20. Oktober 2006
Stoned
Ohne ihn würde es eine der geilsten Rock ‚n’ Roll-Bands überhaupt vielleicht gar nicht geben; und wo nachfolgende Generationen nun auf die beiden verbliebenen Gründungsmitglieder Mick Jagger oder Keith Richards tippen würden, war einst noch ein ganz anderer Name im Spiel: Brian Jones. Dem 1969 verstorbenen Stones-Gitarristen, der nach einer wilden Nacht vollgepumpt mit Drogen in seinem Swimmingpool ertrunken ist, wird nun späte Film-Ehre zuteil und er bekommt, was Künstler wie Johnny Cash und 50 Cent schon haben: ein Biopic.
Das Regiedebüt des britischen Produzenten Stephen Woolley wirft nun auch auf DVD (Warner Home Video) einen psychedelischen Blick hinter die Fassade der Stones’schen Glamour-Welt im cool Britannia der Swinging Sixties; mit all ihren Ausschweifungen, der Dekadenz, den Drogen und dem Sex; auf ihren einstigen künstlerischen Kopf Brian Jones (Leo Gregory), einen paranoiden, omnisüchtigen, quälend-naiven Menschen — und ebenso genialen Musiker; verstoßen von jener Band, die doch maßgeblich seine Schöpfung war.
Zu Filmbeginn hängt Jones statt Musik zu machen bereits lieber mit Anita Pallenberg (Monet Mazur) im LSD-Rausch auf seinem fürstlichen Landsitz ab, bis ihm der Manager (David Morissey) den mit beiden Beinen fest der Arbeiterwirklichkeit verwurzelten Frank Thorogood (Paddy Considine) als Handlanger und irgendwie auch Aufpasser an die Seite stellt. Eine Hassliebe mit tödlichen Folgen, glaubt man den mörderischen Verschwörungstheorien, die sich seit Jahrzehnten um den Tod Brian Jones’ ranken wie um fast alle (zu) jung gestorbenen Popkultur-Ikonen; genährt durch das Geständnis Thorogoods auf dem Sterbebett, aufgegriffen von Woolley in seinem Popgeschichtsdrama.
Trotz vielversprechenderem Untertitel beschränkt sich „Stoned“ aber doch nur auf die letzten Monate im Leben des Brian Jones, als er schon nicht mehr in der Lage war an Aufnahmen wie Gigs teilzunehmen. Wohl vornehmlich weil dieser Film ohne Segen der Betroffenen produziert werden musste, ist nicht ein Originalsong der Stones zu hören. Und das trübt die „Satisfaction“ im Laufe der 103 Minuten doch nachhaltig. Unbefriedigend zwar, aber noch lange kein Grund diesem Biopic die rote Zunge entgegenzustrecken.
