21. Oktober 2006
Basic Instinct 2 – Neues Spiel für Catherine Tramell
Im Zweifelsfalle für die Angeklagte. War sie’s nun oder war sie’s nicht? Sharon Stone und Michael Douglas sorgten vor 14 Jahren mit ihren für damalige Verhältnisse äußerst freizügigen Szenen im erotischen Verwirrspiel „Basic Instinct“ noch für ganz andere Diskussionen. Wohl selten wurde einem Beinschlag derart viel Aufmerksamkeit zuteil. Heuer ist auch schönheitschirurgisch so manches mehr machbar. Sharon Stone weiß offenbar ganz gut was geht und so heißt es nun auch auf DVD „Neues Spiel für Catherine Tramell“ (Highlight Video.
Das wäre doch endlich mal ein Thema für „Der 7. Sinn“: Die Gefahren der Penetration hinterm Steuer – um anderen Menschen Unfälle wie den folgenden zu ersparen. Die attraktive Krimi-Bestsellerautorin (Stone) kommt mit ihrem Sportflitzer von der Straße ab, ihr prominenter Lover auf dem Beifahrersitz steigt nicht mehr aus. Hätte sie seine Finger doch dort gelassen, wo sie waren, statt sie tief und tiefer zwischen ihren Beinen verschwinden zu lassen.
Denn im Gefühlsausbruch der Überwonne kann man dann schon mal eine Kurve übersehen. Für die Polizei lassen sich die Vorkommnisse nur unscharf rekonstruieren und daher wird Kriminalpsychologe Dr. Michael Glass (David Morrissey) von Scotland Yard-Inspektor Roy Washburn (David Thewlis) beauftragt, ein psychiatrisches Gutachten zu erstellen.
Neues Spiel, alter Plot und eine übertrumpfende Sharon Stone
Trotz des Rates seiner Mentorin, Dr. Milena Gardosh (Charlotte Rampling), verstrickt sich der körperlich wie intellektuell von Tramell angezogene Glass immer stärker in deren Netz aus Lügen und Verführung. Das Verhältnis zwischen Arzt und Patientin wird ad absurdum geführt: Tramell setzt ganz klare körperliche Prioritäten, Glass verliert Schritt für Schritt seine Objektivität und immer mehr Beteiligte ihr Leben.
Sexualität und Gewalt – in seinen Grundzügen hat sich am Handlungsablauf also nicht sonderlich viel geändert. Muss es aber auch nicht. Übertrumpfen lässt sich ein moderner Klassiker wie Paul Verhoevens Erotikthriller ohnehin nicht. Und so präsentiert sich mit „Neues Spiel für Catherine Tramell“ ein eigenständiger Nachfolger, der auch ohne den Kontext des ersten Teils durchaus denkbar wäre. Aber könnte man heute mit dem Film von einst noch provozieren? Eher nein. Was 1992 noch Skandal war, ist längst Standard geworden; und um diesem Anspruch noch gerecht zu werden, müssten ganz neue Grenzen des erotischen Films ausgelotet werden. Regisseur Michael Caton-Jones tut dies nicht.
Mal abgesehen vom puritanischen Amerika dürfte selbst an diesen neuen Freizügigkeiten wohl niemand mehr etwas wirklich Anstößiges finden. Ob es in diesem Zusammenhang von Bedeutung ist, dass die lüsternen Geschehnisse ins liberalere London verlegt wurden? Jedenfalls sind auch die Rollen mit einer Ausnahme von Europäern besetzt.
Und diese eine macht den Unterschied zwischen mäßiger Fortsetzung und echtem Hingucker: Sharon Stone als Femme Fatale! Sie sieht trotz 48 Lebenslenzen so unverbraucht und knackig aus, dass es schier nicht zu glauben ist. Dazu noch makellos fotografiert stürzt sie sich mit geradezu spürbarer Leidenschaft auf und in die Rolle ihres Lebens. Nach 114 p(r)ickelnden Minuten heißt es abermals im Zweifelsfalle für die Angeklagte. Und in jedem Fall für diesen Film.
