18. Januar 2007
Texas Chainsaw Massacre: The Beginning
Michael Bay sei Dank können wir endlich alle mitreden. Beinahe 30 Jahre nachdem der wahrscheinlich gnadenloseste Serienkiller der (Film-)Geschichte zum ersten Mal seine Opfer mit der Kettensäge abgeschlachtet hat, machte sich der Erfolgsproduzent daran, Leatherface in einem würdigen Remake wieder von der Index-Leine zu lassen. Dem Chic der cineastischen Beginnings entsprechend stellt er nun das Prequel vor. Und wir wollen erfahren, wie eine der berühmtesten Figuren des Genres wurde, was sie ist.
Der Dinge Lauf mutet nur zu vertraut an: Bevor sie zur Army eingezogen werden, wollen die Brüder Eric (Matthew Bomer) und Dean (Taylor Handley) mit ihren Freundinnen Bailey (Diora Baird) und Chrissie (Jordana Brewster) nochmal so richtig einen draufmachen; Roadtrip durch Texas statt Dschungelcamp in Vietnam. Eine Kuhkonfrontation später finden sie sich dank Sheriff Hoyt (R. Lee Ermey) im Haus der Kannibalenfamilie Hewitt wieder, wo Missgeburt Thomas (Andrew Bryniarski) seine neuen Spielgefährten schon erwartet.
Wenn nach hinten nichts mehr geht, fangen wir einfach ganz vorne an; Prequel statt Sequel lautet die Zasterformel, um auf der Kinoleinwand doch noch einen nachzuschieben. Die Produzenten Michael Bay und Tobe Hooper, Regisseur des 74er Originals „Blutgericht in Texas“, lassen diesmal Jonathan Liebesman inszenieren, und stehen gemeinsam vor einer nicht ganz einfachen Entscheidung.
Zeigt „The Beginning“ zuviel, beleuchtet stark die psychologischen Hintergründe des Thomas Hewitt, entmystifiziert man unter Umständen die durch und durch böse Schreckensgestalt, deren Faszination doch gerade vom Unbekannten, vom Unerklärbaren lebt; zeigt er zu wenig, haben wir das Remake vom Remake — und gleichfalls den Salat.
Die Macher verpassen den Königsweg, wählen die trügerisch goldene Mitte und bedienen damit beide Befürchtungen gleichermaßen. Der ohnehin magere Informationsgehalt der eigentlichen Vorgeschichte wird in 15 Minuten mit minimalistischem Aufwand abgehakt, hätte in dieser plumpen Form auch ohne Weiteres im Remake Platz gefunden. Denn dann geht’s zu wie immer im Betonbunker der Hewitts.
Mit seinem düster-dreckigen Grundton trifft Regisseur Liebesman zwar den bedrohlichen Look der Neuauflage, doch so richtig böse werden wie 2003 will’s dennoch nicht. Das liegt in erster Linie daran, dass es zuvor im Schnittraum weitaus blutiger zugegangen ist: Acht Minuten hat die deutsche Kinofassung eingebüßt und man sieht ärgerlicherweise ganz genau, wo der Cutmaster die Schere angesetzt hat. Darüber hinaus bleiben spektakuläre (Kopfschuss-)Kamerafahrten und grausige Mann-auf-Fleischerhaken-Fotografien „Michael Bay’s“ Aufbereitung der wahren Begebenheit vorbehalten. Der Rest ist Geschichte — die Szenen von damals und heute sind nur allzu austauschbar.
Zwischendurch schrammt das handlungsarme Drehbuch dann doch noch die Ursprünge des Hewitt-Clans, erzählt die Geschichte einer Familie, welche als einzige in einer verlassenen Kleinstadt zurückbleibt; wie Charlie Hewitt zu Sheriff Hoyt wurde, seine Zähne verlor und Onkel Monty (Terrence Evans) im Rollstuhl gelandet ist. Dass Leatherface die titelgebende Kettensäge aber einzig deshalb zu seinem Markenzeichen gemacht hat, weil sie sich nach seinem ersten Mord zufällig im selben Raum befand, unterstreicht das einfallslose Geschehen. Mitreden konnten wir bereits. Und wirklich mehr zu sagen, gibt’s auch nach 83 Minuten „Beginning“ nicht.
