15. März 2007

Der letzte König von Schottland

Eine Mischung aus Infantilität und Intelligenz kann sehr süß sein. Aber auch äußerst gefährlich. Ein Paradebeispiel ist der 2003 im saudischen Exil gestorbene ugandische Präsident und Diktator Idi Amin, der in den frühen 70ern mit hehren Zielen beginnt, sich aber immer mehr im üblichen Gewirr aus Macht, Misstrauen und zugehöriger Paranoia verliert; Land und Volk fast zugrunde richtet.

Unsere Geschichte indes beginnt im Elternhause des jungen schottischen Arztes Nicholas Garrigan (James McAvoy), der sich frisch ausstudiert alsbald nach Uganda aufmacht, um als Entwicklungshelfer sein Scherflein für eine bessere Welt beizusteuern. Doch ist es auch eine gute Portion jugendliche Abenteuerlust, die ihn treibt.

Unerwartet wird er samt Kollegin Sara Merrit (Gillian Anderson) zu einem Verkehrsunfall gerufen, in den der Staatspräsident Idi Amin (Forest Whitaker) verwickelt ist. Der zeigt sich vom couragierten Weißen sehr angetan und Garrigan wird sein Leibarzt; ja gehört bald sogar zum Kreis der engsten Vertrauten. Verwöhnt und vom Luxus berauscht, übersieht er zunächst die immer offensichtlicheren Gräueltaten. Bis die ersten politischen "Gegner" aus dem näheren Umfeld verschwinden. Eine Affäre mit Amins Drittfrau Kay (Kerry Washington) später ist der arglose Jüngling endgültig selbst "In den Fängen der Macht" angelangt. Und gleichfalls in Lebensgefahr.

Ebenso treffend wie sperrig und damit störend ist der deutsche Untertitel. Ansonsten kann man über die Vermengung von dramatisierender Fiktion und Realität zwischen Psycho-Thriller und Polit-Krimi jedoch kaum ein schlechtes Wort verlieren. Die Verfilmung des preisgekrönten Romans "Der letzte König von Schottland" von Giles Foden bietet packende Einblicke in die Innenwelt einer Diktatur; ist kraftvolles und vorzüglich gespieltes Psychogramm eines Volkstribuns und seinem in jeder Hinsicht fatalen Hang zur Unreife. Die daraus resultierende Unberechenbarkeit Amins verschafft dem Film einen fortwährenden, sich über die 123 Minuten Laufzeit immer höher schraubenden Spannungsbogen.

Ein donnernder Forest Whitaker gibt den Despoten, der der von 1971 bis 1979 Uganda regierte; selbsterklärter Bezwinger des britischen Imperiums oder auch kurzerhand König Schottlands. Amin, der "Schlächter von Afrika", und sein "Weißes Äffchen" Nicholas - es ist dieses auf grausige Weise faszinierende Bild eines Adolf Hitler, der im einen Moment fast liebevoll seine Blondi tätschelt, um im nächsten Millionen von Menschen ungerührt in den Tod zu schicken.

Großartig wie sein (auch optischer) Gegenpart, der hagere James McAvoy, der Rolle des jungen schottischen Mediziners Nicholas Garrigan eine nuancierte Entwicklung verleiht, die von jugendlicher Abenteuerlust über gefährlicher Faszination an Macht bis hin zu völliger psychischer und körperlicher Destruktion reicht; und dabei trotzt aller (menschlichen) Verfehlungen vollständig nachvollziehbar bleibt.

Doch Whitaker ist es leibhaftig. Method Acting bis zum Anschlag, Sprache gelernt, Gestik, Mimik und Körpersprache studiert: Dieser Mann spielt nicht, er ist Amin und hat sich Ende Februar trotz teilweise ebenso vorzüglicher Konkurrenz völlig zu Recht seinen ersten "Oscar" als "Bester Hauptdarsteller" abgeholt. Kaum auf der Bildfläche erschienen, reißt der wuchtige Whitaker Film und Geschehen an sich und hält es bis zur Schlussminute ganz fest in seinen Pranken. Eine solche One-Man-Show kann für einen Regisseur sehr gefährlich sein. Aber auch - und gerade im Falle von Kevin Macdonalds "Letztem König" - äußerst fesselnd!

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