Eine Mischung aus Infan­ti­li­tät und Intel­li­genz kann sehr süß sein. Aber auch äußerst gefähr­lich. Ein Para­de­bei­spiel ist der 2003 im sau­di­schen Exil gestor­bene ugan­di­sche Prä­si­dent und Dik­ta­tor Idi Amin, der in den frü­hen 70ern mit heh­ren Zie­len beginnt, sich aber immer mehr im übli­chen Gewirr aus Macht, Miss­trauen und zuge­hö­ri­ger Para­noia ver­liert; Land und Volk fast zugrunde richtet.

Unsere Geschichte indes beginnt im Eltern­hause des jun­gen schot­ti­schen Arz­tes Nicho­las Gar­ri­gan (James McA­voy), der sich frisch aus­stu­diert als­bald nach Uganda auf­macht, um als Ent­wick­lungs­hel­fer sein Scherf­lein für eine bes­sere Welt bei­zu­steu­ern. Doch ist es auch eine gute Por­tion jugend­li­che Aben­teu­er­lust, die ihn treibt.

Uner­war­tet wird er samt Kol­le­gin Sara Mer­rit (Gil­lian Ander­son) zu einem Ver­kehrs­un­fall geru­fen, in den der Staats­prä­si­dent Idi Amin (Forest Whi­ta­ker) ver­wi­ckelt ist. Der zeigt sich vom cou­ra­gier­ten Wei­ßen sehr ange­tan und Gar­ri­gan wird sein Leib­arzt; ja gehört bald sogar zum Kreis der engs­ten Ver­trau­ten. Ver­wöhnt und vom Luxus berauscht, über­sieht er zunächst die immer offen­sicht­li­che­ren Gräu­el­ta­ten. Bis die ers­ten poli­ti­schen „Geg­ner“ aus dem nähe­ren Umfeld ver­schwin­den. Eine Affäre mit Amins Dritt­frau Kay (Kerry Washing­ton) spä­ter ist der arg­lose Jüng­ling end­gül­tig selbst „In den Fän­gen der Macht“ ange­langt. Und gleich­falls in Lebensgefahr.

Ebenso tref­fend wie sper­rig und damit stö­rend ist der deut­sche Unter­ti­tel. Ansons­ten kann man über die Ver­men­gung von dra­ma­ti­sie­ren­der Fik­tion und Rea­li­tät zwi­schen Psycho-​​Thriller und Polit-​​Krimi jedoch kaum ein schlech­tes Wort ver­lie­ren. Die Ver­fil­mung des preis­ge­krön­ten Romans „Der letzte König von Schott­land“ von Giles Foden bie­tet packende Ein­bli­cke in die Innen­welt einer Dik­ta­tur; ist kraft­vol­les und vor­züg­lich gespiel­tes Psy­cho­gramm eines Volks­tri­buns und sei­nem in jeder Hin­sicht fata­len Hang zur Unreife. Die dar­aus resul­tie­rende Unbe­re­chen­bar­keit Amins ver­schafft dem Film einen fort­wäh­ren­den, sich über die 123 Minu­ten Lauf­zeit immer höher schrau­ben­den Spannungsbogen.

Ein don­nern­der Forest Whi­ta­ker gibt den Des­po­ten, der der von 1971 bis 1979 Uganda regierte; selbst­er­klär­ter Bezwin­ger des bri­ti­schen Impe­ri­ums oder auch kur­zer­hand König Schott­lands. Amin, der „Schläch­ter von Afrika“, und sein „Wei­ßes Äff­chen“ Nicho­las — es ist die­ses auf grau­sige Weise fas­zi­nie­rende Bild eines Adolf Hit­ler, der im einen Moment fast lie­be­voll seine Blondi tät­schelt, um im nächs­ten Mil­lio­nen von Men­schen unge­rührt in den Tod zu schicken.

Groß­ar­tig wie sein (auch opti­scher) Gegen­part, der hagere James McA­voy, der Rolle des jun­gen schot­ti­schen Medi­zi­ners Nicho­las Gar­ri­gan eine nuan­cierte Ent­wick­lung ver­leiht, die von jugend­li­cher Aben­teu­er­lust über gefähr­li­cher Fas­zi­na­tion an Macht bis hin zu völ­li­ger psy­chi­scher und kör­per­li­cher Destruk­tion reicht; und dabei trotzt aller (mensch­li­chen) Ver­feh­lun­gen voll­stän­dig nach­voll­zieh­bar bleibt.

Doch Whi­ta­ker ist es leib­haf­tig. Method Acting bis zum Anschlag, Spra­che gelernt, Ges­tik, Mimik und Kör­per­spra­che stu­diert: Die­ser Mann spielt nicht, er ist Amin und hat sich Ende Februar trotz teil­weise ebenso vor­züg­li­cher Kon­kur­renz völ­lig zu Recht sei­nen ers­ten „Oscar“ als „Bes­ter Haupt­dar­stel­ler“ abge­holt. Kaum auf der Bild­flä­che erschie­nen, reißt der wuch­tige Whi­ta­ker Film und Gesche­hen an sich und hält es bis zur Schluss­mi­nute ganz fest in sei­nen Pran­ken. Eine sol­che One-​​Man-​​Show kann für einen Regis­seur sehr gefähr­lich sein. Aber auch — und gerade im Falle von Kevin Mac­do­nalds „Letz­tem König“ — äußerst fesselnd!