27. Dezember 2006

Nachts im Museum

Nachts im Museum“ befin­det sich der Durch­schnitts­bür­ger in der Fächer­stadt allen­falls zur „Kamuna“. Für den noto­risch auf Job-​​Suche befind­li­chen Larry Daley (Ben Stil­ler) wird dies jedoch schon bald All­tag respek­tive All­nacht sein: Eine Anstel­lung als Auf­pas­ser im New Yor­ker Natu­ral History Museum soll die Wende zum Bes­se­ren brin­gen, doch diese Beru­fung erfor­dert ganz beson­dere Qua­li­fi­ka­tio­nen. Denn die Expo­nate stei­gen zu fort­ge­schrit­te­ner Stunde von ihren Sockeln.

Tags­über lässt sich in den ehr­wür­di­gen Museums-​​Hallen so man­ches bestau­nen: prä­his­to­ri­sche Krea­tu­ren, Urzeit­men­schen, Stämme von einst, die afri­ka­ni­sche Tier­welt, Pha­rao­nen und his­to­ri­sche Hel­den — für die Nach­welt kon­ser­viert. Doch sobald die Besu­cher nach Hause gegan­gen sind, wird Geschichte im Natu­ral History Museum sprich­wört­lich lebendig.

Selbst wenn Larry wüsste, auf was er sich da ein­lässt — er hat ohne­hin keine Wahl. Läuft er doch Gefahr, die Ach­tung sei­nes Soh­ne­manns zu ver­lie­ren, der mehr und mehr Mamis neuen Gat­ten als Vater­fi­gur akzep­tiert. Noch völ­lig ahnungs­los vom nächt­li­chen Trei­ben heu­ert er an und lässt sich von den drei alt­ein­ge­ses­se­nen Nacht­wäch­tern (Comedy-​​Ikone Dick van Dyke, 30er-​​Jahre Kin­der­star Mickey Roo­ney und Bill Cobbs) ein­wei­sen, die aus Kos­ten­grün­den in den Ruhe­stand geschickt und durch einen jun­gen Kol­le­gen ersetzt wer­den sollen.

Mit Taschen­lampe und Gebrauchs­an­wei­sung bewaff­net erwar­tet Larry seine erste Arbeits­nacht am neuen Arbeits­platz, der schon bald eher Toll­haus und Geis­ter­bahn gleicht, in wel­cher T-​​Rex und Hun­nen­kö­nig Attila (Patrick Gal­lag­her) einen Pfad der Ver­wüs­tung durch die Marmor-​​Korridore pflü­gen. So sieht ein Plot aus, der Lust auf Kino macht! Ein 108-​​minütiges Abtau­chen in die Traum­welt, wo das Unmög­li­che erleb­bar wird.

Schon der Blick auf die Beset­zungs­liste ist ein äußerst viel­ver­spre­chen­der: Für Ben Stil­ler ist die Rolle des sym­pa­thi­schen Dep­pen ver­trau­tes Ter­rain seit er „Ver­rückt nach Mary“ war und so spielt er denn auch sei­nen Part: mit sou­ve­rän unspek­ta­ku­lä­rer Situa­ti­ons­ko­mik. Das Mit­wir­ken von Robin Wil­liams als ehe­ma­li­ger US-​​Präsident Teddy Roo­se­velt lässt die Asso­zia­tio­nen zum Fantasy-​​Movie „Jumanji“ über­deut­lich wer­den. Damals vor zwölf Jah­ren ein Film wie eine Stam­pede, im Museum fas­zi­niert Wil­liams allen­falls mit sei­ner Präsenz.

Stil­lers obli­ga­to­ri­scher Side­kick Owen Wil­son, der sich als Miniatur-​​Cowboy mit Römer Octa­vius (Steve Coo­gan) ein bis­wei­len amü­san­tes Dau­er­du­ell­chen lie­fert, kann in sei­ner klei­nen Rolle die komö­di­an­ti­sche Kom­po­nente des Films gleich­falls nicht so recht bedie­nen. Für die weni­gen komi­schen Momente sorgt statt des­sen neben Kapu­zi­neräff­chen Dex­ter und dem furzt­ro­cke­nen Mickey Roo­ney der Muse­ums­di­rek­tor, köst­lich gespielt von Ricky Ger­vais und her­vor­ra­gend fah­rig syn­chro­ni­siert durch Piet Klocke.

Was ein­zig wirk­lich auf gan­zer Linie erfreuen kann, ist die Fas­zi­na­tion am Unglaub­li­chen. Doch kaum 40 Minu­ten alt hat „Nachts im Museum“-Regisseur Shawn Levy sein gesam­tes SFX-​​Pulver auf die Lein­wand gebal­lert. Zwar lädt er immer wie­der fröh­lich nach, der Aha-​​Effekt indes wird schwä­cher und schwä­cher. Nach gut der Hälfte hat sich das drol­lige Trick­spek­ta­kel ein­ge­pen­delt; viel zu gut, um zu lang­wei­len, aber zu vor­her­seh­bar, um dau­er­haft mit­rei­ßen zu können.