Im Zwei­fels­falle für die Ange­klagte. War sie’s nun oder war sie’s nicht? Sharon Stone und Michael Dou­glas sorg­ten vor 14 Jah­ren mit ihren für dama­lige Ver­hält­nisse äußerst frei­zü­gi­gen Sze­nen im ero­ti­schen Ver­wirr­spiel „Basic Instinct“ noch für ganz andere Dis­kus­sio­nen. Wohl sel­ten wurde einem Bein­schlag der­art viel Auf­merk­sam­keit zuteil. Heuer ist auch schön­heits­chir­ur­gisch so man­ches mehr mach­bar. Sharon Stone weiß offen­bar ganz gut was geht und so heißt es nun auch auf DVD „Neues Spiel für Cathe­rine Tra­mell“ (High­light Video.

Das wäre doch end­lich mal ein Thema für „Der 7. Sinn“: Die Gefah­ren der Pene­tra­tion hin­term Steuer — um ande­ren Men­schen Unfälle wie den fol­gen­den zu erspa­ren. Die attrak­tive Krimi-​​Bestsellerautorin (Stone) kommt mit ihrem Sport­flit­zer von der Straße ab, ihr pro­mi­nen­ter Lover auf dem Bei­fah­rer­sitz steigt nicht mehr aus. Hätte sie seine Fin­ger doch dort gelas­sen, wo sie waren, statt sie tief und tie­fer zwi­schen ihren Bei­nen ver­schwin­den zu lassen.

Denn im Gefühls­aus­bruch der Über­wonne kann man dann schon mal eine Kurve über­se­hen. Für die Poli­zei las­sen sich die Vor­komm­nisse nur unscharf rekon­stru­ie­ren und daher wird Kri­mi­nal­psy­cho­loge Dr. Michael Glass (David Mor­ris­sey) von Scot­land Yard-​​Inspektor Roy Wash­burn (David Thew­lis) beauf­tragt, ein psych­ia­tri­sches Gut­ach­ten zu erstellen.

Neues Spiel, alter Plot und eine über­trump­fende Sharon Stone

Trotz des Rates sei­ner Men­to­rin, Dr. Milena Gar­d­osh (Char­lotte Ramp­ling), ver­strickt sich der kör­per­lich wie intel­lek­tu­ell von Tra­mell ange­zo­gene Glass immer stär­ker in deren Netz aus Lügen und Ver­füh­rung. Das Ver­hält­nis zwi­schen Arzt und Pati­en­tin wird ad absur­dum geführt: Tra­mell setzt ganz klare kör­per­li­che Prio­ri­tä­ten, Glass ver­liert Schritt für Schritt seine Objek­ti­vi­tät und immer mehr Betei­ligte ihr Leben.

Sexua­li­tät und Gewalt — in sei­nen Grund­zü­gen hat sich am Hand­lungs­ab­lauf also nicht son­der­lich viel geän­dert. Muss es aber auch nicht. Über­trump­fen lässt sich ein moder­ner Klas­si­ker wie Paul Ver­hoevens Ero­tik­thril­ler ohne­hin nicht. Und so prä­sen­tiert sich mit „Neues Spiel für Cathe­rine Tra­mell“ ein eigen­stän­di­ger Nach­fol­ger, der auch ohne den Kon­text des ers­ten Teils durch­aus denk­bar wäre. Aber könnte man heute mit dem Film von einst noch pro­vo­zie­ren? Eher nein. Was 1992 noch Skan­dal war, ist längst Stan­dard gewor­den; und um die­sem Anspruch noch gerecht zu wer­den, müss­ten ganz neue Gren­zen des ero­ti­schen Films aus­ge­lo­tet wer­den. Regis­seur Michael Caton-​​Jones tut dies nicht.

Mal abge­se­hen vom puri­ta­ni­schen Ame­rika dürfte selbst an die­sen neuen Frei­zü­gig­kei­ten wohl nie­mand mehr etwas wirk­lich Anstö­ßi­ges fin­den. Ob es in die­sem Zusam­men­hang von Bedeu­tung ist, dass die lüs­ter­nen Gescheh­nisse ins libe­ra­lere Lon­don ver­legt wur­den? Jeden­falls sind auch die Rol­len mit einer Aus­nahme von Euro­pä­ern besetzt.

Und diese eine macht den Unter­schied zwi­schen mäßi­ger Fort­set­zung und ech­tem Hin­gu­cker: Sharon Stone als Femme Fatale! Sie sieht trotz 48 Lebens­len­zen so unver­braucht und kna­ckig aus, dass es schier nicht zu glau­ben ist. Dazu noch makel­los foto­gra­fiert stürzt sie sich mit gera­dezu spür­ba­rer Lei­den­schaft auf und in die Rolle ihres Lebens. Nach 114 p(r)ickelnden Minu­ten heißt es aber­mals im Zwei­fels­falle für die Ange­klagte. Und in jedem Fall für die­sen Film.