Otto WaalkesEss­lin­gen — Es war ein­mal und ist schon wie­der. Weil sie nicht gestor­ben ist, kommt der Repu­blik berühm­teste Herren-​​WG aus dem finstren Unter­waldt zurück in die Kinos: mit der Zip­fel­mütze auf dem Haupt und der Zwergen-​​Mär zwei­ter Teil im Hand­ge­päck. Patrick Wurs­ter traf Dreh­buch­au­tor, Pro­du­zent und Ensemble-​​Mitglied Otto „Bubi“ Waal­kes vor Film­start von „7 Zwerge — Der Wald ist nicht genug“ auf Zwi­schen­stopp in Ess­lin­gen. Ein nicht immer ganz erns­tes Gespräch über gute Filme, schlechte Filme, Lin­den­bergs Lei­den­schaf­ten und den ein­sa­men ach­ten Inselzwerg.

???: „Män­ner allein im Wald“ — schon der Titel eine Farce, denn knapp sie­ben Mil­lio­nen Kino­gän­ger wollten’s sehen, oben­drein die best­ver­kaufte DVD aller Zei­ten. War der erste Film am Ende sogar so schlecht, dass er viel­leicht schon wie­der rich­tig gut ist?
Otto Waal­kes: In einer Demo­kra­tie gibt es große Par­teien und weni­ger große Rand­grup­pen. Uns geht es da wie jedem Mas­sen­pro­dukt. „7 Zwerge“ ist sicher­lich ein Kon­zept, das nicht jedem zusagt — eini­gen gefällt’s und eini­gen eben nicht. Und das ist auch ganz gut so.

???: „Zwergen“-Aufstand selbst im Aus­land — wie erklärst du dir den grenz­über­schrei­ten­den Erfolg eines Films, der doch vor­nehm­lich von sei­nen nur hier­zu­lande bekann­ten Gesich­tern lebt?
Waal­kes: Ich bin da zuge­ge­ben selbst ein biss­chen über­rascht. Aber es sind eben nicht nur die Gesich­ter. Die Mär­chen­ebene funk­tio­niert län­der­über­grei­fend. Gott sei Dank, denn sol­che Filme kos­ten viel Geld, das muss erst mal refi­nan­ziert wer­den. Da braucht es drei oder vier Mil­lio­nen Zuschauer, um über­haupt auf Null zu kom­men und Deutsch­land ist ja nicht welt­weit — so viel Geld wird hier nicht verdient.

???: Geben ist ja bekannt­lich auch seli­ger denn… apro­pos: Deine Zwerge scheuen sich nicht, auch mal einen zoti­gen Polen-​​Gag zu rei­ßen. Darf man eigent­lich alles und jeden durch den Kakao zie­hen oder gibt es für dich auch Tabus?
Waal­kes: Also gegen eine gepflegte Saue­rei hab ich nie etwas ein­zu­wen­den. Und über­haupt — heute gibt es doch kaum noch Tabus. Man müsste sich schon selbst wel­che her­stel­len, um sie bre­chen zu kön­nen. Roberto Benig­nis „Das Leben ist schön“ zum Bei­spiel, das ist KZ-​​Humor — aber ein wun­der­ba­rer Film.

7 Zwerge???: Was bevor­zugst du ansons­ten pri­vat in Sachen Filme?
Waal­kes: Mein Lieb­lings­film ist „Tote tra­gen keine Karos“. Oder „Drei Ami­gos“. Steve Mar­tin — toll! Wen ich auch sehr mag ist Peter Bog­da­no­vich: „Last Pic­ture Show“, „Paper­moon“, das is so meine Rich­tung. Aber auch mal ganz gerne „Mrs. Doubt­fire“ oder „Liar Liar“.

???: Udo Lin­den­berg, der einen Cameo in dei­nem neuen Film hat, ist auch ein Film­freak. Bist du manch­mal in sei­nem Pri­vat­kino im Ham­bur­ger Hotel „Atlan­tik“?
Waal­kes: Warst du mal da? Der dreht das Ding auf — da flippst du aus! Dir fal­len die Ohren weg! Der is ja schwer­hö­rig der Typ. Aber ich habe mit dem Udo frü­her mal zusam­men­ge­wohnt, da hatte der ein Was­ser­bett. Dann ist er mit Ziga­rette im Mund ein­ge­schla­fen. Und das Ding ist explodiert…

???: Wie schwie­rig ist das für jeman­den wie dich eigent­lich in einer gewöhn­li­chen All­tags­si­tua­tio­nen? Dich nimmt doch kei­ner mehr ernst, oder?
Waal­kes: Ja, das ist schon rich­tig. Wenn ich zum Bei­spiel in Not bin und sage: „Ver­zei­hung bitte, ich hab mich ver­fah­ren. Kön­nen Sie mir sagen wie ich zur Poli­zei komme?“ dann heißt es nur: „Oddooo, kann ich’n Auto­gramm haben?“ Oder: „Kuck mal, der Otto ist trau­rig — wie lus­tig!“ Es gab da mal so ‚ne Geschichte aufm Fried­hof. Da war ich am Grab mei­nes Vaters und dann kom­men ein paar Kin­der — Auto­gramme geben, Fotos machen. Holarä­h­idi! Kannst ja nicht sagen „Tschul­di­gung Kin­ners, ich trauere hier gerade, geht mal weg.“ Aber ich kann da ganz gut mit umgehen.

???: Siehst du eigent­lich einen Unter­schied zwi­schen den Komi­kern von frü­her und den Come­di­ans von heute?
Waal­kes: Das ist nur eine andere Bezeich­nung. Diese Leute hat es immer schon gege­ben, nur dass die frü­her nie die Mög­lich­keit hat­ten, sich so aus­gie­big zu ent­fal­ten. Das hat sich auf­grund der vie­len Fern­seh­sen­der dras­tisch geän­dert. Come­di­ans kön­nen sich ganz anders und viel öfter prä­sen­tie­ren und so lernt man sie ken­nen. Nur mal zum Ver­gleich: Ich habe frü­her mit zwei Sen­dern eine „Otto“-Show pro Jahr gemacht.

???: Wie ist das eigent­lich für dich als ori­gi­nä­rer Büh­nen­künst­ler, wenn du ohne Publi­kum vor einer Kamera stehst?
Waal­kes: Das ist genau das Pro­blem beim Fil­me­ma­chen. Hel­fen kön­nen da nur Erfah­rungs­werte, wenn du ein Dreh­buch schreibst wie ich bei „7 Zwerge“. Auf­grund dei­ner Büh­nen­er­fah­rung weißt du, wie und ob die­ser oder jener Scherz ankom­men könnte. Denn vor der Kamera kannst du ohne­hin keine Dra­ma­tur­gie mehr ent­wi­ckeln. Da sitzt du dann zehn Stun­den rum und davon wer­den am Ende viel­leicht 90 Sekun­den genom­men; und das Tag für Tag, so’n Dreh dau­ert 60 Tage um 90 Minu­ten zu krie­gen. Das läuft dann so: „Toktoktok — Herr Waal­kes bitte“! „Holarä­h­idi!“ „Danke. Umbau­pause, eine Stunde.“ Da wirst du ver­rückt! Und aus die­sen gan­zen Puz­zle­teil­chen setzt du dann nach­her die­ses Gesamt­kunst­werk zusam­men, machst ein paar Scree­nings zwi­schen­durch, weißt aber letz­ten Endes doch erst bei der Pre­miere wie’s ankommt. Ganz, ganz schwierig.

Otto Waalkes???: Ist es von die­ser Seite betrach­tet auch mal eine will­kom­mene Abwechs­lung nicht mit dem Otto-​​Gesicht über die Lein­wand lau­fen zu müs­sen und kom­plett in eine fremde Haut zu schlüp­fen, wie zum Bei­spiel in „Ice Age“?
Waal­kes: Nun, es ist auf alle Fälle eine große Her­aus­for­de­rung, einem Cha­rak­ter mit dei­ner Stimme etwas mit­zu­ge­ben. Dann kom­men hin­ter­her die Kin­der und sagen: „Komm Otto, mach mal Sid!“ Und dann mach ich eben: „Hallo wo seid ihr alle? Manni? Wer aus­stirbt sollte nicht so wäh­le­risch sein.“ Syn­chron­spre­chen ist nicht ein­fach. Beim Ori­gi­nal wird erst der Text auf­ge­nom­men und dann model­lie­ren sie die Figu­ren drum­rum. Aber wir müs­sen uns umge­kehrt lip­pen­syn­chron auf eine bereits beste­hende Bewe­gung einstellen.

???: Bei Fil­men wie „Ice Age 2″ oder auch dem „7 Zwerge“-Sequel kannst du einem Kino­start ganz ent­spannt ent­ge­gen­schauen. Das war bei dei­nem ers­ten „Otto“-Film noch ganz anders…
Waal­kes: …ging aber bekann­ter­ma­ßen alles gut und bes­ser. Plötz­lich bist du noch berühm­ter als vor­her. Du siehst dich zum ers­ten Mal ganz groß auf der Lein­wand, die Leute ste­hen Schlange für dei­nen Film, du wirst auf der Straße ange­spro­chen und genießt die Popu­la­ri­tät — das ist unheim­lich schön!

???: Didi Hal­ler­vor­den hat sich eine Insel gekauft, weil er keine Lust mehr auf die Leute hat. Das könn­test du dir doch sicher auch leis­ten…?
Waal­kes: Ja schon — aber was soll ich auf ‚ner Insel mit Die­ter Hal­ler­vor­den?! Na das fehlt mir noch! Und vor allem: Was würde meine Frau dazu sagen…? Nein, ich will auf der Bühne ster­ben. Aber ich weiß nicht, ob es für diese Vor­stel­lung noch Kar­ten gibt.