8. Februar 2007

Olga

Wer nicht kämpft, hat schon ver­lo­ren. Das lehrte uns nicht nur der alte Brecht, son­dern zuvor­derst die Geschichte. Die heute so häu­fig miss­brauchte Gal­li­ons­fi­gur Ernesto Che Gue­vara war noch nicht ein­mal gebo­ren, als Olga Bena­rio (Camila Mor­gado) mit nur 17 Jah­ren das wohl­ha­bende Schwa­bin­ger Eltern­haus ver­lässt, um den Idea­len von Marx und Lenin zu fol­gen. Diese füh­ren sie ins Ber­lin der noch jun­gen Wei­ma­rer Repu­blik: Den Genos­sen Otto Braun (Guil­herme Weber) gilt es aus der Poli­zei­haft zu befreien.

Anschlie­ßend muss Olga unter­tau­chen, flieht nach Mos­kau, wird mili­tä­risch gedrillt und bekommt dort den Auf­trag, als Ehe­frau getarnt den bra­si­lia­ni­schen Haupt­mann Luís Car­los Pres­tes (Caco Cio­cler) sicher in des­sen Hei­mat zu gelei­ten, damit er den Sturz des dort herr­schen­den Dik­ta­tors Var­gas (Osmar Prado) vor­be­rei­ten kann.

>Zwi­schen den bei­den Auf­stän­di­schen ent­wi­ckelt sich tat­säch­lich eine Bezie­hung; doch als die geplante Revolte 1935 schei­tert, wer­den die bei­den Lie­ben­den ver­ra­ten und lan­den in den Fol­ter­kel­lern des Des­po­ten. Um sich Hit­lers Sym­pa­thien zu ver­si­chern, lie­fert Var­gas Olga an das inzwi­schen faschis­ti­sche Deutsch­land aus — für die Jüdin das sichere Ende. Noch in den Ver­nich­tungs­la­gern der Nazis beweist die schwan­gere Revo­lu­tio­nä­rin die Stärke, für ihre Über­zeu­gung einzustehen.

Der Bra­si­lia­ner Fer­nando Morais erschrieb sich mit sei­ner Fas­sung der Lebens­ge­schichte von Olga Benario-​​Prestes einen Welt­best­sel­ler und die­ses Stück Zeit­ge­schichte ver­dich­tet Regis­seur Jayme Mon­jar­dim zu einem höchst dra­ma­ti­schen Epos um Liebe und Frei­heits­wil­len, das nun auf DVD (High­light Video) zu haben ist.

Sti­lis­tisch ein wenig stö­rend ist dabei die Weichzeichner-​​Optik, wel­che gerade his­to­ri­schen Stof­fen wie die­sen eine gewisse Belie­big­keit und Harm­lo­sig­keit beschert, die sie the­ma­tisch eigent­lich nicht in sich tra­gen. Denn auch die Geschichte von „Olga“ endet wie so viele Schick­sale aus die­sen fins­te­ren Zei­ten trau­rig. Wer kämpft, kann eben auch ver­lie­ren. Nicht nur der Voll­stän­dig­keit halber.