7. Oktober 2006

Jetzt kocht Karlsruhe

„Sag mir, was du isst, und ich sage dir, wer du bist.“ Jean Anthelme Brillat-​​Savarins Aus­spruch klärt, warum die Promi-​​Küchenmeister im Gefolge von „Alfre­dis­simo“ ihre Sen­de­plätze sicher haben. Doch was tut ein Heinz Fen­rich, wenn Gat­tin Gaby der Sinn nach kal­ter Küche steht? Ariane Lin­de­mann und Tim Koch haben bekann­ten Fächer­städ­tern über die Schul­ter und in die Töpfe geschaut — denn „Jetzt kocht Karls­ruhe“ (Info Ver­lag)!

Seine „Gefüll­ten Seezungen-​​Röllchen“ beherrscht der Karls­ru­her Ober­bür­ger­meis­ter seit dem ers­ten Wahl­kampf; auch Sand­korn–Lei­ter Sieg­fried Krei­ner hält’s beim „Theater-​​Risotto mit Thun­fisch und Krab­ben“ medi­te­ran; die erfolgs­hung­rige Mann­schaft des KSC weiß nach einer kräf­te­rau­ben­den Trai­nings­ein­heit die „Kick & Cook“-Lachsburger von Coach Edmund Becker zu schät­zen und Fliegengewichts-​​Boxerin Regina Hal­mich bedient sich bei ihren „Maul­ta­schen in Lachs­fül­lung“ gleich­falls des Wan­der­fischs — Voll­tref­fer, mit­ten auf die Geschmacksknospen!

Oder wie wäre es mit „Ries­ling Hähnle“ aus dem Reper­toire von Mundart-​​Dichter Harald Hurst? Selbst das Geheim­nis der berühm­ten „Poppets-​​Waffeln“ nach Mach­art Gunzi Heil und Mar­cus Dürr wird im Laufe der 92 Sei­ten gelüf­tet; und sicher wäre auch der „Badi­sche Kir­schen­plot­zer mit Grün­kern“ von Ex–Regie­rungs­prä­si­den­tin Ger­linde Häm­merle mehr als ein Des­sert wert.

Dass ein guter Trop­fen so man­ches Gericht ver­edelt, ist bekannt. Dass Gers­ten­saft ein gan­zes Menü tra­gen kann dage­gen nicht unbe­dingt: Wer’s eher def­tig mag, kocht bei Gele­gen­heit Fried­rich Georg Hoepfners „Kräu­sen­gu­lasch“ nach oder hält sich gleich an Die­ter Lud­wigs Emp­feh­lung: Der ehe­ma­lige VBK–Geschäfts­füh­rer fährt auf „Lamm­rü­cken mit grü­nen Speck­boh­nen“ ab. Aber auch das „Kalbs­schnit­zel auf Spar­gel und Neuen Kar­tof­feln“ aus dem Fun­dus von Majo­lika–Chef Anton Goll ver­spricht Gau­men­freu­den, erst recht Mar­tin Wackers „Thai­län­di­scher Wok mit Gemüse und Putenfleisch“.

Doch wel­che Krea­tion sich wohl hin­ter „Amuse geule à la Colani“ ver­birgt? Und was macht eigent­lich TV-​​Moderator Mar­kus Brocks „Sommer-​​Spaghetti“ nach Inga-​​Art so beson­ders? Schme­cken die am Ende gar noch bes­ser als jene „alla put­ta­ne­sca“ von Post-​​Galerie–Cen­ter­ma­na­ger Wil­fried Loske? Warum die Kahn-​​Brüder Oli­ver und Axel nichts über ihr „Roast Soc­cer Tur­key with Cur­rant Glaze“ kom­men las­sen; es im Badi­schen Lan­des­mu­seum aus Harald Sie­ben­mor­gens Büro durch­aus ein­mal nach „Tajine mit Huhn und Zitro­nen“ duf­ten kann; wie fix Staats­thea­ter–Inten­dant Achim Thor­wald die „Schnelle Gar­ne­len­pfanne“ schwengt oder ZKM–Lei­ter Peter Wei­bel seine „Bube­spitzle“ am liebs­ten hat — über 200 Farb­fo­tos nebst ver­ständ­li­chen Anwei­sun­gen geben Auskunft.

In „Jetzt kocht Karls­ruhe“ heben Men­schen aus Poli­tik, Kul­tur, Wirt­schaft und Sport, Men­schen mit unter­schied­lichs­ten Beru­fen und Vor­lie­ben den Topf­de­ckel; und hat sich der erste Dampf­schwall ver­zo­gen, kom­men die viel­fäl­tigs­ten Ideen und Gerichte zum Vor­schein; für die intime Zwei­sam­keit bei Ker­zen­schein, Lecke­reien für zwi­schen­durch und unter­wegs, über Gerichte für vier Per­so­nen bis hin zur Mann­schafs­ra­tion. Die Lieb­lings­re­zepte der Fächer­städ­ter Pro­mis sind ein­fach nach­zu­ko­chen, unge­küns­telt und ohne über­trie­bene Raf­fi­nesse, für anspruchs­volle Gour­mets ebenso geeig­net wie ambi­tio­nierte Hob­by­kö­che. So breit­ge­fä­chert Karls­ru­hes Pro­mi­nenz auch sein mag, eines eint sie alle­samt: Die Lust am Genuss — en gude!