8. März 2007
Mitten ins Herz — Ein Song für Dich
Denkwürdig waren sie, die 80er. Oder doch nur wieder ein Beleg dafür, wie schnell aus einer beschissenen Gegenwart glorreiche Vergangenheit wird? Ganz gleich wie man’s denn sieht — eines hatten sie definitiv: ihren eigenen Stil, der bis heute vorgemacht hat, was sich mit Musik und Haaren so alles anstellen lässt. Alex Fletcher (Hugh Grant) und seine Gruppe Pop waren Teil dieses Jahrzehnts. Heute ist er übrig, einer dieser längst vergessenen Stars, die sich mit Auftritten in peinlichen Retroshows durchschlagen müssen. Und dann kommt sie doch noch: die einmalige Chance aufs Comeback.
Die regierende Pop-Prinzessin Cora Corman (Haley Bennett als laszive Aguilera-Shakira-Spears-Kreuzung) hat sich in den ebenso jungen wie hübschen Kopf gesetzt, auf die Schnelle ein Duett komponieren zu lassen. Schließlich stehen CD und Tour in den Startlöchern und Alex ist zum Special Guest erkoren — sofern er liefert. Nur wenige Tage bleiben dem abgehalfterten Musiker, um einen echten Hit aus den Ärmeln zu schütteln.
Unverhoffte Unterstützung erhält er dabei von seiner verführerisch-schrulligen Pflanzenpflegerin Sophie Fisher (Drew Barrymore), die zwar nicht immer die richtigen Töpfe, mit poetischem Gespür aber stets den rechten Ton trifft. Doch ihre schlechten Erfahrungen als Autorin hemmen und als sich die beiden erst am und dann unter dem Piano näher kommen, hat auch Bindungsphobiker Alex sein handfestes Problem.
Vor einem solchen sahen sich wohl auch die Strategen in der Warner Bros.-Abteilung Marketing. Ihre Lösung aus dem schlichten, aber treffenden Originaltitel „Music And Lyrics“ ein viel zu langes, dabei doch so nichtssagendes, viel zu verkitschtes und deshalb auch noch irreführendes „Mitten ins Herz — Ein Song für Dich“ zu machen, ist der einzig echte Missgriff in diesem durch und durch süß gespielten Date-Movie, das sich zwischen viel lieblichem Gesäusel nicht davor scheut, der Musikindustrie eins mitzugeben.
Dass zwei Schauspieler, die das Genre von Herz und Humor derart dominieren, auch perfekt harmonieren, war beim neuen Sesselwärmer von Regisseur Marc Lawrence ja fast zu erwarten. Doch richtig stimmig wird’s erst durch den Soundtrack. Sie inspiriert ihn zu neuen Ergüssen; auch musikalischen und die sind ganz gleich was die heimische Plattensammlung auch dagegen haben mag von betörender Note. Ein 108-minütiger „Way Back Into Love“. Und die guten, alten 80er? Vergessen wir mal fürs erste wieder.
