8. Februar 2007
Rocky Balboa
Wie böse es enden kann, wenn alte Männer wieder in den Ring steigen, um es sich und der Welt noch einmal zu beweisen, hat uns vor wenigen Wochen Axel Schulz eindrucksvoll demonstriert; und beim Comeback eine gehörige Tracht Prügel bezogen. Der Rücktritt vom Rücktritt ist Boxer-Mode geworden: Nicht nur Henry Maske und Vitali Klitschko werden in Kürze wieder unter die Aktiven gehen, auch Sylvester Stallone – inzwischen immerhin stolze 60 Jahre alt – lässt seinen Rocky Balboa ein letztes Mal auf der Leinwand antreten.
Der „Italian Stallion“ lebt in der neuen Rolle als Restaurant-Besitzer nur noch in der Vergangenheit, hat den Verlust seiner geliebten „Adriaaaaan“ nie verwinden können. Bis ein TV-Sender mittels Computersimulation Ex-Champ gegen amtierenden Weltmeister antreten lässt. Rocky vs. Mason „The Line“ Dixon (Antonio Tarver), der Haudegen siegt und die Manager des verhassten Jungstars kommen auf die clevere Idee, zu PR-Zwecken einen Showkampf in Las Vegas zu inszenieren.
Die blutige Nase holt sich Sly mit dem sechsten Teil der „Rocky“-Saga wider Erwarten weder im Ring noch als Regisseur und Drehbuchautor. Der sauber getroffene Schmuddel-Look und die von neuem entdeckte Dramaturgie wie Charaktertiefe der ersten beiden Teile, Darsteller von einst und die ein oder andere selbstironische Anspielung machen aus „Rocky Balboa“ ein anständiges Stück Nostalgie-Kino bis zur letzten Runde. So darf’s gut und gern zu Ende gehen.
