11. Januar 2007
Mein Führer — Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler
„Komödie ist Tragödie plus Zeit.“ Eine dieser Tage wieder gerne herangezogene Gleichung. Dabei hat sich die Frage, ob man über die Schreckensgestalt unseres Jahrhunderts scherzen darf, im Grunde doch noch nie gestellt. Schon Charlie Chaplin nutzte 1940 in seinem „Der große Diktator“ die entwaffnenden Mittel des Humors und auch den Menschen im Monster haben wir in „Der Untergang“ längst zu Gesicht bekommen. Unter Regie Dani Levys stutzt sich nun Helge Schneider den Bart auf Führer-Format und schlüpft in braunen Zwirn. Ohne Gleichung geht’s dennoch, denn zu lachen gibt’s in „Mein Führer“ nicht all zu viel.
Sein Krieg ist so gut wie total verloren, doch Goebbels (Sylvester Groth) will sich noch nicht geschlagen geben. Am Neujahrstag soll der Führer mit einer kämpferischen Rede noch einmal die Massen begeistern. Aber Hitler kann nicht mehr, ist depressiv und meidet die Öffentlichkeit. Nur sein ehemaliger Schauspiellehrer Adolf Grünbaum (Ulrich Mühe) kann jetzt noch helfen — unglücklicherweise jüdischer Herkunft und längst deportiert. Goebbels lässt ihn aus dem Konzentrationslager Sachsenhausen in die Reichskanzlei holen, die Zeit läuft: In fünf Tagen muss der Führer in Höchstform sein.
Regisseur Dani Levy erzählt „Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler“ und beweist nach seiner vielfach ausgezeichneten und gleichermaßen überbewerteten Erfolgskomödie „Alles auf Zucker!“, dass er zumindest keine Scheu im Umgang mit heiklen Themen hat; versucht die Schrecken des Nationalsozialismus mit subversivem Humor zu sezieren, indem er Hitler als impotenten Bettnässer lächerlich macht. Die wahren Strippenzieher sind in seiner Geschichte Goebbels und Himmler (Ulrich Noethen), die ihren Führer nurmehr als massenwirksame Marionette betrachten und ganz eigene Pläne schmieden.
Die Voraussetzungen für eine polarisierende Verballhornung sind also durchaus gegeben und in ihren Ansätzen auch erheiternd umgesetzt; etwa wenn „Herr Hitler“ seinen halben Schnauzer lassen muss, bei seinen Kopulationsversuchen mit Eva Braun (Katja Riemann) nicht zu Potte kommt („Ich spür Sie nicht, mein Führer“) oder Himmler aufgrund eines eingegipsten Arms den Dauer-Gruß gibt. Schneider spielt seinen Part passend lethargisch und man kann verstehen, warum er mit der angelaufenen Schnittfassung nicht so wirklich einverstanden ist. Aus diesem Stoff wäre einiges mehr herauszuholen gewesen.
Denn Levy versäumt es, das Groteske auf die Spitze zu treiben. Statt dessen plätschern die Minuten begleitet von einigen Schmunzlern so vor hin — bis der Regisseur sein Heil in einer schon peinlich simplen wie platten psychologischen Komponente sucht; ein Vater-Sohn-Kindheitstrauma soll Ursache sein für den größten Massenmord seit Menschengedenken? Spätestens jetzt geht die Gleichung eines Films nicht mehr auf, der für eine Komödie viel zu witzlos, für eine Satire zu tragisch und für ein Drama zu absurd ist.
