1. November 2006
Harald Hurst — „Des elend schöne Lebe“
Noch dieses eine Büchle im Dialekt hat er uns versprochen, um sich sodann erst einmal wieder dem Schriftdeutsch zuzuwenden. Ins Betuliche, Biedermeierliche, Selbstbeschränkte fürchtet er sonst abzugleiten, wie so viele seiner Kollegen. Und so erfreut Harald Hurst mit „Des elend schöne Lebe“ (G. Braun Verlag) zum wohl vorerst letzten Mal mit „Geschichten und Gedichten“ in Mundart.
Vom „Herrn Sohn“ hat’s der König der Babbler etwa im Laufe der 152 Seiten, der im Luxus-Einzelzimmer mit ISDN-Anschluss wohnt; oder über den nicht nur von seinen Lesungen bestbekannten Besucher des „An de Fusionsgrenz“ gelegenen Landhauses Schnepf, der die schwäbischen Gastesser belauscht.
Über 90 Seiten Prosa vom „Elend schöne Lebe“ und heimischen Dia-Abenden mit Freunden, turbulenten Paar-Urlauben in Tossa de Mar und feucht-fröhlichen Marktfesten in geselliger Runde. Überall fördert er sie zutage, die Untiefen menschlicher Beziehungskonstellationen. Höhepunkt ist aber die „Saumäßig lange Kompakt-G’schicht vom Fernweh un vom Bleibe“, ein hintergründiges Stück „üwers Verraise uns Dohoimbleibe; üwer Leut, die viel rumkomme und doch ned vom Fleck“.
War’s das? Müssen wir künftig in die heimische Bibliothek greifen, um „So e Glück!“ zu finden? „Daß i net lach!“. Oder doch? „Komm, geh fort“, bleib do. Un merci fürs finale grande! Vorerschd.
