13. Oktober 2006
Redeem — „Eleven“
Erfunden haben’s die Eidgenossen diesmal ganz sicha nöd. Und obwohl der hymnische Breitwand-Rock-Sound der Schweizer Redeem nur allzu vertraut aus den Boxen rockt, Creed, Audioslave, die Foo Fighters, Hoobastank, 3 Doors Down, Soundgarden, die frühen Pearl Jam und Nickelback artig die Riffs abnicken, verführt die schiere Spielfreude des Trios auf ihrem Debüt „Eleven“ (One And One Records/Point Music).
Es ist das Gespür für Melodie und Harmonie mit der gepflegten Härte, das die Arrangements so betörend macht. Der Opener „Splendid“ zeigt schon nach wenigen Saitenschlägen an, was die kommenden 40 Minuten soundtechnisch abgeht: wuchtig, aber gefühlvoll, melancholisch und schwer, midtempolastig und formatradiotauglich.
Und das ist diesmal nicht etwa bös gemeint. Stefano Paolucci (Gesang und Gitarre), Pascal Münger (Bass) und Reto Wild (Schlagzeug) beweisen viel mehr als Händchen für catchy Songwriting. Ihr muskulös rollender Rock („Two Points Of View“, „Black Monkey“, „Loox Around“, „Dreams You’ve Lost Along The Way“) zeigt auch Mut zu melancholischen Momentaufnahmen, ohne sich dabei mit Weinerlichkeit zu bekleckern („Alive“, „Time“, „I Tried“, „Bullet“).
Mal abgesehen von der handwerklichen Perfektion mit der hier fingerfertigst zur Sache gegangen wird und der Reife versprühenden, von Ex-Kreator-Gitarrist Tommy Vetterli verantworteten Produktion, besticht vor allem der raue Charme von Paoluccis Organ, der sich zu den erdigen Gitarren gesellt, als sei man von höhrer Warte füreinander bestimmt. Neu klingt das Ergebnis ganz und gar nicht, aber Redeem wissen, aus was die Materie besteht. Und so vorgetragen geht Inspiration ausnahmsweise auch mal vor Innovation.
