Chaoze One - "Fame"Dass ein Chaoze One mit sei­nen Rhy­mes gerade gegen Ruhm und Ehre kämpft, dürfte sich nach den zwei fei­nen Alben „Rapres­sion“ und „Kopp­stoff“ auch abseits der lin­ken HipHop-​​Szene her­um­ge­spro­chen haben. Der Titel sei­nes Dritt­lings „Fame“ (Twis­ted Chords/​Bro­ken Silence) ist denn auch ganz und gar nicht eng­lisch, son­dern ita­lie­nisch zu ver­ste­hen. Gemäß der Weis­heit, die jedem Kater folgt: Wer viel abkotzt, bekommt hin­ter­her auch wie­der Appetit.

18 Tracks lang trotzt Chaoze One in gewohn­ter Güte dem gru­se­li­gen Deutschrap-​​Mainstream und zeigt sich dabei nicht nur musi­ka­lisch ein­deu­tig gereift, son­dern weit­aus viel­sei­ti­ger und abwechs­lungs­rei­cher, als man den MC bis dato kannte.

Seine Skills am Mic, stets durch­dachte und stel­len­weise auch mal lyri­sche Zei­len, hier hoch poli­tisch, dort zutiefst per­sön­lich, aber immer irgendwo zwi­schen traurig-​​resignativ und ein­fach nur wütend, das ken­nen und schät­zen wir schon seit Anbe­ginn. Doch mit die­sen aus­ge­klü­gel­ten, detail­ver­lieb­ten Beats ist Chaoze One angekommen.

Abzu­le­sen ist das auch an der lan­gen Gäs­te­liste: Neben alt­be­kann­ten Gesich­tern wie Gesangs­part­ne­rin Lotta C., Deadly T von Anar­chist Aca­demy („Tie­fer“), der Micro­phone Mafia oder den Irie Revol­tes aka Per­spek­ti­ves haben dies­mal auch Greis aus der Schweiz („Lass uns“), Nic Knat­ter­ton („Guerilla/​Partisan“), Albino („Brief­wech­sel Remix“) und Fran­zose Sista Zoum („Monde Désechanté“) im Stu­dio vor­bei­ge­schaut. Mit Mic-​​Mafia-​​DJ Ra und 12 Fin­ger Dan gibt’s auf „Fame“ oben­drein erst­mals zwei Disc­jo­ckeys zu hören.

Und der Respect geht raus: Eine gute Stunde lang wird auf höchs­tem Niveau kol­la­bo­riert; gesam­pelt, gerappt und gesun­gen und gespro­chen. Chaoze setzt den „Edel­weiss­pi­ra­ten“ — vor zwei Jah­ren von Niko von Glasow auch fil­misch ins Licht gerückt — ein musi­ka­li­sches Denk­mal, arbei­tet mit „Garde La Foi“ gleich­falls ein Stück lin­ker Geschichte auf, erzählt von gewach­se­nen Freund­schaf­ten („Back In The Days“) wie geschei­ter­ten Bezie­hun­gen („Letz­tes Kapi­tel“) und lässt zwi­schen­durch den jüdi­schen Nachkriegs-​​Lyriker Erich Fried ins Wort fallen.

Ob es an der Expe­ri­men­tier­freude liegt, dass sich nur wenige Tracks ohne Umschweife in die Ohr­mu­scheln kuscheln? Mag sein. Aber wer hat behaup­tet, dass es ein­fach wer­den würde? Zumal es einen sol­chen sehr wohl gibt und zwar an sechs­ter Album­stelle. „Wenn du es willst“, ein tol­ler Love­song mit Pia­noun­ter­ma­lung, ein­gän­gi­gen Melo­die­läu­fen, klasse Beats und tref­fen­den Bil­dern („Wär gerne glück­lich, rauch statt­des­sen nur Fortuna-​​Kippen“).

Doch doch durch­aus, man darf sich fest­le­gen. „Fame“ — das im übri­gen für den „Hun­ger“ steht — ist eine wich­tige Scheibe, eine der inter­es­san­tes­ten im deutsch­spra­chi­gen Hip­Hop seit Lan­gem. Und wenn schon nicht für Ruhm und Ehre, dann für die längst über­fäl­lige Aner­ken­nung. Word.