„Ich weiß, dass ich nichts weiß.“ Wuss­ten wir. Von wem? Na klar, vom alten Sokra­tes. Ein schlauer Spruch, ein biss­chen abge­grif­fen zwar, aber nach einem DVD-​​Abend mit „What The Bleep Do We (K)now?!“ (Hori­zon Film Dis­tri­bu­tion) doch ziem­lich tref­fend. Denn das Vor­aus­ge­gan­gene ver­wirrt, es arbei­tet noch. Wie wirk­lich ist denn nun unsere Rea­li­tät? Kre­ie­ren wir das, was wir sehen, selbst? Was sind Gedan­ken? Warum keh­ren Kri­sen und Leid immer wie­der? Auch unsere Bezie­hun­gen schei­nen in ihrer Qua­li­tät immerzu die glei­chen zu sein — nur woran mag das lie­gen? Haben wir am Ende mehr Ein­fluss auf das, was pas­siert, als wir glau­ben oder sind wir stete Opfer der Umstände? „Bleep“ gelobt Antworten.

Aller­dings wohl nur für jene, die auch bereit sind, die rich­ti­gen Fra­gen zu stel­len. Denn auf „What The Bleep Do We (K)now?!“ muss man sich ein­las­sen; und mit ihm auf 14 Wis­sen­schaft­ler und Lehr­meis­ter, die von neuen Erkennt­nis­sen aus Quan­ten­phy­sik bis hin zur Gehirn­for­schung zu berich­ten wis­sen. Doch sind die Aus­sa­gen nicht nur wis­sen­schaft­li­cher Natur — und selbst die sind nicht ganz unum­strit­ten. Über den Ver­lauf des Films ver­schwim­men die Unter­schiede von Wis­sen­schaft und Spi­ri­tua­li­tät zuneh­mend und machen deut­lich, dass beide Sicht­wei­sen zumin­dest in der Lage sind, die glei­chen Phä­no­mene zu beschreiben.

Über 250.000 Kino­be­su­cher im deutsch­spra­chi­gen Raum mach­ten das unab­hän­gig pro­du­zierte Independent-​​Movie zum Über­ra­schungs­film des Jah­res. Eine zumin­dest nach­denk­lich stim­mende Mischung aus (grenz-)wissenschaftlicher Doku­men­ta­tion, Spiel­film­sze­nen mit Mar­lee Mat­lin in der Haupt­rolle, expe­ri­men­tel­len, stel­len­weise zu über­dreh­ten Ani­ma­ti­ons­spie­le­reien im Stile von Albert Baril­lés „Es war ein­mal… der Mensch“ und Atmo­sphäre schaf­fen­den Visua­li­sie­run­gen von Pep­ti­den, Neu­ro­nen, Zel­len, Ener­gie­fel­dern und Ato­men. Dabei gelingt es, teils sehr kom­plexe The­men­be­rei­che auf anschau­li­che Art zu ver­mit­teln. „Bleep“ sprengt gän­gige Denk­mus­ter — doch Erleuch­tung kei­nes­wegs garantiert.

Denn am Ende stel­len wir fest, dass die klu­gen Köpfe, die eine Ant­wort zwar auch nicht wis­sen; aber zumin­dest wuss­ten sie über 108 Minu­ten vor­treff­lich unter­halt­sam dar­über zu phi­lo­so­phie­ren. „Und da steh‘ ich nun, ich armer Tor! Und bin so klug als wie zuvor.“ Das war der alte Goe­the. Wuss­ten wir ebenso. Und das ist doch immer­hin schon mal etwas.