Oli­ver Kalk­ofe und Bas­tian Pas­tewkaKarls­ruhe — Mit viel schwarz-​​weißem Humor kram­ten Oli­ver Kalk­ofe und Bas­tian Pas­tewka als Chief Inspec­tor Even Lon­ger und Inspec­tor Very Long vor drei Jah­ren in der Edgar-​​Wallace-​​Filmreihe. Die­ser Tage erzählt man sich in den Kinos der Repu­blik „Neues vom Wix­xer“, wes­halb Patrick Wurs­ter die bei­den Auto­ren und Haupt­dar­stel­ler bei ihrem Besuch im Film­pa­last am ZKM ver­hört hat. Ein Pro­to­koll über funk­tio­nie­rende Par­odien, ona­nie­rende Otter und stra­pa­zierte Führerfiguren.

???: Weni­ger wit­zig, aber ordent­lich erfolg­reich war der erste Teil des „Wix­xers. Obwohl es Kri­ti­ker­schelte gab, wollten’s rund 1,8 Mil­lio­nen Kino­zu­schauer sehen…
Oli­ver Kalk­ofe: Sicher­lich haben wir beim ers­ten Teil, der zugleich unser ers­ter Kino­film war, noch Feh­ler gemacht — und sind trotz­dem stolz auf das Ergeb­nis! Das ist, als ob man sein Kind auf­zieht und wenn es erwach­sen ist, geht es zur FDP.

???: Der neue „Wix­xer“ fährt wie­der eini­ges an Zita­ten auf; zwi­schen Lars Rudolph als Kinski-​​Verschnitt bis zum mit­tels Weit­win­kel ins Bild gerück­ten Tele­fon­hö­rer, den wohl nur Edgar Wallace-​​Kenner aus­ma­chen dürf­ten. Aber kann ein Groß­teil Ihrer Ziel­kund­schaft mit den zahl­lo­sen Anspie­lun­gen dazwi­schen über­haupt etwas anfan­gen?
Bas­tian Pas­tewka: Man muss natür­lich davon aus­ge­hen, dass die Jün­ge­ren den gro­ßen Edgar-​​Wallace-​​Boom nicht mit­er­lebt haben. Aber ich weiß, dass sams­tag­abends auch sehr viele junge Zuschauer ein­schal­ten, wenn die alten Filme bei einem Pri­vat­sen­der im Dop­pel­pack gezeigt wer­den. Man hat natür­lich einen Bonus, wenn man sie kennt und wird das ein oder andere Zitat mehr ent­de­cken. Uns ist aber letzt­lich auch ein Stück weit egal, wer die alten Filme geschaut hat.
Kalk­ofe: Eine gute Par­odie muss auch funk­tio­nie­ren, ohne dass der Zuschauer die Ori­gi­nale kennt. Das beste Bei­spiel ist „Die nackte Kanone“: Kaum einer kennt noch die Serie „M Squad“ aus den 50ern mit Lee Mar­vin. Den­noch weiß jeder, wel­che Art von Film, wel­che Art von Genre hier per­si­fliert wird. Ähn­lich ist es bei uns: So lange die Welt, die wir auf­ge­baut haben — unsere „Wixxer“-Welt — stim­mig ist, kann man sich ein­fach hin­ein­fal­len las­sen. Das ist viel­leicht das Geheim­nis des Erfolges.

???: Dann ist die­ser Aspekt also nicht Grund dafür, dass bei „Neues vom Wix­xer“ wesent­lich mehr all­ge­mein­ver­ständ­li­che Popkultur-​​Zitate ent­hal­ten sind?
Kalk­ofe: Nein, über­haupt nicht. Wir haben diese Ele­mente nur dann gebracht, wenn sie sich gut in die Hand­lung ein­fü­gen; und nicht, um sich irgend­wem anzu­bie­dern. Im Gegen­teil. Zuge­ge­ben: Beim ers­ten „Wix­xer“ gab es noch Dis­kus­sio­nen, die­ses und jenes zu machen, nur weil es den Jün­ge­ren ent­ge­gen kommt. Aber wir haben gelernt, dass man das nicht machen darf.

???: Wie darf man sich das eigent­lich vor­stel­len, wenn die drei Auto­ren Kalk­ofe, Pas­tewka und Welke ein Dreh­buch ver­fas­sen?
Pas­tewka: Es gibt da eine ganz klare Auf­tei­lung. Wir rufen alle unsere Ideen durch den Raum, und Kalk­ofe hat den Part inne, dass er oben­drein den gan­zen Scheiß tip­pen muss. Aber Oli­ver hat nun mal als ein­zi­ger von uns eine Fremdsprachensekretärinnen-​​Ausbildung erfolg­reich abge­schlos­sen. So etwas qua­li­fi­ziert natür­lich.
Kalk­ofe: Und des­halb wurde mir weis­ge­macht, ich sei der ein­zige von uns dreien, der tip­pen könnte. Das ist natür­lich gelo­gen, aber ich hab’s geglaubt und kenne mich mitt­ler­weile so gut mit den Com­pu­ter­pro­gram­men aus, dass ich es ein­fach machen muss.

Oli­ver Kalk­ofe und Bas­tian Pas­tewka???: Gedreht wurde das Nie­der­ge­schrie­bene dann in Tsche­chien. Nur aus finan­zi­el­len Beweg­grün­den?
Kalk­ofe: Das Preis-​​Leistungs-​​Verhältnis dort ist her­vor­ra­gend. Die Kol­le­gen in Prag kön­nen Sze­nen­bil­der bauen, die man in Deutsch­land für die­sen Preis nie und nim­mer bekom­men würde. Das Schloss, das Klos­ter, die Irren­an­stalt — das ist alles gebaut und nicht etwa am Com­pu­ter ent­stan­den.
Pas­tewka: Auch für die Außen­auf­nah­men war es unge­heuer wich­tig, dort zu dre­hen. Unser Film spielt in den 60er Jah­ren und das konn­ten wir in Lon­don nicht rea­li­sie­ren, weil die Stadt heute ein­fach zu modern ist. Prag dage­gen bie­tet die ideale Optik.

???: Wie viele der 32 Edgar-​​Wallace-​​Verfilmungen kom­men im neuen „Wix­xer“ vor?
Kalk­ofe: Das kann man so genau gar nicht sagen. Wir haben sie natür­lich alle gese­hen und es gibt ein paar Filme, die haupt­säch­lich zitiert wer­den; zum Bei­spiel haben wir die­ses Mal sehr viel von der „Selt­sa­men Grä­fin“ drin, „Die Bande des Schre­ckens“ kommt häu­fig vor, „Der grüne Bogen­schütze“ und selbst­ver­ständ­lich die „Hexer“-Filme. Ansons­ten sind das Ver­satz­stü­cke aus einem guten Dut­zend wei­te­rer Edgar-​​Wallace-​​Klassiker. Beim ers­ten „Wix­xer“ waren weit­aus mehr Titel drin, aber damals hat­ten wir auch noch das ganze Feld zum Abgra­sen. Dies­mal haben wir uns ein biss­chen mehr fokus­siert. Dafür gibt es 32 ver­schie­dene Enden nach Zufalls­prin­zip. Es lohnt sich also durch­aus, den Film mehr­mals zu sehen.

???: Beson­de­rer Hin­ku­cker ist eine Stelle, an der im TV lie­ber weg­ge­se­hen wird — Wer­bung! Man mun­kelt unter den Ruf­num­mern vom „Ona­nie­ren­den Otter“ und dem „Pis­sen­den Fisch“ soll’s tat­säch­lich etwas zu holen geben?
Kalk­ofe: So ist es! Die Num­mern in unse­rem Wer­be­block gibt’s wirk­lich. Wer dort anruft, bekommt einen Code für die „Wixxer“-Website und kann diese Klin­gel­töne dann kos­ten­los herunterladen.

???: Wie komisch geht’s zu am Set, wenn drei Spaß­vö­gel die Fäden in der Hand hal­ten?
Pas­tewka: Es geht sehr komisch zu. Wir haben viele Sze­nen zusam­men und dabei reich­lich gelacht; auch über­ein­an­der. Ich könnte nicht anders arbei­ten.
Kalk­ofe: Es ist enorm wich­tig, dass eine gute Stim­mung am Set herrscht. Wir haben uns mit den ande­ren Schau­spie­lern auch nach Dreh­schluss pri­vat getrof­fen…
Pas­tewka: …und sind sozu­sa­gen eine rich­tige „Wixxer“-Familie geworden.

???: Dabei hatte der ein oder andere Gast­auf­tritt unter Ihrer „Matt­scheibe“ ganz schön zu lei­den. Herr Kalk­ofe, wie haben Sie’s geschafft, dass diese Leute aus­ge­rech­net in Ihrem Film mit­spie­len?
Kalk­ofe: Bei Achim Ment­zel hat sich diese Frage erst gar nicht gestellt. Das ist ja schon fast so etwas wie eine Bluts­brü­der­schaft zwi­schen uns bei­den. Für die Sze­nen in der Irren­an­stalt muss­ten wir nur zu ihm nach Hause fah­ren und die Kamera in die Zelle hal­ten. Aber es gab auch Absa­gen: Den Part von Frank Zan­der sollte eigent­lich Die­ter Tho­mas Heck über­neh­men, der sich lei­der ver­wei­gert hat. Auch bei Roberto Blanco war ich zunächst unsi­cher. Den hatte ich so oft in der „Matt­scheibe“ und dachte: „Oje, wenn der wirk­lich kommt, haut er dir erst mal in die Fresse…“ Dann kam er tat­säch­lich, war fröh­lich, meinte nur: „Ein biss­chen Spaß muss sein!“ und ging wie­der. Aber ich glaube, er weiß bis heute nicht, wer ich bin oder in wel­chem Film er über­haupt mit­ge­spielt hat.

???: Der­weil ist Chris­toph Maria Herbst vom But­ler zum Irren­arzt auf­ge­stie­gen. Mit sei­ner gran­dio­sen Hatler-​​Performance könnte man ebenso gut einen eige­nen Kino­film fül­len. Sie haben sich das getraut, was man bei Dani Levys „Mein Füh­rer“ ver­misst hat…
Kalk­ofe: Und zwi­schen­drin wurde Hit­ler auch noch in der Komö­die „Der Unter­gang“ par­odiert. Des­halb hat­ten wir schon ein biss­chen die Befürch­tung, das Thema könnte mitt­ler­weile viel­leicht über­stra­pa­ziert sein. Aber das Schöne bei der Figur Hat­ler ist, dass wir das auf eine ganz andere Ebene hie­ven: Chris­toph Maria Herbst spielt ja nicht den Mann, an den er erin­nert. Das erlaubt es uns, so absurd zu sein, wie sich dem Thema genä­hert wer­den muss. Von die­ser Warte aus kann man sehr viel mehr machen, sich sehr viel mehr trauen; zei­gen, wie lächer­lich diese Per­son und das Gedan­ken­gut ist. Und die Karaoke-​​Version von „My Way“ ist defi­ni­tiv einer der Höhe­punkte des Films gewor­den! Wir woll­ten ihn eigent­lich auch noch „Ein biss­chen Frie­den“ sin­gen las­sen — aber Ralph Sie­gel hat die Rechte nicht herausgegeben…