Man­che Geschich­ten haben sich so gut ver­kauft, dass es loh­nens­wert scheint, sie ein zwei­tes Mal zu erzäh­len. „Män­ner allein im Wald“ — schon der Titel des ers­ten „7 Zwerge“-Aben­teu­ers im Nach­hin­ein eine ein­zige Farce, denn knapp sie­ben Mil­lio­nen Kino­gän­ger wollten’s sehen. Klar, dass der Forst in die­sem Falle noch lange nicht genug sein kann.

Und nahe dem finstren Unter­waldt lebt nach wie vor der Repu­blik berühm­teste Herren-​​WG: Bubi (Otto Waal­kes) samt sei­ner Gefähr­ten Cloudy (Boris Alji­no­vic), Tsch­akko (Mirco Nont­schew), Sunny (Ralf Schmitz), Speedy (Mar­tin Schnei­der) und Ral­fie (Nor­bert Heis­ter­kamp). Auch Zwerg Cooki ist noch dabei, nur dass der im wah­ren Leben nicht mehr Mar­kus Majow­ski heißt, son­dern Brille tra­gend von Gus­tav Peter Wöh­ler ver­kör­pert wird.

Und die Gescheh­nisse knüp­fen dort an, wo es vor 24 Mona­ten ein Ende fin­den durfte — in humo­ris­ti­scher wie inhalt­li­cher Sicht: Die eitle Köni­gin (Nina Hagen) ist gestürzt und muss im Knus­per­haus Ver­ges­sen suchen. Denn im Schloss thro­nen heuer König Brum­boss (Heinz Hoenig), Schnee­witt­chen (Cosma Shiva Hagen) und Sohn; das Ein­zige, was der untreue Hof­narr (Atze Schrö­der) ihr hin­ter­las­sen hat. Und der kleine Prinz ist in Pein und Not, weil Haus– und Hof­bück­ling Spliss (Hans Wer­ner Olm) ganz wesens­ge­mäß sei­nen Cha­rak­ter nicht schnell genug zu fas­sen bekam: Am ers­ten Jah­res­tag wird’s Rum­pel­stilz­chen (Axel Neu­mann) ihn sich holen — es sei denn jemand stoppt das Böse, das jeder kennt und des­sen Namen den­noch nie­mand nennt.

Sven Unter­waldts kalau­ern­der Zipfelmützen-​​Ulk mopst fröh­lich bei sei­ner Nibelungen-​​Interpretation „Sieg­fried“ und das ist nicht nur an den zahl­lo­sen (Comedian-)Übereinstimmungen der Credits fest­zu­ma­chen. Auch wenn Axel Neu­mann mit sei­ner Alberich-​​Neuauflage als Rum­pel­stilz­chen zuge­ge­ben wie­der einen fei­nen Part spielt, an der Scherz­schlag­fre­quenz ändert er erst recht nichts — die bleibt kon­stant auf kurz vor Exitus. Kost­probe gefällig?

Fol­gen­der Dia­log zwi­schen Bubi und Pinoc­chio ist über­lie­fert, der dem Zwergen-​​Depp von sei­ner Wur­zel­be­hand­lung erzählt, derent­we­gen ihm der Holz-​​Nasen-​​Ohren-​​Arzt strenge Brett­ruhe ver­ord­net hat. Ob eine Kur in Bad Säge­werk hel­fen würde? Man weiß es nicht; ebenso wenig, warum sich ein Künst­ler wie Gus­tav Peter Wöh­ler die Zip­fel­mütze über­stül­pen lässt. Und im Grunde will man’s eigent­lich auch bes­ser gar nicht wis­sen. Zumal besagte Szene noch zu den erhei­ternds­ten der gesam­ten 95 Minu­ten zählt.

Damit beschränkt sich der Unter­hal­tungs­wert auf die all­wäh­rend vor­bei­sch­len­dern­den Gast­stars und Cameos, deren Namen ebenso jeder Zuschauer kennt, aber kein Medi­en­mensch nen­nen darf: „Eine Bitte an die Kol­le­gen von der Presse: Ver­ra­ten Sie Ihren Lesern, Hörern und Zuschau­ern nicht, wel­che Welt die Zwerge durch den Spie­gel betre­ten. Auch die Cameos der Gast­stars sol­len ein Geheim­nis blei­ben, um die Kino­zu­schauer zu über­ra­schen.“ So soll es sein, liebe Promotion-​​Agentur — aber was schrei­ben wir denn dann nur zu die­sem Film?!

Ver­trackte Sache, das; zumal sich der Medi­en­mensch als sol­cher nur ungerne bevor­mun­den lässt. Der Zuschauer hat’s da schon ver­gleichs­weise leicht: Wer’s doch nicht ganz abwar­ten kann, der stu­diere schon zu Beginn etwas ein­ge­hen­der die Mär­chen­karte auf der Lein­wand, wo neben dem dich­ten Unter­waldt die Pocher fließt; Land­stri­che solch klang­volle Namen tra­gen wie Schwimm­barth; der Eilert-​​Pfad an der Sankt Helge Kapelle vor­bei­führt und unweit von den Axel­stei­nen und dem Ollen Dittrich der mäch­tige Lin­den­berg empor­ragt, des­sen Aus­läu­fer bis hin­un­ter nach Olms Klamm reichen.

Eine mach­bare Trans­fer­leis­tung, sollte man mei­nen — auch für „Zwergen“-Gucker. Rich­tig anstren­gend und teils schon ziem­lich bit­ter wird’s aber, weil man kon­se­quent daran fest­hält, jedes ver­meint­li­che Spä­ß­ken eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sie­ben Mal durch­zu­ex­er­zie­ren. Na klar, ein jeder Zwerg darf ran, schließ­lich ist’s ein Ensemble-​​Film. Die Erfah­rung lehrt, dass ein schlech­ter Scherz dabei noch in den sel­tens­ten Fäl­len an Güte zuge­legt hat.

Aber all das mediale zau­dern über etwaige Volks­ver­dum­mung ist auch beim Sequel ver­ge­bene Lie­bes­müh. Der Wald war schon nicht genug und die Zwerge wer­den bei ihrem Hamburg-​​Ausflug nicht inne­hal­ten (huch, durf­ten wir ja eigent­lich auch nicht ver­ra­ten, ver­zeiht). Ihr habt es alle so gewollt. „Jedes Land bekommt halt die Filme, die es ver­dient.“ Sagt Det­lev Buck. Ihr seid Deutsch­land. Glück­wunsch und Holarähidi.