7. November 2006
What The Bleep Do We (K)now?!
„Ich weiß, dass ich nichts weiß.“ Wussten wir. Von wem? Na klar, vom alten Sokrates. Ein schlauer Spruch, ein bisschen abgegriffen zwar, aber nach einem DVD-Abend mit „What The Bleep Do We (K)now?!“ (Horizon Film Distribution) doch ziemlich treffend. Denn das Vorausgegangene verwirrt, es arbeitet noch. Wie wirklich ist denn nun unsere Realität? Kreieren wir das, was wir sehen, selbst? Was sind Gedanken? Warum kehren Krisen und Leid immer wieder? Auch unsere Beziehungen scheinen in ihrer Qualität immerzu die gleichen zu sein — nur woran mag das liegen? Haben wir am Ende mehr Einfluss auf das, was passiert, als wir glauben oder sind wir stete Opfer der Umstände? „Bleep“ gelobt Antworten.
Allerdings wohl nur für jene, die auch bereit sind, die richtigen Fragen zu stellen. Denn auf „What The Bleep Do We (K)now?!“ muss man sich einlassen; und mit ihm auf 14 Wissenschaftler und Lehrmeister, die von neuen Erkenntnissen aus Quantenphysik bis hin zur Gehirnforschung zu berichten wissen. Doch sind die Aussagen nicht nur wissenschaftlicher Natur — und selbst die sind nicht ganz unumstritten. Über den Verlauf des Films verschwimmen die Unterschiede von Wissenschaft und Spiritualität zunehmend und machen deutlich, dass beide Sichtweisen zumindest in der Lage sind, die gleichen Phänomene zu beschreiben.
Über 250.000 Kinobesucher im deutschsprachigen Raum machten das unabhängig produzierte Independent-Movie zum Überraschungsfilm des Jahres. Eine zumindest nachdenklich stimmende Mischung aus (grenz-)wissenschaftlicher Dokumentation, Spielfilmszenen mit Marlee Matlin in der Hauptrolle, experimentellen, stellenweise zu überdrehten Animationsspielereien im Stile von Albert Barillés „Es war einmal… der Mensch“ und Atmosphäre schaffenden Visualisierungen von Peptiden, Neuronen, Zellen, Energiefeldern und Atomen. Dabei gelingt es, teils sehr komplexe Themenbereiche auf anschauliche Art zu vermitteln. „Bleep“ sprengt gängige Denkmuster — doch Erleuchtung keineswegs garantiert.
Denn am Ende stellen wir fest, dass die klugen Köpfe, die eine Antwort zwar auch nicht wissen; aber zumindest wussten sie über 108 Minuten vortrefflich unterhaltsam darüber zu philosophieren. „Und da steh’ ich nun, ich armer Tor! Und bin so klug als wie zuvor.“ Das war der alte Goethe. Wussten wir ebenso. Und das ist doch immerhin schon mal etwas.
