5. Januar 2007
Chaoze One — „Fame“
Dass ein Chaoze One mit seinen Rhymes gerade gegen Ruhm und Ehre kämpft, dürfte sich nach den zwei feinen Alben „Rapression“ und „Koppstoff“ auch abseits der linken HipHop-Szene herumgesprochen haben. Der Titel seines Drittlings „Fame“ (Twisted Chords/Broken Silence) ist denn auch ganz und gar nicht englisch, sondern italienisch zu verstehen. Gemäß der Weisheit, die jedem Kater folgt: Wer viel abkotzt, bekommt hinterher auch wieder Appetit.
18 Tracks lang trotzt Chaoze One in gewohnter Güte dem gruseligen Deutschrap-Mainstream und zeigt sich dabei nicht nur musikalisch eindeutig gereift, sondern weitaus vielseitiger und abwechslungsreicher, als man den MC bis dato kannte.
Seine Skills am Mic, stets durchdachte und stellenweise auch mal lyrische Zeilen, hier hoch politisch, dort zutiefst persönlich, aber immer irgendwo zwischen traurig-resignativ und einfach nur wütend, das kennen und schätzen wir schon seit Anbeginn. Doch mit diesen ausgeklügelten, detailverliebten Beats ist Chaoze One angekommen.
Abzulesen ist das auch an der langen Gästeliste: Neben altbekannten Gesichtern wie Gesangspartnerin Lotta C., Deadly T von Anarchist Academy („Tiefer“), der Microphone Mafia oder den Irie Revoltes aka Perspektives haben diesmal auch Greis aus der Schweiz („Lass uns“), Nic Knatterton („Guerilla/Partisan“), Albino („Briefwechsel Remix“) und Franzose Sista Zoum („Monde Désechanté“) im Studio vorbeigeschaut. Mit Mic-Mafia-DJ Ra und 12 Finger Dan gibt’s auf „Fame“ obendrein erstmals zwei Discjockeys zu hören.
Und der Respect geht raus: Eine gute Stunde lang wird auf höchstem Niveau kollaboriert; gesampelt, gerappt und gesungen und gesprochen. Chaoze setzt den „Edelweisspiraten“ — vor zwei Jahren von Niko von Glasow auch filmisch ins Licht gerückt — ein musikalisches Denkmal, arbeitet mit „Garde La Foi“ gleichfalls ein Stück linker Geschichte auf, erzählt von gewachsenen Freundschaften („Back In The Days“) wie gescheiterten Beziehungen („Letztes Kapitel“) und lässt zwischendurch den jüdischen Nachkriegs-Lyriker Erich Fried ins Wort fallen.
Ob es an der Experimentierfreude liegt, dass sich nur wenige Tracks ohne Umschweife in die Ohrmuscheln kuscheln? Mag sein. Aber wer hat behauptet, dass es einfach werden würde? Zumal es einen solchen sehr wohl gibt und zwar an sechster Albumstelle. „Wenn du es willst“, ein toller Lovesong mit Pianountermalung, eingängigen Melodieläufen, klasse Beats und treffenden Bildern („Wär gerne glücklich, rauch stattdessen nur Fortuna-Kippen“).
Doch doch durchaus, man darf sich festlegen. „Fame“ — das im übrigen für den „Hunger“ steht — ist eine wichtige Scheibe, eine der interessantesten im deutschsprachigen HipHop seit Langem. Und wenn schon nicht für Ruhm und Ehre, dann für die längst überfällige Anerkennung. Word.
