„Ihr habt alle gefickt!“ Huch, harte Worte. Aber elf Jahre her. Heute wis­sen wir: Jede Wahr­heit braucht einen Muti­gen, der sie aus­spricht. Und die Zei­ten sind noch muti­ger gewor­den: „Die Sata­nis­ten vögeln Hüh­ner, die Juden vögeln ohne Vor­haut, die Luden vögeln ohne zu bezah­len, und die Katho­len wer­den schwan­ger ohne zu vögeln.“ Wenn jemand solch pre­kä­res Gedan­ken­gut kund­tut und von den bun­des­deut­schen Moral­wäch­tern unge­sühnt bleibt, was ist es dann? Es ist immer noch ein Arsch­loch, was sonst? Manch­mal keh­ren sie eben wie­der. Kaum der Mut­ter Kanal ent­schlüpft, heißt es auch schon „Ster­ben ist scheiße“. Das ver­rät uns der Unter­ti­tel. Das und noch ein klei­nes biss­chen mehr.

Aber von vorn: Der Opa ist tot. Na, jeden­falls ist er nicht mehr da. Frau Möven­pick ebenso, doch die ist rich­tig tot und des­halb wird der Peppi — immer noch ohne Stamm­baum und sehr zu des­sen Leid­we­sen — vom Leih– zum Adop­tiv­hund. Der Opa fährt der­weil buch­stäb­lich zur Hölle und die ist bei genaue­rer Betrach­tung gar nicht mal so übel.

Kühle Drinks, ange­nehme 24 Grad Umge­bungs­tem­pe­ra­tur, Dampf­sau­nen, nym­pho­ma­ni­schen Kran­ken­schwes­tern und Por­no­ka­nal sor­gen dafür, dass beim alten Sack (gespro­chen von Helge Schnei­der) keine Lan­ge­weile auf­kommt. Solange sich sein Senio­ren­stift wie­der regt, ist es für den noto­risch nöli­gen Stin­ker völ­lig in Ord­nung, tot zu sein. Schließ­lich ist Satan auch noch sein bes­ter Freund. Was Wun­der, sieht der doch sei­nem E(n)kel zum Ver­wech­seln ähnlich.

Ober­ir­disch arbei­tet der Her­zens­gute in Per­son des klei­nen Arsch­lochs (Ilona Chris­tina Schulz) der­weil fie­ber­haft daran, Opa aus den Fän­gen des Leib­haf­ti­gen zu befreien; gele­gent­li­che Stö­run­gen der Roset­ten­künst­ler (Dirk Bach und Ralph Mor­gen­stern), die in die Woh­nung der dahin­ge­schie­de­nen Frau Möven­pick zie­hen möch­ten, inbe­grif­fen. Klon-​​Experimente, Tier­ver­su­che, schwarze Mes­sen — das kleine Arsch­loch lässt nichts unver­sucht, um den alten Sack wie­der ins Leben zu rufen.

Wal­ter Moers‘ respekt­los fle­gel­hafte Comic-​​Kreation pfiff schon 1996 in sei­nem ers­ten Kino­film mit gro­ßem Erfolg auf poli­ti­sche wie andere Kor­rekt­hei­ten. Die Inkar­na­tion des nim­mer­gu­tem Ben­gels, ein intel­lek­tu­el­les, bebrill­tes Etwas, das man als väter­li­cher Erzeu­ger wohl am liebs­ten mit Vehe­menz dahin zurück­schie­ben möchte, wo es her­ge­kom­men ist. Oben­drein noch sex­süch­tig, sar­kas­tisch, zynisch, bös­ar­tig und für den außer­fa­mi­liä­ren Betrach­ter tod­ko­misch. Apro­pos ster­ben: Das Leit­mo­tiv der Fort­set­zung ist so ziem­lich das ein­zige, was der Film von Michael Schaack kon­se­quent über die 79 Minu­ten durch­hält. Aber der hat uns ja vor zwei Jah­ren schon mit „Derrick — Die Pflicht ruft!“ mehr gelang­weilt als unterhalten.

Obgleich auch die wage­mu­tige Idee durch­ge­zo­gen wird, von Anbe­ginn zwei com­pu­ter­ani­mierte 3D-​​Flugenten mit Flug­angst (Bade­salz aka Henni Nachts­heim und Gerd Kne­bel) ganz skrat­like als Run­ning Gag in einen ansons­ten zwei­di­men­sio­na­len Zei­chen­trick ein­zu­bauen. Wit­zig sind sie ab und an, läs­tig noch öfter („Mud­der, nerv ned“) und wir­ken schon nach der ers­ten Sequenz ob ihrer schil­lern­den CGI-​​Pracht wie zwei totale Fremd­kör­per im spar­ta­ni­schen Zei­chen­stil des Wal­ter Moers. Aber gut, wenn die Ani­ma­teure schon mal so drol­lige Kum­pane hoch­ge­zo­gen haben, dann müs­sen die auch irgend­wie (aus-)geschlachtet wer­den. Ein Vor­film wäre wohl die bes­sere Wahl gewesen.

Über­haupt passt in die­sem Sequel nicht viel zusam­men; es sind alle­samt in sich teils ganz gelun­gene Ver­satz­stü­cke und auch das ist ja irgend­wie schon wie­der kon­se­quent. Aber sicher nicht „Fre­cher, der­ber, bes­ser“ wie uns die Pro­mo­tion mal wie­der Glau­ben machen will. Klar ist das Gesche­hen zutiefst tabu-​​, scham-​​, wie geschmack­los, homo­phob oben­drein, ekel­haft und blas­phe­misch auf fast jede erdenk­li­che Art; und das teils auch rich­tig gut — aber eben nicht stim­mig genug. Und daher muss man das PR-​​Dreigespann ganz klar mit „nein, nein und das schon gar nicht“ kontern.

Da wer­den (aus­ge­rech­net!) Cha­rak­tere wie das schwule Nach­bar­spär­chen ein-​​, aber nicht mehr aus­ge­führt; die Musik war auch schon mal sün­di­ger; die Poin­ten tref­fen­der; der Leer­lauf sel­te­ner; und das abrupte Ende macht die Sache dann auch in die­ser Hin­sicht schon fast wie­der rund. Nein, man­che Erfolgs­ge­schich­ten sollte man eben bes­ser in Frie­den im Video-​​Regal ruhen las­sen, statt ihnen mit der­lei halb­le­bi­gen Kino-​​Auferstehungen den heil’gen Glanz von einst zu steh­len. Brö­sels „Wer­ner“ kann ein Lied von pfei­fen, aber ein bein­har­tes mit inzwi­schen drei (Kata-)Strophen.

Oh geh fott und hau wech den Scheiß! Immer und immer wie­der der Rück­griff auf Alt­be­währ­tes. Warum lässt man nicht ein­mal ein ande­res Schand­maul von Wal­ter Moers die Lein­wand, nun, erobern? Adolf, die alte Nazi­sau zum Bei­spiel: „Äch habe mät mei­nem jöngs­ten Boch ‚Der Bon­ker‘ nächt nor zom drät­ten Male bit­ter­bö­sen Humorrr bewie­sen, son­därn mäch mät mei­nem Musik­clip ärst­ma­lig auch erfolg­reich förs Bewägt­bild bewor­ben. Ond das Leit­mo­täv hätte för meine Tra­gik­ko­mö­diä än drei Akten auch nächt mähr geän­dert wär­den müs­sen. Aber, nein Blondi, nein, wir kom­men noch äns Kino — nein, wir kapi­to­lie­ren noch lange nächt!“

So heißt es aber vor­erst statt „Chur­chill, do schwanz­lot­schen­der Schwei­ne­hond! Do drä­ckige Sau!“ wie­der­mal „Heil Sata­nas Abra­xas!“ Was der „Föh­rer“ noch wusste… Jetzt wis­sens wir’s also auch: Ster­ben ist scheiße. Und manch Fort­set­zung gemes­sen an ihrem Ori­gi­nal ebenso — ’nen Jesus-​​Chip drauf und Mahl­zeit! Im Falle von „Das kleine Arsch­loch und der alte Sack“ braucht man so mutig gar nicht zu sein, um diese Wahr­heit auszusprechen.