die wenig ange­neh­men Dinge solch blu­ti­ger Aus­ein­an­der­set­zun­gen herauszustreichen.

Die weni­gen Skript­schwä­chen über­sieht man ange­sichts der­art gran­dio­ser Action doch nur zu gerne. „Agen­ten ster­ben ein­sam“ agiert ohne Netz und dop­pel­ten Boden und ist mit die­ser Kon­se­quenz zu einem zeit­lo­sen Stück Film gewor­den, das an Span­nung nur schwer zu top­pen ist. Agen­ten mögen im ech­ten Leben ein­sam ster­ben, auf der Lein­wand indes ist ihnen das Publi­kum gewiss.

Baraka

Was beseelt die Mensch­heit in Ver­gan­gen­heit, Gegen­wart und Zukunft? Was treibt ihn Tag für Tag und Jahr für Jahr an und um? Regis­seur Ron Fri­cke ist mit sei­nem Team und einer com­pu­ter­ges
teu­er­ten 70mm-​​Todd-​​AO-​​Kamera durch die Welt gereist, um eine fil­mi­sche Ant­wort auf diese nicht ganz ein­fa­chen Fra­gen zu fin­den. In vier­zehn­mo­na­ti­ger Arbeit ent­stan­den ist ein 96-​​minütiger Bil­der­flug über die Erde, der immer mal wie­der Halt macht, um mit den Lebe­we­sen in aller Welt zu ver­wei­len und sie ein kur­zes Stück ihres Weges zu beglei­ten: Etwa einen Affen, der im Was­ser eines Berg­sees sit­zend, zu medi­tie­ren scheint; bud­dhis­ti­sche Mön­che, die sich dem Gebet hin­ge­ben, Hun­derte von Ker­zen ent­zün­den; aus­tra­li­sche Urein­woh­ner, die ihre Jahr­tau­sende alten Riten zele­brie­ren; Men­schen­mas­sen, die aus den U-​​Bahnschächten Tokios quel­len, durch New Yor­ker Stra­ßen­schluch­ten irren oder den Müll der Mil­lio­nen­me­tro­pole Kal­kutta durch­wüh­len; Frauen in Kat­mandu, die des Mor­gens ihre Göt­zen­bil­der schmü­cken; ein hin­du­is­ti­scher Mönch, der seine Man­tras mur­melt; ortho­doxe Juden an der Kla­ge­mauer in Jeru­sa­lem; Urvöl­ker, die sich ihre Gesich­ter bema­len und im Tanz Mut­ter Erde hul­di­gen. Und die Land­schaf­ten zie­hen vor­über. Wüs­ten, Berge, Kra­ter, das Meer, die Sterne — ein ein­zi­ger Bilderreigen.

„Zum Geheim­nis des Lebens und zum Geist der Natur“ will Ron Fri­cke den Zuschauer mit sei­nem „Baraka“ füh­ren, der nicht als Doku­men­tar­film im gewohn­ten Gewandt, son­dern als asso­zia­ti­ver, teils auch sehr medi­ta­ti­ver Sin­nes­rausch daher­kommt. Somit gibt es auch keine vor­der­grün­dige Hand­lung. Fri­cke reiht Land­schafts– und Men­schen­auf­nah­men anein­an­der, beglei­tet von einer Mischung aus sphärisch-​​hypnotischer und ethnologisch-​​adaptiver Musik. Der Titel des Films ist ein Wort aus der Sufi-​​Sprache und heißt über­setzt in etwa: Atem des Lebens. Den hat Fri­cke in Tan­sa­nia, China, Bra­si­lien, Japan, Kuwait, Kam­bo­dscha, Iran, Nepal und 16 wei­te­ren Län­dern auf sechs Kon­ti­nen­ten ein­ge­fan­gen und die Puz­zle­teile zu einer gran­dio­sen Doku ver­eint, die in ihrer Mach­art stark an die Qatsi-​​Trilogie von God­frey Reg­gio und sei­nem bekann­tes­ten, weil bes­ten Ver­tre­ter „Koyaa­nis­qatsi“ aus dem Jahre 1983 erin­nert. Ohne beschrei­bende oder erklä­rende Worte zu Hilfe zu neh­men wird der Kon­trast zwi­schen Mensch und Natur allein mit visu­el­len und atmosphärisch-​​akustischen Aus­drucks­mit­teln abge­bil­det und kom­men­tiert, so lau­tet das hehre Kon­zept von Fil­men die­ser Machart.

Ohne sich all zu sehr in sei­nem Sujet zu ver­lie­ren, gelingt es Fri­cke mit sei­ner Kom­bi­na­tion aus Natur­auf­nah­men und kul­tu­rel­len Beob­ach­tun­gen Struk­tu­ren offen zu legen, die unse­rem von Zivi­li­sa­tion und All­tags­stress umne­bel­ten Bewusst­sein für gewöhn­lich gänz­lich ver­bor­gen blei­ben. Ein bedach­ter Kame­ra­schwenk ver­bin­det Zeit­raf­fer­auf­nah­men, wel­che die beson­dere Schön­heit und Kom­ple­xi­tät von Mond­pha­sen oder Wol­ken­for­ma­tio­nen zum Aus­druck brin­gen. Das sind Bil­der voll Poe­sie und Sze­nen, die ebenso zu fas­zi­nie­ren ver­ste­hen wie die rein doku­men­ta­ri­schen Moment­auf­nah­men; etwa wenn Fri­cke den Zuschauer mit den beklem­men­den Lebens­ver­hält­nis­sen in den süd­ame­ri­ka­ni­schen Slums konfrontiert.

Die offen­sicht­li­che Ver­wandt­schaft zwi­schen „Baraka“ und der „Qatsi“-Trilogie kommt der­weil nicht von unge­fähr: Schon bei „Koyaa­nis­qatsi“ führte Ron Fri­cke die Kamera und tat sich als Co-​​Autor her­vor, doch wirkt von einer tech­ni­schen Warte aus betrach­tet „Baraka“ viel­leicht sogar noch einen Tick aus­ge­reif­ter als sein gro­ßes Vor­bild. Ein bild­ge­wal­ti­ger cine­as­ti­scher Trip zu den Natur­schön­hei­ten, den Kul­tu­ren und Reli­gio­nen, aber auch Zivi­li­sa­ti­ons­sün­den unse­rer Erde. Die Bil­der atem­be­rau­bend, die Klänge berau­schend, eine schier über­wäl­ti­gende Pracht an Ein­drü­cken, ein Kino­er­leb­nis! Da bleibt nur noch mit offe­nen Augen wie Ohren im Atem inne zu hal­ten — nur sollte man ob der betö­ren­den Augen­bli­cke nicht ver­ges­sen, dem Film­ti­tel gebüh­rend gele­gent­lich auch mal wie­der ganz tief Luft zu holen.

Cleo­pa­tra

Es ist ein Name, den gar nicht wenige ägyp­ti­sche Regen­tin­nen aus der Dynas­tie der Pto­le­mäer tru­gen: Kleo­pa­tra. Bei­nahe ebenso zahl­reich sind die Ver­fil­mun­gen, doch bezie­hen diese sich alle­samt auf eine ganz bestimmte unter ihnen: Kleo­pa­tra, die siebte näm­lich, Geliebte von Gaius Julius Cäsar und nicht umsonst auch „Die Große“ genannt. Nicht weni­ger groß und bedeu­tend ist die Ver­fil­mung ihres Lebens aus dem Jahre 1963 mit Eliza­beth Tay­lor in der Titel­rolle. Die Haupt­dar­stel­le­rin nährte sich ste­tig und damit auch die Regen­bo­gen­presse: Die Dreh­ar­bei­ten kamen immer wie­der ins Sto­cken. Ange­sichts des Ner­ven­krie­ges um diese Groß­pro­duk­tion dürfte so manch antike Schlacht in den Schat­ten gestellt wor­den sein.

Er hin­ge­gen hat schon zahl­lose tap­fer geschla­gen. Doch auch ein gro­ßer Feld­herr kann ein­mal erlie­gen ohne des­halb gleich ver­lo­ren zu haben. So wie Julius Cäsar (Rex Har­ri­son): Der ver­fällt im Jahre 48 vor Chris­tus in Alex­an­dria den Ver­füh­rungs­küns­ten der schö­nen wie klu­gen Cleo­pa­tra, die damit nicht nur den Fami­li­en­streit um den Thron von Ägyp­ten für sich ent­schei­det, Jahre spä­ter zieht sie mit bei­der Sohn auch noch in Rom ein. Nach Cäsars jähem Ende trös­tet sich die Pha­rao­nin schnell und macht den unge­stü­men Mar­kus Anto­nius (Richard Bur­ton) zu ihrem Lieb­ha­ber. Der müsste zwar aus poli­ti­schen Grün­den die Schwes­ter Octa­vi­ans (Roddy McDo­wall) hei­ra­ten, aber an Cleo­pa­tras ver­füh­re­ri­schen Argu­men­ten zer­schellt die Staats­rä­son. Anto­nius indes nimmt sie zur zwei­ten Frau, was ihm die rach­süch­ti­gen Trup­pen Octa­vi­ans beschert. Am Ende ver­liert Anto­nius nicht nur die See­schlacht von Actium son­dern auch sein Leben; Octa­vian behält das seine, erobert oben­drein Ägyp­ten und Cleo­pa­tra geht mit ihren bei­den getreu­es­ten Die­ne­rin­nen in den Freitod.

Der Grö­ßen­wahn des römi­schen Impe­ri­ums schien regel­recht abzu­fär­ben. Bis heute gilt Liz Tay­lors tri­um­pha­ler Ein­zug in Rom als eine der prunk­volls­ten aber auch teu­ers­ten Sze­nen der Film­ge­schichte — ein Mam­mut­film in jeg­li­cher Hin­sicht: Über vier Stun­den Lauf­zeit, mehr­jäh­rige Dreh­ar­bei­ten und damit ver­bun­dene Kos­ten von 44 Mil­lio­nen Dol­lar, die auch Jahre spä­ter trotz Erfolg an den Kino­kas­sen noch nicht aus­ge­gli­chen waren, machen „Cleo­pa­tra“ infla­ti­ons­be­rei­nigt zum teu­ers­ten Film der Geschichte. Die Pro­duk­tion trieb den Ver­leih 20th Cen­tury Fox bei­nahe in den Ruin. Vor­nehm­lich durch Krank­heit und Star­al­lü­ren der Haupt­dar­stel­le­rin muss­ten die Dreh­ar­bei­ten immer wie­der über Monate unter­bro­chen wer­den: Nicht genug, dass Beauty Liz immer wie­der mit ihren Pfun­den zu kämp­fen hatte, zog sie sich wäh­rend der Dreh­ar­bei­ten eine lebens­ge­fähr­li­che Lun­gen­ent­zün­dung zu und konnte nur knapp vor dem Ersti­ckungs­tod bewahrt wer­den. Auch im Film gut zu sehen ist jene Narbe des Luft­röh­ren­schnitts, der ihr damals das Leben geret­tet hat.

Oben­drein sorgte ihre heiße Affäre mit Film­part­ner Richard Bur­ton für so man­che wei­tere Schlag­zeile, doch es wurde weit mehr dar­aus: Ein Jahr nach Abschluss der Dreh­ar­bei­ten, am 15. März 1964, machte sie ihn sogar zum fünf­ten ihrer ins­ge­samt acht Ehe­män­ner. Num­mer drei war übri­gens kein Gerin­ge­rer als der 1958 bei einem Flug­zeug­ab­sturz ums Leben gekom­mene Film­pro­du­zent Michael Todd, nach dem das für die Film­tech­nik­firma Ame­ri­can Opti­cal ent­wi­ckelte Todd-​​AO-​​70mm-​​System mit dem zuge­hö­ri­gen DP70-​​Projektor benannt ist.

Auch „Cleo­pa­tra“ wurde einst im Königs­for­mat des Films gedreht und ist nun — nach­dem man das ursprüng­lich sechs­stün­dige Aus­stat­tungs­opus sei­ner­zeit auf die lange Zeit kur­sie­rende, stark gekürzte Kino­ver­sion von 220 Minu­ten gestaucht hatte — wie­der um 20 Minu­ten erwei­tert. Mit opu­len­ter Aus­stat­tung, makel­lo­sen Dar­stel­lern und poin­tier­ten Dia­lo­gen gewann Joseph L. Man­kie­wiczs Werk 1964 denn auch vier „Oscars“ (Kamera, Aus­stat­tung, Kos­tüme, visu­elle Effekte) und wurde für fünf wei­tere Aca­demy Awards nomi­niert; neben der Kate­go­rie „Bes­ter Film“ stand auch Rex Har­ri­son als „Bes­ter männ­li­cher Haupt­dar­stel­ler“ zur Wahl. Seine Gegen­über indes­sen kam auch ohne Nomi­nie­rung genü­gend zur Gel­tung. Aller Eska­pa­den zum Trotz hat Dame Eliza­beth Tay­lor das Film­bild der lei­den­schaft­li­chen ägyp­ti­schen Pha­rao­nin geprägt wie keine Zweite; damit ihre „Cleo­pa­tra“ auf den Klassiker-​​Thron des intel­li­gen­ten Monu­men­tal­films gehievt. Und uns hat man wie­der ein­mal gelehrt, dass Geschichte zwar auf dem Schlacht­feld geschrie­ben, die Poli­tik aber immer noch im Schlaf­zim­mer gemacht wird.

Grand Prix

Es soll Men­schen geben, die für ein For­mel 1-​​Rennen jedes noch so bedeu­tende Fuß­ball­spiel weg­zap­pen. Der Kampf Maschine gegen Maschine, Mann gegen Mann im Rausch der Geschwin­dig­keit hat denn auch etwas zutiefst Heroi­sches — das birgt auch immens viel an cine­as­ti­schem Poten­zial. Und wel­ches Auto­ren­nen könnte für einen Kino­film span­nen­der sein als der „Große Preis von Monaco“ mit sei­nem tra­di­tio­nel­len Stadt­kurs quer durch Monte Carlo? Den wählte John Fran­ken­hei­mer, der dank groß­ar­ti­ger Filme schon ein­same Run­den im Movie-​​Circus drehte, mit sei­nen Pro­jek­ten aber ebenso oft auch im Kies­bett gelan­det ist, denn auch für sei­nen ganz per­sön­li­chen „Grand Prix“. Vier gera­dezu pro­to­ty­pisch kon­zi­pierte Renn­fah­rer aus Eng­land, Frank­reich, Ita­lien und den USA las­sen im Kampf um die Welt­meis­ter­schaft auf euro­päi­schen Renn­plät­zen die Moto­ren heu­len. Das war 1966 und wie fast alle seine gro­ßen Erfolge filmte er das Renn­fah­rer­drama in Frank­reich, mit 21 Kame­ras parallel.

Es beginnt mit einer annä­hernd 20-​​minütigen Sequenz, zu sehen gibt’s spek­ta­ku­läre Renn­sze­nen en masse und der Zuschauer erhält aus­gie­big Gele­gen­heit, die Akteure ken­nen zu ler­nen. Als da wären der erfolgs­ver­wöhnte Ferrari-​​Pilot Jean-​​Pierre Sarti (Yves Montand), Scott Stod­dard (Brian Bred­ford), der den Tri­um­phen sei­nes töd­lich ver­un­glück­ten Bru­ders Roger hin­ter­her­fährt, und des­sen Team-​​Kollege Pete Aron (James Gar­ner), wel­cher seit sei­nem Weg­gang von Fer­rari die Champagner-​​Platzierungen stets vor sich wähnt. Und es pas­siert, was pas­sie­ren muss: Aron über­holt und drängt Stod­dard von der Piste. Wäh­rend ers­te­rer den Vor­fall unbe­scha­det über­steht, bezahlt Stod­dard das wag­hal­sige Manö­ver bei­nahe mit dem Leben und muss schwer ver­letzt ins Kran­ken­haus ein­ge­lie­fert wer­den. Für ihren gemein­sa­men Team­chef Grund genug, Aron die Papiere in die Hand zu drü­cken. Der hat dann auch zunächst seine liebe Müh, ein neues Enga­ge­ment bei einem Renn­stall zu fin­den — bis sich der japa­ni­sche Fir­men­chef Izo Yamura (Toshiro Mifune) für den Geschass­ten zu inter­es­sie­ren beginnt. Des­sen Team ist bis­lang nicht der Rede wert, was fehlt ist ein ech­ter Cham­pion. Und Aron will es noch ein­mal wis­sen; kann sowohl die nächs­ten bei­den Ren­nen als auch das Herz von Stod­dards ver­nach­läs­sig­ter Frau Pat (Jes­sica Wal­ter) gewin­nen. Stod­dard selbst gelin­gen nach sei­ner Gesun­dung meh­rere Renn­siege und so wird der eins­tige Kol­lege zum schärfs­ten Kon­kur­ren­ten im Kampf um den WM-​​Titel. Die Fehde ent­wi­ckelte sich zu einem Kopf-​​an-​​Kopf-​​Rennen, der finale Lauf in Monza muss die Ent­schei­dung bringen.

Auto­mo­bile Ver­fol­gungs­jag­den auf der Lein­wand sind — wie es Alt­meis­ter Alfred Hitch­cock einst zu sagen pflegte — der „defi­ni­tive Aus­druck des fil­mi­schen Medi­ums“ und aus sei­ner Vor­liebe für schnelle Autos hat ein John Fran­ken­hei­mer nie groß Hehl gemacht. So wird dem Rennsport-​​Fanatiker auch nur zu gerne nach­ge­sagt, die­ses Stil­mit­tel in sei­nen Fil­men des blo­ßen Selbst­zwecks wegen ein­zu­set­zen; um sie als Auto­ren­nen zu insze­nie­ren, wie etwa im Action­thril­ler „Ronin“, der dem 1930 gebo­re­nen Fil­me­ma­cher Ende der 90er trotz teils mäßi­ger Kri­ti­ken ein uner­war­te­tes Come­back bescherte bevor er im Jahr 2002 an den Fol­gen eines Schlag­an­falls ver­starb. Sein „Grand Prix“ gehört mit „French Con­nec­tion 2″ und „Die den Hals ris­kie­ren“ zu sei­nen ganz gro­ßen Wür­fen — Pole-​​Position: Drei­mal ange­tre­ten, ging das Renn­fah­rer­drama bei den „Oscars“ in allen Kate­go­rien auch als ers­ter über die Ziel­li­nie: Schnitt, Ton und Ton­ef­fekte erklom­men das oberste Treppchen.

Und seine große Hin­gabe zum Autosport-​​Genre wird in jedem Moment „Grand Prix“ mani­fest. Nicht umsonst wer­den auf dem Film­pla­kat For­mel 1-​​Fahrer wie Gra­ham Hill, Jim Clark oder Juan Manuel Fan­gio gezeigt, deren Teams sich nach anfäng­li­cher Skep­sis so ange­tan von Fran­ken­hei­mers Vor­ha­ben zeig­ten, dass mit ihnen in Neben­rol­len auf Ori­gi­nal­kur­sen in Monaco, Spa und Monza gedreht wer­den konnte. Haupt­dar­stel­ler James Gar­ner indes ließ es sich ange­sichts der wah­ren Hel­den des Motor­sports denn auch nicht neh­men, in sei­nen Sze­nen höchst­selbst am Steuer zu sitzen.

Den Plot split­tet der Regis­seur in meh­rere Neben­stränge auf und mit nahezu drei Stun­den Lauf­zeit gibt er sich dafür jede Menge Spiel­raum. So hat etwa der ver­hei­ra­tete Sarti eine hef­tige Affäre mit Repor­te­rin Lou­sie Fre­de­rick­son (Eva Marie Saint). Von blei­ben­de­rer Erin­ne­rung als die Hand­lung, die sich doch größ­ten­teils um die amou­rö­sen Ver­feh­lun­gen der Pilo­ten rankt, sind die Auf­nah­men der Ren­nen selbst. Sind doch vor allem ande­ren die von den Kame­ra­män­nern um Lio­nel Lin­don und John M. Ste­phens ein­ge­fan­ge­nen Bil­der Garant dafür, dass „Grand Prix“ über die gesam­ten 179 Minu­ten stets mit hohen Dreh­zah­len läuft. Dabei glück­ten Bil­der aus für dama­lige Ver­hält­nisse unge­wöhn­lichs­ten Per­spek­ti­ven, etwa mit­tels schwenk­ba­rer Kamera direkt an der Radaufhängung.

Doch Fran­ken­hei­mer teilt nicht nur Hand­lung, son­dern auch die Lein­wand oft­mals in meh­rere Frames auf, um damit die Gleich­zei­tig­keit des dra­ma­ti­schen Gesche­hens zu ver­mit­teln. Man rufe sich dazu nur den Film­be­ginn und seine fan­tas­ti­sche Sequenz mit dem Neben­ein­an­der von Monaco als ruhi­ger Sonntag-​​Morgen-​​Stadt im Kon­trast zur sel­ben Loka­li­tät als Renn­stre­cke in Erin­ne­rung. Das hat wahr­haft Züge eines ech­ten Kunst­werks! Teil­weise aus dem Cock­pit bei Ori­gi­nal­ge­schwin­dig­keit gedreht, fin­det sich der Zuschauer mit­ten drin in den rasan­ten Pis­ten­du­el­len statt nur dabei; gerade so, als ob er selbst am Steuer säße. Toll­kühne Män­ner in ihren rasen­den Kis­ten, Dreh­zah­len am Limit, spek­ta­ku­läre Bil­der und per­sön­li­che Schick­sale sor­gen für packende Kino­mi­nu­ten; und viel­leicht ja auch einen klei­nen Moment des Inne­hal­tens her­nach. Die Über­hol­spur zu neh­men ist bei wei­tem nicht das Wich­tigste im Leben.

In einem fer­nen Land

Lie­ben und vor allen Din­gen geliebt zu wer­den, viel­leicht ist das der ein­zig wahre Motor allen mensch­li­chen Stre­bens. Und gesetzt den Fall, diese These ent­sprä­che den Tat­sa­chen — wie mag es da einem erge­hen, der des Lie­bens fähig, selbst nicht geliebt wird, so sehr er sich auch mühen mag? Die Ant­wort ist nahe­lie­gend: beschei­den. So wider­fährt es auch einem, wen
n nicht dem best­be­tuch­tes­ten, Prot­ago­nis­ten im wei­ten Hol­ly­wood. Sein Name: Tom Cruise. Seit Jahr und Tag strebt er nach Aner­ken­nung sei­ner Kol­le­gen. Wenn­gleich sie ihm den „Oscar“, wel­chem Cruise hin­ter­her­he­chelt wie dem hei­li­gen Gral, bis­lang ver­sagt haben — Aner­ken­nung, die genießt er längst. Aber lie­ben, das tun ihn die Wenigs­ten. Der­zeit ver­sucht Katie Hol­mes hin­ter das Mys­te­rium des Klas­sen­stre­bers zu kom­men; ein Unter­fan­gen, das Penélope Cruz ebenso auf­ge­ge­ben hat wie Nicole Kid­man. Im Som­mer 1989 stan­den die bei­den für „Tage des Don­ners“ gemein­sam vor der Kamera und ein eben sol­cher durch­fuhr die bei­den wäh­rend der Dreh­ar­bei­ten in Day­tona Beach: Tom Cruise trennte sich von Ehe­frau Mimi Rogers, tat sich mit sei­ner Film­part­ne­rin zusam­men und seit der Hoch­zeit am 24. Dezem­ber 1990 samt nach­fol­gen­der Adop­tion zweier Kin­der galt die Fami­lie Cruise-​​Kidman als unzer­trenn­lich. Nichts­des­to­trotz zog er Weih­nach­ten 2000 über­ra­schend einen Schluss­strich unter die Liaison.

Zu Beginn der 90er, da war ihre Welt noch in Ord­nung. Tom Cruise und Nicole Kid­man stan­den unter Anwei­sung von Ron Howard, der im Früh­jahr 2006 mit der Kinoad­ap­tion von Dan Browns „Sakri­leg“ für welt­wei­ten Wir­bel gesorgt hat, am Set von „Far And Away“, der hier­zu­lande unter dem Titel „In einem fer­nen Land“ in die Kinos kam. Er gibt darin den iri­schen Bau­ern­bur­schen Joseph Don­nelly, der sich zu Beginn der 1890er Jahre für des Vaters Tod am Groß­grund­be­sit­zer Chris­tie (Robert Pro­sky) rächen will. Joseph begibt sich völ­lig uner­fah­ren im Waf­fen­ge­brauch mit einer alten Büchse im Gepäck zum Schloss der Chris­ties, wo er sich fürs erste im Pfer­de­stall ver­schanzt. Doch die Toch­ter des Hau­ses (Nicole Kid­man) ent­deckt den Ein­dring­ling, Joseph unter­nimmt einen letz­ten ver­zwei­fel­ten Ver­such, deren Vater Daniel zu erschie­ßen und ver­letzt sich dabei mit sei­ner eige­nen Waffe. Der tod­ge­weihte Groß­grund­be­sit­zer beschließt, den Atten­tä­ter zu ver­arz­ten, um ihn her­nach wie­der­ge­ne­sen den Ord­nungs­hü­tern zu über­ge­ben. Seine sno­bis­ti­sche Toch­ter Shan­non indes zeigt mehr und mehr Inter­esse an dem adret­ten jun­gen Mann und auf einer Tee­party kommt es zum Eklat: Ste­phen (Tho­mas Gib­son), Ver­wal­ter der Chris­ties, aktu­el­ler Ver­eh­rer sowie künf­ti­ger Ehe­mann von Shan­non, erscheint auf der Bild­flä­che und Joseph erkennt in ihm jenen Mann, der kurz zuvor noch das Haus sei­ner Fami­lie nie­der­ge­brannt hatte. Doch zum ange­dach­ten Duell der bei­den Män­ner kommt es nicht: Shan­non flieht mit Joseph. Nicht aus lau­ter Rühr­se­lig­keit wohl gemerkt; sieht sie in ihm doch die Chance auf­blit­zen, sich ihren sehn­lichs­ten Wunsch zu erfül­len: Aus­wan­dern in die Ver­ei­nig­ten Staa­ten. Da es Frauen zu jener Zeit nicht gestat­tet war, alleine zu rei­sen, fun­giert Joseph bei der Über­fahrt als Steigbügelhalter.

In Bos­ton ange­kom­men teilt man sich als Geschwis­ter getarnt ein Zim­mer in einer schä­bi­gen Absteige und Shan­non behan­delt ihren Beglei­ter zuneh­mend her­ab­las­send. Der muss sich sein Geld hart als Profi-​​Boxer erkämp­fen und der Dame aus bes­se­rem Hause fällt die Arbeit in der Hüh­ner­fa­brik sicht­lich schwer. Eine Nie­der­lage spä­ter endet die Kar­riere im Ring und so ste­hen Joseph und Shan­non mit­ten im Win­ter ohne einen Cent in der Tasche auf der Straße. Und sie wer­den schon gesucht, denn mitt­ler­weile ist auch der Christie-​​Clan samt Ste­phen nach Bos­ton über­ge­sie­delt, um die ver­lo­rene Toch­ter wie­der zu finden.

Für seine Auswanderer-​​Saga konnte sich Regis­seur Ron Howard, der gemein­sam mit Bob Dol­man das Dreh­buch aus­ar­bei­tete, lose an der Geschichte sei­ner eige­nen Fami­lie ori­en­tie­ren und mit dem dama­li­gen Superstar-​​Ehepaar Tom Cruise und Nicole Kid­man spannte er zwei attrak­tive Zug­pferde vor sein präch­tig anzu­se­hen­des Siedler-​​Epos, des­sen 65mm-​​Format aller­dings erst auf der ent­spre­chen­den Lein­wand seine volle Wir­kung ent­fal­ten kann: Iri­sches Land­le­ben, die Erschlie­ßung des Wes­tens, eine Milieu­stu­die der Arbei­ter­schicht und die hohe Kunst des Box­sports ver­eint durch vita­les Schau­spiel und wun­der­volle Bil­der sor­gen über die 139 Minu­ten hin­weg für beste Unter­hal­tung. Das Werk besticht jedoch zuvor­derst durch seine wirk­lich gigan­ti­schen Land­schafts­auf­nah­men, wel­che die durch­aus vor­han­den Handlungs-​​Schwachpunkte sowie manch arg kit­schig gera­tene Szene gut und gerne zu über­tün­chen ver­ste­hen. „Oscars“ gab’s zwar keine, dafür konnte der Film aber zwei Nomi­nie­run­gen für den „MTV Movie Award“ ver­bu­chen. Etwas weni­ger rühm­lich mutet es dage­gen an, dass sich die iri­sche Musi­ke­rin Enya mit dem Titel­song „Book Of Days“ als Anwär­te­rin für den Spott­preis der „Gol­de­nen Him­beere“ füh­ren las­sen musste. Auch unter finan­zi­el­len Gesichts­punk­ten und in Anbe­tracht der hoch­ka­rä­ti­gen Namen war „In einem fer­nen Land“ eher mäßig erfolg­reich: US-​​Einspielergebnis und Pro­duk­ti­ons­kos­ten hiel­ten sich mit jeweils rund 60 Mil­lio­nen Dol­lar so eben die Waage.

Und Tom Cruise? Der Hollywood-​​Beau befin­det sich nach wie vor auf sei­ner ganz per­sön­li­chen „Mis­sion Impos­si­ble“: Den Gold­jun­gen der Aca­demy hat er bis heute nicht ent­ge­gen­neh­men dür­fen, auch nicht für sein aufwändig-​​imposantes Schwert-​​Epos „Last Samu­rai“ aus dem Jahre 2004. Aber er wird ganz sicher wei­ter danach stre­ben, genau wie der japa­ni­sche Krie­gera­del nach Per­fek­tion. Ein dis­zi­pli­nier­ter Kämp­fer, das ist er. Doch Samu­rai bedeu­tet auch Die­ner — und viel­leicht sollte Mis­ter Cruise mehr erpicht dar­auf sein, sei­nem Publi­kum dien­lich zu sein und etwas weni­ger sei­ner selbst. Denn wie hat es der „Stern“ Bezug neh­mend auf seine Per­son in der ers­ten Aus­gabe des Jah­res 2004 so tref­fend for­mu­liert: „Stre­ber kom­men sehr weit — geliebt wer­den sie nie.“

Meu­te­rei auf der Bounty

Ihr Name könnte mit Wohl­tat, Spende, Güte oder gnä­di­ger Gabe über­setzt wer­den. Schenkt man aller­dings nicht Geschichts-​​, son­dern dem Dreh­buch zu Lewis Miles­to­nes berühm­ter Ver­fil­mung Glau­ben, so war der Kapi­tän der HMS „Bounty“ das genaue Gegen­teil der Gnade: Nicht eiserne Dis­zi­plin, ein sadis­ti­sches Ter­ror­re­gi­ment führte Cap­tain Wil­liam Bligh (Tre­vor Howard) an Bord. Doch Hol­ly­woods Fil­me­ma­cher haben sich die His­to­rie ein klein wenig zurecht­ge­bo­gen, ist doch mitt­ler­weile erwie­sen, dass die­ser nicht mehr oder weni­ger gestreng war als andere Schiffs­ka­pi­täne sei­ner Zeit. Die ame­ri­ka­ni­sche Auto­rin Caro­line Alex­an­der etwa hat vor gut zwei Jah­ren nach ein­ge­hen­den Recher­chen in Tage– und Log­bü­chern, Gerichts­pro­to­kol­len und Zei­tungs­ar­ti­keln eine Kurs­kor­rek­tur vor­ge­nom­men: „Die wahre Geschichte der Meu­te­rei auf der Bounty“ lau­tet der Unter­ti­tel und nimmt den his­to­ri­schen Gescheh­nis­sen ihren letz­ten Mythos. Die Matro­sen kamen nach ihrem mona­te­lan­gen Auf­ent­halt im Para­dies schlicht nicht mehr mit dem rauen See­manns­le­ben zurecht. Anfang der 60er jedoch hält man sich noch an die ein­sei­ti­ge­ren, aber dra­ma­tur­gisch weit­aus effekt­vol­le­ren Zeu­gen­aus­sa­gen der Meu­te­rer, dif­fa­miert Bligh als grau­sa­men Des­po­ten der Meere und dreht mit dem Remake des Klas­si­kers von 1935 ein wei­te­res Original.

1787 ver­lässt die „Bounty“ den Hafen von Ports­mouth und der ehr­gei­zige Cap­tain Bligh ist fest ent­schlos­sen, so schnell wie mög­lich sein Ziel Tahiti zu errei­chen. Von dort soll er eine Ladung Brot­bäume nach Eng­land brin­gen, eine der Süß­kar­tof­fel ähnelnde Frucht; als Ersatz für die Getrei­de­lie­fe­run­gen aus den nord­ame­ri­ka­ni­schen Kolo­nien Eng­lands, wel­che wegen des ame­ri­ka­ni­schen Unab­hän­gig­keits­krie­ges schon viel zu lange Zeit aus­ge­blie­ben waren. In den eng­li­schen Kolo­nien gibt es dar­auf­hin meh­rere Hun­gers­nöte, denen zwi­schen den Jah­ren 1780 und 1787 mehr als 15.000 Men­schen zum Opfer fal­len, wes­halb die Besit­zer der Zucker­rohr­plan­ta­gen King Georg III. um ein stän­dig ver­füg­ba­res wie preis­wer­tes Grund­nah­rungs­mit­tel für ihre Skla­ven ersu­chen. Der wil­ligt ein und betraut seine Admi­ra­li­tät mit einer unge­wöhn­li­chen Expe­di­tion. Doch auf der Fre­gatte von Euer Gna­den gehört die neun­schwän­zige Katze — eine Rie­men­peit­sche mit neun gefloch­te­nen Tau-​​Enden — bei den kleins­ten Ver­ge­hen zum guten Ton, Bligh lässt Matro­sen kiel­ho­len und den Haien zum Fraß vorwerfen.

Nach zehn lan­gen Mona­ten end­lich auf der para­die­si­schen Süd­pa­zi­fik­in­sel ange­kom­men, ist die Pein jedoch schnell ver­ges­sen: Das Schiff liegt fünf Monate vor Anker, da Bligh Befehl hat, auf der Rück­reise die Endeavour-​​Straße zu erfor­schen, dazu aller­dings das Ein­set­zen des Ost-​​Monsuns abwar­ten muss. Für die 44 Mann starke Besat­zung haben sich die Wochen der Ent­beh­rung auf hoher See gelohnt; man ver­bringt glück­li­che Momente mit den wohl­fei­len ein­hei­mi­schen Hula-​​Damen und der Erste Offi­zier und Schiffs­füh­rers Freund Leut­nant Flet­cher Chris­tian (Mar­lon Brando) ban­delt gar mit des Häupt­lings Toch­ter (Tarita Teri­paia) an. Die bei­den wur­den spä­ter übri­gens auch im wah­ren Leben ein (Ehe-)Paar. Sein Begeh­ren, die schöne Mai­miti mit­neh­men zu dür­fen, wird von sei­nem Vor­ge­setz­ten aller­dings mit Vehe­menz ver­neint. Die „Bounty“ legt samt Brot­frucht im Lade­raum wie­der ab und des Käpt’ns Lust am Quä­len nimmt als­bald immer dras­ti­schere Aus­maße an: Bligh redu­ziert die täg­li­che Was­ser­ra­tion für seine Crew, damit er die Pflan­zen wäs­sern und von den Süd­see­in­seln unbe­schä­digt zu den west­in­di­schen Kolo­nien Eng­lands brin­gen kann.

Für die Mann­schaft indes ist das Maß längst voll: Am 28. April 1789 kommt es zur Meu­te­rei. Chris­tian schwingt sich zum Rädels­füh­rer auf, setzt Bligh mit 18 Getreuen, Sex­t­ant und Log­buch in einem Bei­boot aus und über­lässt alle mit­ein­an­der ihrem Schick­sal. Anschlie­ßend keh­ren die Meu­te­rer zunächst nach Tahiti zurück. Zu aus­ge­dünnt ist die Besat­zung — und viel zu männ­lich. Nach­dem sie auch die ihnen zuge­ta­nen Frauen an Bord genom­men haben, steu­ert die Crew ihr eigent­li­ches Ziel an, das jedoch auf kei­ner See­karte ver­zeich­net ist: die Insel Pit­cairn. Dort wähnt man sich sicher vor der zu erwar­ten­den Ver­fol­gung durch die bri­ti­sche Admi­ra­li­tät. Doch der Friede der Abtrün­ni­gen, er währt nur für kurze Zeit.

Der Aben­teu­er­film „Meu­te­rei auf der Bounty“ aus dem Jahr 1962 ist die erste Farb­ver­fil­mung der his­to­risch ver­bürg­ten Gescheh­nisse, die bereits zu dem von Frank Lloyd insze­nier­ten Schwarzweiß-​​Klassiker inspi­rier­ten; sei­ner­zeit mit Charles Laugh­ton und Clark Gable in den Haupt­rol­len. Für den Regis­seur des Remakes, Lewis Miles­tone, sollte es der letzte Spiel­film wer­den bevor er sich in den Fol­ge­jah­ren end­gül­tig aus dem Geschäft zurück­zog. Gedreht hatte er über zehn Monate an Ori­gi­nal­schau­plät­zen auf Tahiti und Moo­rea in Französisch-​​Polynesien mit Ein­hei­mi­schen wie Lai­en­sta­tis­ten. Unter ande­rem weil Mar­lon Brando als Co-​​Produzent das Bud­get immer wei­ter auf­stockte, stan­den am Ende 19 Mil­lio­nen US-​​Dollar Pro­duk­ti­ons­kos­ten zu Buche, von denen die Hälfte allein in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten wie­der ein­ge­spielt wer­den konnte.

Über die Defi­ni­tion von Erfolg mag sich strei­ten las­sen, der 178-​​Minüter gilt jedoch zu Recht auch heute noch als eines der optisch ein­drucks­volls­ten Werke der 60er Jahre — auch ohne einen „Oscar“ gewon­nen zu haben. Obgleich er bei der Ver­lei­hung 1963 neben der Kate­go­rie „Bes­ter Film“ in sie­ben wei­te­ren nomi­niert war. Jene des „Bes­ten männ­li­chen Haupt­dar­stel­lers“ gehörte nicht dazu. Dabei besticht das Remake doch in ers­ter Linie durch die über­zeu­gende Beset­zung der Besat­zung; und vor allen ande­ren glänzt ein Gold­junge ganz beson­de­rer Art: Nicht umsonst gilt der 2004 gestor­bene Mar­lon Brando als viel­leicht bedeu­tends­ter Cha­rak­ter­dar­stel­ler des 20. Jahr­hun­derts — und als eines der letz­ten wah­ren Originale.

South Paci­fic

Auch wenn Mel Brooks mit „The Pro­du­cers“ unlängst einen der meist­ge­lob­ten Broadway-​​Hits auf die große Lein­wand gewuch­tet hat, sie sind etwas rarer gewor­den in den Kino­pro­gram­men die­ser Tage. Die Blü­te­zeit der Film­mu­si­cals — sie liegt hin­ter uns. In den spä­ten 1940er und 50er Jah­ren ent­wi­ckelte sich das Genre noch zu einer mäch­ti­gen Unter­hal­tungs­in­dus­trie; und wurde her­nach immer unpo­pu­lä­rer. Ange­trie­ben von der Ent­wick­lung des Ton­films in den 30ern fei­er­ten sei­ner­zeit viele Pro­duk­tio­nen ihre gro­ßen Erfolge zuerst auf den Büh­nen des Broad­ways, der bis zum heu­ti­gen Tag als Schmelz­tie­gel unter­schied­lichs­ter Natio­na­li­tä­ten, Haut­far­ben, Kon­fes­sio­nen, Kul­tu­ren und sozia­ler Schich­ten gilt. So ver­meng­ten die ers­ten Musi­cals denn auch man­nig­fa­che Ein­flüsse: Swing und Jazz der Afro­ame­ri­ka­ner, Revuen eng­li­scher Ein­wan­de­rer und hinzu kam natür­lich der gewich­tige Ein­fluss der Ope­ret­ten aus Wien und Paris. Je exo­ti­scher, pom­pö­ser und auf­wän­di­ger, desto eher war einer Pro­duk­tion der Erfolg gewiss.

Zuneh­mend erga­ben sich die Songs in den Broadway-​​Musicals auch aus der Hand­lung her­aus und führ­ten deren Dra­ma­tur­gie wei­ter, ohne sie wie bis­her mit ihren Ein­la­gen zu unter­bre­chen. In Folge löste sich das Genre all­mäh­lich von der blo­ßen Num­mern­show; mehr und mehr the­ma­ti­sierte man auch Sozi­al­kri­ti­sches und zumin­dest in vor­sich­ti­gen Ansät­zen fin­den sich diese Ten­den­zen auch in „South Paci­fic“ wie­der, in wel­chem sich eine ame­ri­ka­ni­sche Kran­ken­schwes­ter wäh­rend des Zwei­ten Welt­krie­ges auf einer exo­ti­schen Insel in einen fran­zö­si­schen Plan­ta­gen­be­sit­zer ver­liebt. Nach der Urauf­füh­rung am 7. April 1949 im Majestic Theatre zu New York wurde das Stück nahezu 2.000 Mal am Broad­way gespielt und mit dem „Tony-​​Award“ als bes­tes sei­ner Kunst­form ausgezeichnet.

Zwi­schen dem Musical-​​Nabel Broad­way und Hol­ly­wood als Mit­tel­punkt der Film­pro­duk­tion fand bald ein reger Aus­tausch statt. So wur­den viele der Broadway-​​Erfolge ver­filmt, genauso wie spä­ter unter umge­kehr­ten Vor­zei­chen Filme als Musical-​​Vorlage die­nen durf­ten. Das neue Medium, wel­ches es nun auch ermög­lichte Ton und Bewegt­bild zu ver­ei­nen, eröff­nete dem Musi­cal völ­lig neue Dimen­sio­nen der Ent­fal­tung: Das Illu­si­ons­thea­ter auf der Bühne wich rea­lis­ti­schen Land­schafts­bil­dern, rasche Sze­nen­wech­sel ohne läs­tige Umbau­pau­sen waren ebenso rea­li­sier­bar wie Nah­auf­nah­men, die dem Zuschauer erst­mals das Gefühl ver­mit­tel­ten, in den vor­ders­ten Rei­hen des Thea­ters zu sitzen.

Unter die­sen Vor­zei­chen stand im Jahre 1958 auch die Lein­wan­d­ad­ap­tion von „South Paci­fic“, in wel­chem der smarte US-​​Leutnant Joseph Cable (John Kerr) das Brie­fing erhält, die Trup­pen­be­we­gun­gen der Japa­ner auf einer klei­nen Insel im Süd­pa­zi­fik aus­zu­kund­schaf­ten. Um seine Mis­sion erfül­len zu kön­nen, benö­tigt er die Hilfe des alt­ein­ge­ses­se­nen fran­zö­si­schen Far­mers Emile DeBe­que (Ross­ano Brazzi), der schon seit vie­len Jah­ren dort lebt. Doch DeBec­que sei­ner­seits hat Pro­bleme ganz ande­rer Natur, denn er ver­sucht ver­zwei­felt, die Liebe der Marine-​​Krankenschwester Nel­lie (Mitzi Gay­nor) zu gewin­nen. Da Cable sei­nen Auf­trag ohne DeBec­que nicht zu Ende brin­gen kann, ver­treibt er sich die Zeit auf der nahe gele­ge­nen Insel Bali Ha’i und lernt dort die hüb­sche Ein­ge­bo­rene Liat (France Nyen) ken­nen. Für die weib­li­che Haupt­rolle der Kran­ken­schwes­ter Nel­lie waren zu jener Zeit Top­stars wie Eliza­beth Tay­lor, Doris Day oder Audrey Hep­burn im Gespräch, letzt­end­lich füllte aber Mitzi Gay­nor den Part.

Im Vor­der­grund der äußerst far­ben­präch­ti­gen Todd-​​AO-​​Verfilmung des gleich­na­mi­gen Broadway-​​Stückes, wel­ches auf die Vor­lage „Tales Of The South Paci­fic“ des Autors James Miche­ner zurück­geht, steht zwar ganz klar die dop­pelte Romanze vor exo­ti­schem Hin­ter­grund; zugleich wid­met sich das Musi­cal von Jos­hua Logan, Richard Rod­gers und Oscar Ham­mer­stein II aber auch in mil­der Form dem Auf­ein­an­der­prall der Kul­tu­ren; bewe­gen sich doch die Lie­ben­den im Bann­kreis tief ver­wur­zel­ter Ras­sen­pro­bleme. Die damit ein­her­ge­hen­den 151 Minu­ten teils dra­ma­ti­schen Gesche­hens leben denn in ers­ter Linie von ihrer Ver­qui­ckung der Motive Mensch­lich­keit, Frie­dens­liebe, Tole­ranz wie Sen­ti­men­ta­li­tät; und die Kom­po­si­tio­nen — sicher­lich mit die bes­ten von Rod­gers und Ham­mer­stein — machen „South Paci­fic“ schlicht unver­wech­sel­bar. Manch einer zählt Songs wie „Some Enchan­ted Eve­ning“, „Bali Ha’i“, „Happy Talk“, „This Nearly Was Mine“ und „Youn­ger Than Spring­time“ gar zu den schöns­ten des Musi­cals über­haupt. So muss es nicht ver­wun­dern, dass der ein­zige „Oscar“, den „South Paci­fic“ erhielt, aus einer die Akus­tik bewer­ten­den Kate­go­rie stammt. Und mag die Blü­te­zeit der Film­mu­si­cals auch hin­ter uns lie­gen, ihr süßer Duft hat über die Jahr­zehnte nichts von sei­ner betö­ren­den Note eingebüßt.

Spar­ta­cus

Als „not­wen­di­ges Übel“, so bezeich­nete der 1999 gestor­bene Fil­me­ma­cher Stan­ley Kubrick sei­nen „Spar­ta­cus“, der bis heute mit Fug und Recht als einer der Bedeu­tends­ten sei­nes Gen­res gel­ten darf. Doch war es dem kom­mer­zi­el­len Erfolg eben jenes Monu­men­tal­wer­kes zu ver­dan­ken, dass er sich als Regis­seur eta­blie­ren und fortan seine eige­nen cine­as­ti­schen Visio­nen ver­wirk­li­chen konnte: „Dr. Selt­sam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lie­ben“, „2001: Odys­see im Welt­raum“, die Ver­fil­mung von Anthony Bur­gess‘ „A Clock­work Orange“ oder seine Spät­werke „Shi­ning“, die Adap­tion des Romans von Ste­phen King, und natür­lich das Antikriegs-​​Drama „Full Metal Jacket“. Eine Mei­nungs­ver­schie­den­heit zwi­schen „Spar­ta­cus“ Kirk Dou­glas, der als aus­füh­ren­der Pro­du­zent die Fäden zog, und des­sen ursprüng­lich vor­ge­se­he­nen Regis­seur Anthony Mann hatte zur Folge, dass der damals noch rela­tiv unbe­kannte 31-​​jährige Kubrick mit der Regie für den ame­ri­ka­ni­schen San­da­len­film über den größ­ten Skla­ven­auf­stand der anti­ken Geschichte betraut wurde. Man kannte sich bereits, hatte 1957 gemein­sam den Anti­kriegs­film „Wege zum Ruhm“ („Paths Of Glory“) gedreht. Die Hin­ter­gründe des dem Film zugrunde lie­gen­den Skla­ven­auf­stands aus dem Jahre 73 vor Chris­tus sind his­to­risch ver­bürgt, über den Heroen Spar­ta­cus selbst ist indes nur wenig bekannt, die Dar­stel­lung sei­nes Lebens des­halb zu gro­ßen Tei­len fik­tiv. Viel­mehr basiert die Hand­lung auf dem gleich­na­mi­gen Roman von Howard Fast, den Dal­ton Trumbo zum Dreh­buch ver­edelte — unter Pseud­onym, da er im Zuge der McCarthy-​​Ära und ihrer bis zur Hys­te­rie gestei­ger­ten Hatz nach Kom­mu­nis­ten auf der „Schwar­zen Liste“ stand.

Doch er ließ sich nicht unter­krie­gen, ebenso wenig wie sein Haupt­ak­teur, der thra­ki­sche Sklave und Gla­dia­tor Spar­ta­cus (Kirk Dou­glas), wel­cher in Folge die Skla­ven Roms zum Kampf gegen ihre Unter­drü­cker füh­ren und sich den schwer bewaff­ne­ten Legio­nen des Welt­reichs stel­len sollte. Bei­nahe wäre es soweit gar nicht gekom­men, denn Spar­ta­cus fin­det sich zu Film­be­ginn noch als Zwangs­ar­bei­ter im Stein­bruch wie­der, wo er wegen Auf­ruhrs zum Tode ver­ur­teilt wird. Gerade noch recht­zei­tig kauft ihn der Römer Len­tu­lus Batia­tus (Peter Usti­nov), bewahrt Spar­ta­cus somit vor der Hin­rich­tung und lässt ihn mit etli­chen ande­ren vom tyran­ni­schen wie sadis­ti­schen Mar­cel­lus (Charles McGraw) in sei­ner Gla­dia­to­ren­schule aus­bil­den. Dort wird ihm Vari­nia (Jean Sim­mons) zuge­wie­sen, Spar­ta­cus ver­wei­gert sich jedoch dem Befehl, ein Kind mit ihr zu zeu­gen. Viel­mehr ver­liebt er sich unsterb­lich in die attrak­tive Skla­vin. Dann kommt der römi­sche Sena­tor Mar­cus Lici­nius Cras­sus (Lau­rence Oli­vier) nach Capua, um Gla­dia­to­ren für die große Arena zu erwer­ben. Und weil der wis­sen möchte, wofür er sein Geld aus­gibt und auf ein­dring­li­chen Wunsch des weib­li­chen Gefol­ges (Nina Foch und Joanna Bar­nes) müs­sen die Skla­ven auf Leben und Tod vor­kämp­fen. Spar­ta­cus unter­liegt sei­nem Freund Draba (Woody Strode), doch der ver­schont ihn und geht statt­des­sen auf Cras­sus los. Ein Speer been­det das Leben des Äthio­pi­ers, doch ist es das Zei­chen zum Auf­stand für die bereits seit län­ge­rem rebel­li­schen Gla­dia­to­ren: Als Mar­cel­lus Spar­ta­cus wenig spä­ter bis aufs Blut reizt und demü­tigt, ertränkt die­ser den Pei­ni­ger im Sup­pen­topf. Auch die ande­ren Gla­dia­to­ren begeh­ren auf und kön­nen die Sol­da­ten schließ­lich besie­gen. Die Über­le­ben­den flie­hen und fül­len ihre Rei­hen wei­ter auf, indem sie einer­seits Besit­zun­gen gro­ßer Skla­ven­hal­ter über­fal­len und oben­drein gro­ßen Zulauf ent­flo­he­ner Skla­ven erhal­ten. So sam­melt sich bald ein Heer von mehr als 100.000 Mann um Spar­ta­cus; der spon­tane Gla­dia­to­ren­aus­bruch erwächst zum drit­ten Skla­ven­krieg, der auch als Spartacus-​​Aufstand in die Geschichts­bü­cher eingeht.

In die sei­nen schrieb Stan­ley Kubrick die Ver­fil­mung aller­dings nie, betonte stets, er habe im Auf­trag von Kirk Dou­glas gehan­delt; wenn­gleich der lang­fris­tige Ruhm wohl nicht zuletzt von sei­nem Platz in eben jener Kubrick-​​Filmographie her­rührt. Zu sehr sah er sich von Dou­glas in sei­ner künst­le­ri­schen Frei­heit beschnit­ten. Unge­ach­tet des­sen gilt das Plä­do­yer für mora­li­sche Inte­gri­tät, Loya­li­tät und den muti­gen Ein­satz zuguns­ten der per­sön­li­chen Frei­heit als einer der bes­ten Monu­men­tal­filme über­haupt. Dass dies nicht ohne Pathos und Kli­schee zu insze­nie­ren ist, ver­steht sich von selbst. Doch prä­gen auch und gerade die über­wäl­ti­gende Kampf­sze­nen das Werk — allein sechs Wochen der 167-​​tägigen Dreh­ar­bei­ten wur­den von Kubrick dar­auf ver­wen­det, die monu­men­ta­len Schlach­ten zu dre­hen, an denen annä­hernd 9.000 Sta­tis­ten mit­ge­wirkt haben. Auch die geschmack­volle Pho­to­gra­phie und die bis zu den Neben­rol­len groß­ar­tig besetz­ten Schau­spie­ler tru­gen dafür Sorge, dass „Spar­ta­cus“ im Jahr 1961 mit vier „Oscars“ bedacht wurde: Peter Usti­nov krönte man zum „Bes­ten männ­li­chen Neben­dar­stel­ler“, oben­drein gab es Gold­jun­gen für Aus­stat­tung Kamera und Kos­tüm­de­sign. In den Kate­go­rien „Beste Musik“ und „Bes­ter Schnitt“ wurde „Spar­ta­cus“ nomi­niert, konnte sich aber nicht durchsetzen.

Apro­pos Cut: Erst im Jahr 1991 wurde kor­ri­giert, was in den 60er Jah­ren noch dem Schnit­traum zum Opfer fiel: Im Zuge der Restau­rie­rung durch Robert A. Har­ris ver­voll­stän­digte man den Film wie­der mit den für seine Zeit zu pre­kä­ren Sze­nen; unter ande­rem jene homo­ero­ti­sche im Bade­haus, in wel­cher sich Lau­rence Oli­vier in sei­ner Rolle des Prä­tors Cras­sus am jun­gen Skla­ven Anto­ni­nus alias Tony Cur­tis erregt und seine Bise­xua­li­tät offen­bart: „Ich mag Aus­tern und Schne­cken.“ Das Pro­blem: Die Ton­spur war in der Zwi­schen­zeit unauf­find­bar gewor­den und so musste die Szene nach­syn­chro­ni­siert wer­den. Oli­vier war aller­dings zwei Jahre zuvor ver­stor­ben, wes­halb Anthony Hop­kins ver­pflich­tet wurde, die Zei­len Cras­sus‘ zu lesen. Tony Cur­tis gab ein­mal mehr sei­nen Anto­ni­nus und damit prä­sen­tiert sich Kubricks ein­zige Auf­trags­ar­beit sei­ner Kar­riere heute wie­der genau so, wie man es dem Regis­seur sei­ner­zei
t zuge­stan­den hat.

Ter­mi­na­tor 2 — Judg­ment Day

„I’ll Be Back!“ Keine leere Ver­spre­chung, wie sich 2003 her­aus­stellte. Zwölf Jahre nach dem „Judg­ment Day“ kehrt der „Ter­mi­na­tor“ in Gestalt von Arnold Schwar­ze­negger doch tat­säch­lich wie­der. James Came­ron, Regis­seur der ers­ten bei­den Teile, konnte sich für das Pro­jekt „Rebel­lion der Maschi­nen“ aller­dings nicht mehr begeis­tern: „Hasta la vista, Baby!“ Und es war genau die­ser flotte Spruch zur Ver­ab­schie­dung, wel­cher zwölf Jahre zuvor end­gül­tig für ein zwei­fa­ches „Hallo!“ auf der Hollywood-​​Bühne gesorgt hat. Denn die ers­ten bei­den „Terminator“-Filme begrün­de­ten nicht nur die Kar­riere von Regis­seur Came­ron, sie lie­ßen auch den Gen­re­dar­stel­ler Schwar­ze­negger, einen bis dato als hoh­len Mus­kel­berg belä­chel­ten Ex-​​Bodybuilding-​​Champion, in sei­ner recht wort­kar­gen Titel­rolle end­gül­tig zum Super­star der brei­ten Masse mutieren.

1984 gab der Öster­rei­cher zum ers­ten Mal den futu­ris­ti­schen Killer-​​Cyborg mit von mensch­li­chem Gewebe umhüll­ten Metallske­lett; von den Maschi­nen­herr­schern der Zukunft nackt wie man ihn schuf in die Gegen­wart zurück­ge­schickt. Seine Mis­sion: eine arg­lose Kell­ne­rin mit Namen Sarah Con­nor (Linda Hamil­ton) zu eli­mi­nie­ren. Die wird näm­lich in Bälde einen künf­ti­gen Wider­stands­kämp­fer gebä­ren — und das gilt es für die zukünf­ti­gen Regen­ten der Erde mit allen Mit­teln zu ver­hin­dern. Der Ter­mi­na­tor schei­tert, weil sein Ziel­ob­jekt uner­war­tete Unter­stüt­zung erhält: Kyle Reese (Michael Biehn) eilt Sarah aus der Nach­zeit zu Hilfe. Am Ende fällt der tap­fere Sol­dat zwar der alles ter­mi­nie­ren­den Tötungs­ma­schine zum Opfer, doch Sarah steht ihre Frau, bringt den Ter­mi­na­tor selbst zur Stre­cke und ihr von Kyle gezeug­tes Kind zur Welt.

Sie­ben Jahre spä­ter schlägt dann im Kino der „Jud­ge­ment Day“: Axel Rose und seine Gun­ners rocken auf dem Höhe­punkt ihrer Kar­riere mit „You Could Be Mine“ den Sound­track, und Came­ron insze­niert als „Terminator“-Sequel eine leichte Varia­tion des Ori­gi­nals; aber eben alles eine ganze Haus­num­mer grö­ßer und — was das Wesent­li­che ist — unter umge­kehr­ten Vor­zei­chen: mit Arnie als Sym­pa­thie­trä­ger näm­lich. Gleich zwei Ter­mi­na­to­ren aus dem Jahr 2029 suchen nun nach dem mitt­ler­weile 10-​​jährigen John Con­nor (Edward Fur­long), zukünf­ti­ger Revo­lu­ti­ons­füh­rer und Maschi­nen­be­zwin­ger. Doch die bei­den Män­ner aus Stahl haben gänz­lich kon­träre Absich­ten. Die letzte Hoff­nung der Mensch­heit ist eine gut­ar­tige Replik des all­seits bekann­ten Ter­mi­na­tors (Arnold Schwar­ze­negger), in die Gegen­wart gebeamt von John Con­nor selbst, um sein zehn­jäh­ri­ges Eben­bild vor der High-​​Tech-​​Killermaschiene T-​​1000 (Robert Patrick) zu beschüt­zen. Die­ser soll zu Ende brin­gen, was der T-​​800 nicht geschafft hat. Der junge John und sein neuer Kum­pane T-​​800 befreien Sarah (aber­mals gespielt von Linda Hamil­ton) aus der Ner­ven­heil­an­stalt und ent­kom­men im Laufe der 137 Minu­ten ein ums andere Mal nur knapp den Atta­cken des T-​​1000. Mit Hilfe des Com­pu­ter­fach­manns Dyson (Joe Mor­ton), jenem Mann, der die Welt­herr­schaft ergrei­fen­den Maschi­nen der Zukunft ent­wi­ckeln wird, wol­len sie den bevor­ste­hen­den ato­ma­ren Holo­caust ver­hin­dern. Es endet in einem Show­down, wie er heroi­scher und dra­ma­ti­scher nicht sein könnte, denn der Pro­to­typ des T-​​1000 ist Arnies Vor­gän­ger­mo­del in jeder Hin­sicht überlegen.

Auch wenn Came­rons Sequel aus dem Jahr 1991 inhalt­lich wie­derum nur wenig mehr als eine kom­pro­miss­lose Ver­fol­gungs­jagd auf­zu­bie­ten hat, kam sein „Ter­mi­na­tor 2″ daher wie ein visio­nä­rer Action-​​Kracher aus dem nächs­ten Jahr­tau­send, der dem Science-​​Fiction-​​Genre fol­ge­rich­tig einen ganz neuen Impuls ver­lie­hen hat: Indem der „Wag­ner der Stahl­opern“ das immense Bud­get — es war der erste Film über­haupt, der sich mehr als 100 Mil­lio­nen US-​​Dollar Pro­duk­ti­ons­kos­ten rüh­men konnte — her­vor­ra­gend in weg­wei­sende Spe­zi­al­ef­fekte inves­tierte, konnte er zu Beginn der 90er Maß­stäbe im Pop­corn­kino set­zen. Fünf gleich­zei­tig beschäf­tigte Spe­cial Effects-​​Firmen zau­ber­ten ein Spek­ta­kel auf die Lein­wand, wie es in die­ser Form bis­lang noch nicht gese­hen ward; allen voran die bei T-​​1000s Flüssigmetall-​​Effekten ange­wandte Tech­nik des Com­pu­ter­mor­phing. Das begeis­terte nicht nur das Publi­kum in aller Welt, son­dern auch die Aca­demy Of Motion Pic­ture Arts And Sci­en­ces und die wür­digte Came­rons Feu­er­werk der Effekte mit vier ein­schlä­gi­gen „Oscars“.

Als des­sen eigent­li­che Leis­tung darf jedoch das Para­doxum gel­ten, einen mar­tia­li­schen Science-​​Fiction-​​Actionreißer mit einer unmiss­ver­ständ­li­chen pazi­fis­ti­schen Bot­schaft gedreht zu haben. Per­fekt und extrem grad­li­nig insze­niert, birgt sein Film außer­dem ein gen­reun­ty­pi­sches Maß an Iro­nie, Gefühl und Schre­cken. Für letz­te­ren sor­gen Came­rons Pro­jekte auf eine gewisse Art und Weise eigent­lich immer: Sind sie doch vor allem auch berühmt-​​berüchtigt für ihre explo­die­ren­den Pro­duk­ti­ons­kos­ten. Die haben sich aller­dings in fast allen Fäl­len bezahlt gemacht: Seine Filme sind auch große kom­mer­zi­elle Erfolge, die im Busi­ness in vie­ler­lei Hin­sicht lange ihres­glei­chen suchen müs­sen und die inves­tier­ten Gel­der um ein Viel­fa­ches wie­der ein­spie­len. Da macht auch „Ter­mi­na­tor 2″ keine Aus­nahme; und Arnold Schwar­ze­neggers Schlacht ums Schick­sal der Erde zum spek­ta­ku­lärs­ten Fil­mer­eig­nis sei­ner Zeit.

Tita­nic

Bis zum heu­ti­gen Tage ist kein Film­pro­jekt in Sicht, das James Came­rons fabel­haf­ter „Tita­nic“ das eis­kalte Was­ser rei­chen könnte. Der Film über das jähe Ende der vier­tä­gi­gen Jung­fern­fahrt des eng­li­schen Luxus­li­ners machte ihn zwar nicht zum König der Welt, zum Hollywood-​​Krösus jedoch alle­mal. Gilt das Melo­dram doch bis heute als erfolg­reichs­ter Block­bus­ter aller Zei­ten, mit­samt sei­ner elf „Oscars“, inklu­sive jenem für den „Bes­ten Film“, die „Beste Regie“ sowie den „Bes­ten Film­song“, womit der seit 1959 beste­hende Rekord von „Ben Hur“ ein­ge­stellt war. Gigan­tisch gera­dezu mutet das welt­weite Ein­spiel­er­geb­nis von über 1,8 Mil­li­ar­den US-​​Dollar an, dem ver­gleichs­weise lächer­li­che 250 Mil­lio­nen an Pro­duk­ti­ons­kos­ten gegen­über­ste­hen. Allein in Deutsch­land lockte die Kreuz­fahrt auf den Grund des Mee­res mit Leo­nardo DiCa­prio und Kate Wins­let in den Haupt­rol­len 18 Mil­lio­nen Kinozuschauer.

Und Came­ron setzt viel auf das Wir­ken sei­ner bei­den Haupt­ak­teure, ver­setzt den mythisch besetz­ten Stoff vom Unter­gang des ver­meint­lich unsink­ba­ren Pas­sa­gier­schif­fes mit einer fik­ti­ven Lie­bes­ge­schichte zwi­schen Lebens­künst­ler und Upper-​​Class-​​Girl. Am 10. April 1912 legt die „Tita­nic“ im Hafen von Sout­hamp­ton ab. Ihre Jung­fern­fahrt hat das Ziel New York und schenkt man den Gerüch­ten Glau­ben, so sollte dies auch die letzte Reise ihres Kapi­täns Edward John Smith vor des­sen Pen­sio­nie­rung wer­den. Seine finale wurde es den­noch — wenn auch auf tra­gi­sche Weise. Zuvor kommt es inmit­ten der Wei­ten des Atlan­ti­schen Oze­ans an Bord des größ­ten und luxu­riö­ses­ten Pas­sa­gier­schiffs aller Zei­ten noch zur rühr­se­li­gen Begeg­nung des unglück­li­chen Aris­to­kra­ten­mäd­chens Rose DeWitt Buka­ter (Kate Wins­let) und des mit­tel­lo­sen Malers Jack Daw­son (Leo­nardo DiCa­prio). Doch die Liebe kennt bekannt­lich kein Stan­des­dün­kel; die 17-​​jährige Ame­ri­ka­ne­rin vom Ober­deck, wel­che so sehr unter den gestren­gen Regeln und Erwar­tun­gen der edwar­dia­ni­schen Gesell­schaft lei­det, und der frei­ge­sinnte Dritte-​​Klasse-​​Passagier knüp­fen zarte Bande. Gerade noch recht­zei­tig ent­facht Jack ihre ver­lo­ren gegan­gene Lust am Leben, indem er Rose Wege außer­halb des gol­de­nen Käfigs gesell­schaft­li­cher Kon­ven­tion aufzeigt.

Als die „Tita­nic“ in jener schick­sal­haf­ten April-​​Nacht gegen 23.40 Uhr einen rie­si­gen Eis­berg rammt, bricht an Bord Panik aus. Der auf­ge­schlitzte Luxus­li­ner füllt sich rasend schnell mit Was­ser und beginnt im Nord­at­lan­tik zu ver­sin­ken. Inner­halb von nur zwei Stun­den und 40 Minu­ten ist alles vor­bei. Nahezu in Real­zeit beglei­tet Came­ron die „Tita­nic“ auf ihren letz­ten Minu­ten nach der Kol­li­sion und zur glei­chen Zeit eska­liert auch die sich zuspit­zende Drei­ecks­ge­schichte zwi­schen Rose, Jack und deren eben­falls an Bord befind­li­chen Ver­lob­ten Cal Hock­ley (Billy Zane). Wäh­rend mehr als 2.000 Men­schen in Todes­angst Platz in einem der weni­gen Ret­tungs­boote suchen und das Schiff sich immer mehr auf­bäumt, um schließ­lich in zwei Teile zu zer­bers­ten und unter­zu­ge­hen, fech­ten Jack und der arro­gante Hock­ley ein nicht weni­ger dra­ma­ti­sches Duell um Rose und das nackte Über­le­ben aus. Bei Umge­bungs­tem­pe­ra­tu­ren von nur zwei Grad Cel­sius hat­ten jene Pas­sa­giere, die sich nicht in einem der ret­ten­den Boote wäh­nen konn­ten, nahezu keine Über­le­bens­chance: 1.504 der 2.208 an Bord befind­li­chen Per­so­nen star­ben und der Unter­gang des Oze­an­damp­fers, der bis zum heu­ti­gen Tag in über 3.800 Metern Tiefe ruht und ros­tet, ging als eine der gro­ßen Kata­stro­phen der See­fahrt in die Geschichts­bü­cher ein.

Schon kurz nach Film­be­ginn fin­det sich der Zuschauer in eben jenen Tie­fen wie­der, wo atem­be­rau­bende Auf­nah­men vom Wrack des einst­mals so majes­tä­ti­schen Schif­fes für die stan­des­ge­mäße Ein­stim­mung sor­gen. In den Über­res­ten suchen For­scher nach dem „Herz des Oze­ans“, einem sagen­um­wo­be­nen, ver­schol­le­nen Diamanten-​​Kollier, wel­ches beim Unter­gang an Bord gewe­sen sein soll; för­dern aber statt­des­sen die Geschichte der mitt­ler­weile über 100 Jahre alten Rose DeWitt Buka­ter (Glo­ria Stuart) zutage, die das Unglück über­lebt hat. Die abs­trak­ten Koor­di­na­ten der Kata­stro­phe erhal­ten somit von Anbe­ginn mensch­li­ches Ant­litz. Auch wenn Came­ron den Unter­gang des welt­be­rühm­ten Schif­fes für eine Spiel­film­pro­duk­tion sehr detail­ge­treu wie­der­gibt, tri­um­phiert in sei­nem Meis­ter­werk zu jeder Zeit Emo­tion über Effekt. Trotz die­ser bei­nahe schon mani­schen Fixie­rung auf eine mög­lichst ori­gi­nal­ge­treue Rekon­struk­tion, ent­stand im Ergeb­nis weit mehr als eine Mischung aus Liebes-​​, Kos­tüm– und Kata­stro­phen­film. Denn gerade die Love­story glückt ihm trotz Céline Dion und dem Titel­song „My Heart Will Go On“ erfreu­lich kli­schee­frei. Came­ron ver­mengt hand­werk­li­che Per­fek­tion und tech­no­lo­gi­sche Inno­va­tion mit einer dra­ma­tur­gisch auf­wän­dig erar­bei­te­ten Story, die durch­aus auch als ein fil­mi­sches Mahn­mal für mensch­li­ches Ver­sa­gen und die Fehl­bar­keit des tech­no­lo­gi­schen Fort­schritts ste­hen darf. Die Details stim­mig, die Illu­sion per­fekt, der Kampf ums Lie­ben und Leben packen­der und span­nen­der als alles andere, was 1997 pro­du­ziert wurde. Die „Tita­nic“ sinkt ein wei­te­res Mal — ein Film­klas­si­ker ist gehoben.