Michael Bay sei Dank kön­nen wir end­lich alle mit­re­den. Bei­nahe 30 Jahre nach­dem der wahr­schein­lich gna­den­lo­seste Seri­en­kil­ler der (Film-)Geschichte zum ers­ten Mal seine Opfer mit der Ket­ten­säge abge­schlach­tet hat, machte sich der Erfolgs­pro­du­zent daran, Lea­ther­face in einem wür­di­gen Remake wie­der von der Index-​​Leine zu las­sen. Dem Chic der cine­as­ti­schen Begin­nings ent­spre­chend stellt er nun das Pre­quel vor. Und wir wol­len erfah­ren, wie eine der berühm­tes­ten Figu­ren des Gen­res wurde, was sie ist.

Der Dinge Lauf mutet nur zu ver­traut an: Bevor sie zur Army ein­ge­zo­gen wer­den, wol­len die Brü­der Eric (Matthew Bomer) und Dean (Tay­lor Hand­ley) mit ihren Freun­din­nen Bai­ley (Diora Baird) und Chris­sie (Jor­dana Brews­ter) noch­mal so rich­tig einen drauf­ma­chen; Roadtrip durch Texas statt Dschun­gel­camp in Viet­nam. Eine Kuh­kon­fron­ta­tion spä­ter fin­den sie sich dank She­riff Hoyt (R. Lee Ermey) im Haus der Kan­ni­ba­len­fa­mi­lie Hewitt wie­der, wo Miss­ge­burt Tho­mas (And­rew Bry­ni­ar­ski) seine neuen Spiel­ge­fähr­ten schon erwartet.

Wenn nach hin­ten nichts mehr geht, fan­gen wir ein­fach ganz vorne an; Pre­quel statt Sequel lau­tet die Zas­ter­for­mel, um auf der Kino­lein­wand doch noch einen nach­zu­schie­ben. Die Pro­du­zen­ten Michael Bay und Tobe Hooper, Regis­seur des 74er Ori­gi­nals „Blut­ge­richt in Texas“, las­sen dies­mal Jona­than Lie­bes­man insze­nie­ren, und ste­hen gemein­sam vor einer nicht ganz ein­fa­chen Entscheidung.

Zeigt „The Begin­ning“ zuviel, beleuch­tet stark die psy­cho­lo­gi­schen Hin­ter­gründe des Tho­mas Hewitt, ent­mys­ti­fi­ziert man unter Umstän­den die durch und durch böse Schre­ckens­ge­stalt, deren Fas­zi­na­tion doch gerade vom Unbe­kann­ten, vom Uner­klär­ba­ren lebt; zeigt er zu wenig, haben wir das Remake vom Remake — und gleich­falls den Salat.

Die Macher ver­pas­sen den Königs­weg, wäh­len die trü­ge­risch gol­dene Mitte und bedie­nen damit beide Befürch­tun­gen glei­cher­ma­ßen. Der ohne­hin magere Infor­ma­ti­ons­ge­halt der eigent­li­chen Vor­ge­schichte wird in 15 Minu­ten mit mini­ma­lis­ti­schem Auf­wand abge­hakt, hätte in die­ser plum­pen Form auch ohne Wei­te­res im Remake Platz gefun­den. Denn dann geht’s zu wie immer im Beton­bun­ker der Hewitts.

Mit sei­nem düster-​​dreckigen Grund­ton trifft Regis­seur Lie­bes­man zwar den bedroh­li­chen Look der Neu­auf­lage, doch so rich­tig böse wer­den wie 2003 will’s den­noch nicht. Das liegt in ers­ter Linie daran, dass es zuvor im Schnit­traum weit­aus blu­ti­ger zuge­gan­gen ist: Acht Minu­ten hat die deut­sche Kino­fas­sung ein­ge­büßt und man sieht ärger­li­cher­weise ganz genau, wo der Cut­mas­ter die Schere ange­setzt hat. Dar­über hin­aus blei­ben spek­ta­ku­läre (Kopfschuss-)Kamerafahrten und grau­sige Mann-​​auf-​​Fleischerhaken-​​Fotografien „Michael Bay’s“ Auf­be­rei­tung der wah­ren Bege­ben­heit vor­be­hal­ten. Der Rest ist Geschichte — die Sze­nen von damals und heute sind nur allzu austauschbar.

Zwi­schen­durch schrammt das hand­lungs­arme Dreh­buch dann doch noch die Ursprünge des Hewitt-​​Clans, erzählt die Geschichte einer Fami­lie, wel­che als ein­zige in einer ver­las­se­nen Klein­stadt zurück­bleibt; wie Char­lie Hewitt zu She­riff Hoyt wurde, seine Zähne ver­lor und Onkel Monty (Ter­rence Evans) im Roll­stuhl gelan­det ist. Dass Lea­ther­face die titel­ge­bende Ket­ten­säge aber ein­zig des­halb zu sei­nem Mar­ken­zei­chen gemacht hat, weil sie sich nach sei­nem ers­ten Mord zufäl­lig im sel­ben Raum befand, unter­streicht das ein­falls­lose Gesche­hen. Mit­re­den konn­ten wir bereits. Und wirk­lich mehr zu sagen, gibt’s auch nach 83 Minu­ten „Begin­ning“ nicht.