„Komö­die ist Tra­gö­die plus Zeit.“ Eine die­ser Tage wie­der gerne her­an­ge­zo­gene Glei­chung. Dabei hat sich die Frage, ob man über die Schre­ckens­ge­stalt unse­res Jahr­hun­derts scher­zen darf, im Grunde doch noch nie gestellt. Schon Char­lie Chap­lin nutzte 1940 in sei­nem „Der große Dik­ta­tor“ die ent­waff­nen­den Mit­tel des Humors und auch den Men­schen im Mons­ter haben wir in „Der Unter­gang“ längst zu Gesicht bekom­men. Unter Regie Dani Levys stutzt sich nun Helge Schnei­der den Bart auf Führer-​​Format und schlüpft in brau­nen Zwirn. Ohne Glei­chung geht’s den­noch, denn zu lachen gibt’s in „Mein Füh­rer“ nicht all zu viel.

Sein Krieg ist so gut wie total ver­lo­ren, doch Goeb­bels (Syl­ves­ter Groth) will sich noch nicht geschla­gen geben. Am Neu­jahrs­tag soll der Füh­rer mit einer kämp­fe­ri­schen Rede noch ein­mal die Mas­sen begeis­tern. Aber Hit­ler kann nicht mehr, ist depres­siv und mei­det die Öffent­lich­keit. Nur sein ehe­ma­li­ger Schau­spiel­leh­rer Adolf Grün­baum (Ulrich Mühe) kann jetzt noch hel­fen — unglück­li­cher­weise jüdi­scher Her­kunft und längst depor­tiert. Goeb­bels lässt ihn aus dem Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Sach­sen­hau­sen in die Reichs­kanz­lei holen, die Zeit läuft: In fünf Tagen muss der Füh­rer in Höchst­form sein.

Regis­seur Dani Levy erzählt „Die wirk­lich wahrste Wahr­heit über Adolf Hit­ler“ und beweist nach sei­ner viel­fach aus­ge­zeich­ne­ten und glei­cher­ma­ßen über­be­wer­te­ten Erfolgs­ko­mö­die „Alles auf Zucker!“, dass er zumin­dest keine Scheu im Umgang mit heik­len The­men hat; ver­sucht die Schre­cken des Natio­nal­so­zia­lis­mus mit sub­ver­si­vem Humor zu sezie­ren, indem er Hit­ler als impo­ten­ten Bett­näs­ser lächer­lich macht. Die wah­ren Strip­pen­zie­her sind in sei­ner Geschichte Goeb­bels und Himm­ler (Ulrich Noe­then), die ihren Füh­rer nur­mehr als mas­sen­wirk­same Mario­nette betrach­ten und ganz eigene Pläne schmieden.

Die Vor­aus­set­zun­gen für eine pola­ri­sie­rende Ver­ball­hor­nung sind also durch­aus gege­ben und in ihren Ansät­zen auch erhei­ternd umge­setzt; etwa wenn „Herr Hit­ler“ sei­nen hal­ben Schnau­zer las­sen muss, bei sei­nen Kopu­la­ti­ons­ver­su­chen mit Eva Braun (Katja Rie­mann) nicht zu Potte kommt („Ich spür Sie nicht, mein Füh­rer“) oder Himm­ler auf­grund eines ein­ge­gips­ten Arms den Dauer-​​Gruß gibt. Schnei­der spielt sei­nen Part pas­send lethar­gisch und man kann ver­ste­hen, warum er mit der ange­lau­fe­nen Schnitt­fas­sung nicht so wirk­lich ein­ver­stan­den ist. Aus die­sem Stoff wäre eini­ges mehr her­aus­zu­ho­len gewesen.

Denn Levy ver­säumt es, das Gro­teske auf die Spitze zu trei­ben. Statt des­sen plät­schern die Minu­ten beglei­tet von eini­gen Schmunz­lern so vor hin — bis der Regis­seur sein Heil in einer schon pein­lich sim­plen wie plat­ten psy­cho­lo­gi­schen Kom­po­nente sucht; ein Vater-​​Sohn-​​Kindheitstrauma soll Ursa­che sein für den größ­ten Mas­sen­mord seit Men­schen­ge­den­ken? Spä­tes­tens jetzt geht die Glei­chung eines Films nicht mehr auf, der für eine Komö­die viel zu witz­los, für eine Satire zu tra­gisch und für ein Drama zu absurd ist.