Manowar - "Gods Of War"Die Feinde sind lange schon in der Über­zahl. Doch vier War­rior hal­ten die letzte Bas­tion wah­ren Hel­den­tums. In ihrer True-​​Metal-​​Welt müs­sen Män­ner noch mus­kel­ge­stählt ihren Mann ste­hen und Frauen ein­fach nur dicke Tit­ten haben. Ja, wären Strom­gi­tarre und Schlag­zeug nicht erfun­den, Mano­war wür­den ohne jeden Zwei­fel mit Schwert und Schild, Ham­mer, Axt und Amboss musi­zie­ren. Nach viel­fa­chem Auf­schub haben die selbst­ge­krön­ten „Kings Of Metal“ mit gewohn­tem Wage­mut zum Kli­schee ihr neues Werk „Gods Of War“ (Cir­cle Son/​SPV) ver­öf­fent­licht; und sich selbst den Weg gen Wal­halla bereitet.

„If I Had A Ham­mer, I Would Ham­mer On My Head!“ unkte das Metal-​​Magazin „Rock Hard“ vor eini­gen Mon­den im Jah­res­rück­blick über das zur Head­ban­gers Glück­se­lig­keit noch feh­lende Manowar-​​Album. Und was wird auch die­ser Tage wie­der dis­ku­tiert über Pathos und Pein­lich­keit; als ob das bei den Man Of War jemals anders gewe­sen wäre. Eric Adams (Gesang), Joey DeMaio (Bass), Karl Logan (Gitarre) und Scott Colum­bus (Schlag­zeug) machen seit der Grün­dung 1980 keine Kom­pro­misse. Schließ­lich ist man noch immer „Lou­der Than Hell“. „Other Bands Play — Mano­war Kills!“ So war’s und so hätte es auch blei­ben dür­fen. „Whimps And Posers, Leave The Hall!“ Hätte. Hät­ten Mano­war ihr zehn­tes Album nicht dem Kriegs­gott Odin geopfert.

Ihm zu Ehren hält man auch das Book­let gleich in Run­en­schrift, aber wenigs­tens nicht in Stein gemei­ßelt. Das Opfer brin­gen trotz­dem nicht die vier Kings, son­dern König Kunde. Was uns Wagner-​​Verehrer DeMaio und seine Mit­strei­ter da als Kon­zept­al­bum ver­kau­fen wol­len, dürfte jeden­falls so man­chen Nor­mal­sterb­li­chen ziem­lich erzürnen.

Peit­schen­der Wind, galop­pie­rende Rös­ser, dazu Gewie­her, pras­seln­der Regen, grol­len­der Don­ner, schau­ri­ges Heu­len und Schlacht­ge­brüll zur Ein­stim­mung klin­gen nur zu ver­traut; das hoch­tra­bende Spoken-​​Words-​​Geblubber nicht erst seit „Defen­der“ belieb­tes Stil­mit­tel der Lederstraps-​​Träger aus Über­see, gleich­falls majes­tä­ti­sche Chöre, Trom­pe­ten– und Posau­nen wie klas­si­sche Pas­sa­gen vor, zwi­schen oder hin­ter schnel­lem, aber immerzu melo­di­schem, klas­si­schem, dem wah­ren Metal. Jeden Moment müsste Scott Colum­bus‘ Dou­ble­bass ein­set­zen, Joey DeMaio den Vier­sai­ter schwind­lig zup­fen und Eric Adams mit einem lang­ge­zo­ge­nen Schrei die Ton­lei­ter her­auf­ge­klet­tert kom­men. Müsste.

Statt­des­sen schleppt man sich Song um Song wie ein ange­sto­che­ner Krie­ger übers Feld, auf dem einst der „Holy War“ aus­ge­foch­ten wurde. „Fight­ing The World“ und „Hail And Kill“ röchelnd, das stete Leder schnürt den Schritt, des­sen Leib par­tout nicht ster­ben mag. Oh „King­dom Come“ — hör ich vor lau­ter ver­or­gel­ter Klas­sik den Metal nicht. Und dann hat Odin doch noch ein Ein­se­hen. Der „Black Wind“ weht her­bei, es lich­tet sich. Und fein ver­steckt ertö­nen zwi­schen all den Titel­lei­chen auf dem Schlacht­feld zwei so typisch-​​geile True-​​Metal-​​Stücke, die all das aus­zeich­net, was seit jeher einen Manowar-​​Song zur unsterb­li­chen Hymne gemacht hat.

„Slei­p­nir“ ist der eine. Der andere, als „Bonus­track“ geadelte (ja, diese Jungs ziehen’s echt durch!), ver­kün­det stand­haft: „They Can’t Stop Us Let ‚Em Try. For Heavy Metal We Will Die!“ Wer zwei­felt da noch ernst­haft dran? Doch scheint die Zeit gekom­men, lang­sam los­zu­las­sen. Göt­ter­däm­me­rung. Denn seht die voll­bu­si­gen Wal­kü­ren, ihr War­rior, wie sie lüs­tern flüs­tern: „Across The Rain­bow Bridge To Val­halla, Odin’s Wait­ing For You…“ Ums „Carry On“ küm­mern wir uns schon.