9. Februar 2007
Tenacious D — „The Pick Of Destiny“
Schenken wir der Legende Glauben, so bediente sich einst Eddie van Halen seiner Magie, Pete Townshend ebenso und auch die Genialität eines Angus Young soll nicht die seine gewesen sein. Das satanische Plektrum des Schicksals war’s, das die Licks lenkte. In ihrem just angelaufenen Pseudo-Biopic macht sich auch die Hobby-Kapelle Tenacious D auf die Suche nach dem Masterpiece; und die Melodieläufe auf ihrem parallel erschienenen zweiten Album „The Pick Of Destiny“ (Smi Epc/Sony BMG) lassen eigentlich nur einen Schluss zu: Sie sind fündig geworden.
„I Do Not Need A Microphone. My Voice Is Fucking Powerfull!“ singt Jack „Jables“ Black in „Master Exploder“ und mit der wuchtigen Kraft seiner sonoren Stimme, die gleichfalls Air-Sirene-Höhen erklimmen wie in düsterste Tiefen hinabzusteigen vermag, könnte er wohl in jeder anderen Rock-Band ohne Probleme den Frontmann geben. Aber warum sollte er?
Schließlich beherrscht auch Kompagnon Kyle „Kage“ Gass aka K.G. sein (Saiten-)Instrument in Perfektion. In den Staaten weiß man das lange schon: Ein „Tribute“ an den vergessenen „Greatest Song In The World“, „Wonderboy“ und „Fuck Her Gently“ sind da nur die drei Bekanntesten. Und das verniedlichende Label „Comedy-Truppe“ mag auch fortan noch allenfalls ob der sinnentleerten (weil diesmal die Handlung eines abgedrehten Musical-Movies vorantreibenden) Texte zutreffen; die dicht gefolgt von „Suck“ und „Cock“ nahezu ohne Ausnahme dem vielfach einsetzbaren Wörtchen „Fuck“ in sämtlichen Ausprägungen zu ungeahnter Popularität verhelfen — Gütesiegel „Parental Advisory. Explicit Content“.
Auf und in „Pick Of Destiny“, hierzulande unter „Kings Of Rock“ in den Kinos angelaufen bewegt sich so ziemlich alles zwischen (textlichem) Nonsens und (musikalischer) Genialität; von „Papagenu (He’s My Sassafrass)“ — was Wunder, schließlich singt’s J.B. im Film auf einem Mushroom-Trip — bis zur etwas poppigen und titelgebenden Singleauskopplung „POD“. Aneinandergereiht entsteht eine lose 34-minütige Rock-Oper, in der jedes einzelne Stück ohne weiteres für sich stehen kann.
Eröffnet werden Film wie Soundtrack mit „Kickapoo“ und einer Songstruktur mit dreigeteilter Geschichte wie Interpretation: Young Jables rebelliert mit Schlaggitarre gegen seinen Dad, verkörpert von Meat Loaf, dessen sich anschließender, so typischer Rock ‚n’ Roll-Part ebensogut der „Rocky Horror Picture Show“ entsprungen sein könnte, bevor „Holy Diver“ Ronny James vom Poster-Thron dem Kid mit seinem Dio-Sound den Weg zum Rock weist.
In Folge erzählen die 15 Tracks in bester Musical-Manier die (aus dramaturgischen Gründen etwas aufgepimpte) Bandgeschichte der beiden Wunderknaben Kage und Jables. Dazu vereinnahmt man in Jack Blacks unnachahmlicher Art Mozarts „Zauberflöte“ („Classico“), lässt mit forsch geschlagenen Akustikgitarren die „History“ von Tenacious D vorüberziehen und stimmt bei „Dude (I Totally Miss You)“ auch mal balladesk-melancholische Tonlagen an.
Die Bezeichnung Metal-Movie verdient sich „Kings Of Rock“ dennoch allemal und das nicht nur dank speedgeladener Nummern wie „Car Chase City“ oder „Break In-City (Storm The Gate!)“ und dem riffgetragenen Manifest für den „Metal“, in welchem Punkrock, Grunge, New Wave und Techno den Thron streitig machen, „But They Failed As They Were Thrown To The Ground!“. Der Titel des sich stetig hinaufarbeitenden „Master Exploder“ sagt im Grunde alles über den Song dahinter; repräsentiert den tollen Tenacious D-Sound mit einem Gemisch aus Akustik– und E-Klampfe. Richtig denkwürdig wird’s spätestens, wenn sich J.B. und K.G. in „Beelzeboss“ ganz „Tribute“-like wieder mal einen fantastischen „Final Showdown“ mit dem lüsternen Satan liefern.
Die Metal-Parts von Foo Fighter Dave Grohl, der nicht nur teuflisch gut, sondern vor allem knüppelhart Felle und Gitarre traktiert, kontern The D einmal mehr mit grandiosem Spiel, das ob seiner schieren Klasse auch ohne cineastische Schicksals-Plek-Unterstützung funktionieren dürfte. Cause It’s Just Fucking Good Rock! And Who’s Tryin’ To Suggest Another Thing — Dude, You Can Suck A .…!
